Fahrbericht

Test: Ford Ka+ - Einfach mal zugelegt

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Im Vergleich zum bisherigen Ford Ka ist der Ka+ um 31 Zentimeter in der Länge gewachsen Foto: Ford

Mit ein bisschen mehr auf den Rippen und den Hüften verdienen die angesagten Plus-Size-Modelles gutes Geld. Das Plus in der Namensgebung des neuen Ford Ka deutet bereits an, dass auch ein Auto zulegen kann - nicht unbedingt zu seinem Nachteil.

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Fragt man sein Gegenüber, ob er oder sie zugelegt habe, ist das selten schmeichelhaft gemeint. Beim seit Oktober 2016 erhältlichen neuen Ka+ ist diese Frage aber durchaus von einer anerkennenden Konnotation begleitet. Schließlich hat der bisherige Kleinstwagen Ka eine ganz schöne Wandlung hinter sich. Dazu gehört ein Längenzuwachs von 31 Zentimetern, so dass die Plus-Generation sich nun auf 3,93 Meter streckt und sich so eher am modernen Kleinwagenformat als an der bisherigen Kleinstwagenklasse orientiert. Das gilt auch für die Motorisierung, denn der 1,2-Liter-Benziner leistet immerhin 63 kW/85 PS, genausviel wie zum Beispiel der Basismotor eines Golfs.
 
Übrigens gibt es nicht nur in Sachen Länge Neues. Der Ka+ hat auch das knuddelige Kindchen-Schema-Design des Vorgängers abgelegt und wirkt nun deutlich erwachsener. Er geht jetzt auf Anhieb als kleiner Bruder des Fiesta durch. Dazu gibt es statt drei immer fünf Türen. Die Fondtüren erlauben ein bequemes und verrenkungsfreies Einsteigen. Das Platzangebot auf den hinteren Plätzen ist - zumindest für zwei Personen - recht ordentlich. Und da die Dachlinie auch nicht modisch abfällt, ist auch ausreichend Kopffreiheit gegeben. Fahrer und Beifahrer fühlen sich recht wohl, wobei die Lenkerposition die angenehmere ist. Der Fahrersitz gibt mehr Halt als sein seitliches Pendant, insgesamt macht das Gestühl ein für diese Fahrzeugklasse ordentlichen Eindruck. Viele praktische Ablagen und eine gute Verarbeitung unterstreichen das positive Innenraumerlebnis.
 
Hinzu kommt ein Kofferraum, der seinen Namen durchaus verdient. Zwischen 270 und 849 Liter Gepäckvolumen weisen die technischen Daten aus, das ist kein schlechter Wert für einen schließlich immer noch automobilen Winzling. Leider kann die Heckklappe nur umständlich über die Schlüsselfernbedienung geöffnet werden. Ein separater Druckschluss für ein manuelles Öffnen ist nicht vorhanden. Das beim Umlegen der Rücksitzlehnen eine kleine Stufe entsteht und der Kofferraumteppich kein Wohnzimmerambiente aufkommen lässt, muss man der Fahrzeug- und Preisklasse schulden.
 
Angeboten wird der Ka+ in Verbindung mit dem 51 KW/70 PS starken Benziner ab 9.990 Euro. Damit liegt der Neue rund 600 Euro über dem bisherigen Modell. Zu diesem Preis fährt der Kleine nicht gänzlich nackig vor; elektrische Fensterheber und elektrische Außenspiegel gehören unter anderem genauso zur Basisausstattung wie eine im Verhältnis 60:40 teilbare Rücksitzlehne, die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung und eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung. Für Radio und Klimaanlage muss man zusammen noch einmal 950 Euro investieren. Darf es auch beim Komfortniveau etwas mehr sein, muss man zu dem von uns gefahrenen stärkeren Motor greifen. Diese Variante kostet ab 11.400 Euro, im Preis inbegriffen sind unter anderem zusätzlich eine Klima- und eine Musikanlage samt des Ford-Konnektivitätsystems Sync.
 
Unser Testfahrzeug hatte (natürlich) noch einige Extras wie in Wagenfarbe lackierte, elektrisch anklappbare und beheizbare Außenspiegel, elektrische hintere Fensterheber, eine Geschwindigkeitsregelanlage und Sitzheizung für die vorderen Sitze an Bord, so dass er mit 13.900 Euro zu Buche schlägt. Die Sitzheizung für 300 Euro ist besonders im Winter unbedingt empfehlenswert, ob man allerdings bei dieser Fahrzeugpreisgestaltung eine Metallic-Lackierung für 850 Euro für sinnvoll erachten muss? Zwar gibt es den Kleinen ohne Aufpreis nur in Weiß, aber schon für 150 Euro Zuzahlung fährt er in einem intensiven Sonnengelb vor.
 
Anders als viele Wettbewerber setzt Ford beim Ka+ auf Vierzylinder-Motoren und verzichtet auf Turbounterstützung. Das bedeutet - neben den günstigeren Herstellungskosten - für den Fahrer eine Menge Schaltarbeit. Man muss das Aggregat durch eifriges Nutzen des Fünfgang-Getriebes in Drehmomentlaune halten, was angesichts von 112 Nm maximalen Drehmoments schon eine kleine Herausforderung ist.
 
Die Gänge flutschen leicht durch die Schaltgassen. Zwar könnte das angenehm straff abgestimmte Fahrwerk mehr PS vertragen, doch für den Winzling gehen 85 PS schon in Ordnung. Der Standardspurt gelingt in 13,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist mit 169 km/h angegeben. Auf der Autobahn zeigte der Tacho sogar 175 km/h an, aber sein Metier ist die Schnellstraße auf Dauer nicht. Für die dort gefahrenen Tempi muss sich der Sauger ganz schön anstrengen, der Verbrauch steigt auf 7,5 Liter. Sein Einsatzgebiet dürfte doch eher ein Stadt-Land-Umfeld sein. Im Schnitt kamen wir hier bei zügiger Fahrweise auf einen Verbrauch von 6,8 Litern, knapp zwei Liter über dem Normwert.
 
Somit ist der Ka+ eine echte Alternative für Fahrer, deren Budget für einen Kleinstwagen reicht, die aber gerne über ein besseres Platzangebot als dort üblich verfügen wollen und lieber einen Neu- als einen Gebrauchtwagen ihr Eigen nennen wollen.

Ford Ka+ - Technische Daten

Fünftüriger, fünfsitziger Kleinstwagen, Länge: 3,93 Meter, Breite: 1,70 Meter (Breite mit Außenspiegeln: 1,91 Meter), Höhe: 1,53 Meter, Radstand: 2,49 Meter, Kofferraumvolumen 270 bis 849 Liter.
 
1,2-Liter-Benziner, 63 kW/85 PS, Fünfgang-Getriebe, maximales Drehmoment: 112 Nm bei 4.000 U/min, Vmax: 169 km/h, 0-100 km/h: 13,3 s, Durchschnittsverbrauch: 5,0 l/100 km, CO2-Ausstoß: 114 g/km, Effizienzklasse C, Abgasnorm Euro 6, Testverbrauch: 6,8 Liter
Preis: ab 11.400 Euro

Kurzcharakteristik:

Warum: weil er echt viel Platz bietet
Warum nicht: weil der preisliche Schritt zum klassischen Kleinwagen eher klein ist
Was sonst: Opel Karl, Suzuki Celerio, Kia Picanto

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