Nutzfahrzeuge

Mercedes-Benz Vans: Big Van Theorie

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mid Stuttgart - Der Mobile Material Service von Daimler soll den Arbeits-Alltag von Servicetechnikern und Handwerkern effizienter gestalten. Mirko Stepan / mid

Stuttgart-Wangen, ehemaliges Kodiak-Areal. Hier sitzt das Inno.Lab von Mercedes-Benz Vans - die Denkfabrik für die kleinen und mittleren Nutzfahrzeuge mit Stern. Rund 90 Mitarbeiter denken hier darüber nach, was Gewerbekunden in nächster, naher und etwas fernerer Zukunft brauchen, um mit ihrem Mercedes zufrieden vom Hof zu fahren.

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Stuttgart-Wangen, ehemaliges Kodiak-Areal. Hier sitzt das Inno.Lab von Mercedes-Benz Vans - die Denkfabrik für die kleinen und mittleren Nutzfahrzeuge mit Stern. Rund 90 Mitarbeiter denken hier darüber nach, was Gewerbekunden in nächster, naher und etwas fernerer Zukunft brauchen, um mit ihrem Mercedes zufrieden vom Hof zu fahren.

Die Struktur der Abteilung erinnert nicht zufällig an die von Start-up-Unternehmen, mit denen das Stuttgarter Inno.Lab und die Dependancen in Berlin und Silicon Valley eng zusammenarbeiten. Insgesamt 200 Denker aus unterschiedlichsten Bereichen sind an den Standorten versammelt, 400 sollen es noch 2017 werden - Ingenieure, Psychologen, Sozialwissenschaftler: Müsli statt Maultaschen. So entstehen zum Beispiel innovative Regalsysteme für den Laderaum - beginnend beim 3D-Druck bis hin zum Metall-Prototypen.

500 Millionen Euro investiert Daimler bis 2020 in die Projekte und Services, die unter dem Oberbegriff "adVANce" laufen, rechnet Volker Mornhinweg vor, der Mercedes-Benz Vans leitet, während er die Geschäftszahlen für 2016 präsentiert. Zwölf Prozent Wachstum auf der Produktseite, insgesamt ein Absatz von 359.100 Fahrzeugen - Rekord. Geschäftsergebnis EBIT von 1,17 Milliarden Euro - Rekord. Trotz erheblicher Einbußen in Südamerika. Der Absatz in dieser Region hat sich um 21 Prozent auf rund 12.500 Einheiten verringert. Von den anderen Märkten mit Ausnahme Russlands, wo Mercedes dennoch die Nummer Drei bei den leichten und mittleren Nutzfahrzeugen ist, kommen dagegen positive Meldungen.

Es ist also der perfekte Zeitpunkt, um viel Geld in die Hand zu nehmen, um in Zukunftsprojekte zu investieren und die adVANce-Strategie in die Tat umzusetzen. Ziel ist es, sich vom reinen Fahrzeugbauer zum Dienstleister zu wandeln. Wie groß der Dienstleistungsanteil am Gesamtumsatz in Zukunft sein wird, möchte Mornhinweg nicht prognostizieren. Aber es werde ein signifikanter Anteil sein, sagt der Lenker, der sich zu den Gerüchten nicht äußern möchte, er könne den vakant gewordenen Vorstandsposten von Wolfgang Bernhard bei Daimler Trucks übernehmen. Er fühle sich heute in seiner Aufgabe sehr wohl, und das werde morgen auch noch so sein, lautet sein Kommentar.

Wichtiger scheinen ihm also zunächst die Aufgabe, die adVance mit sich bringt: die Digitalisierung. Der Nachfolger des Sprinter - mit mehr als drei Millionen verkauften Fahrzeugen seit 1995 der Top-Seller seiner Klasse -, der vor 2020 kommen wird, wird vollständig vernetzt sein. Außerdem gehören die Anwendung neuer Konzepte, etwa zum Flottenbetrieb, und die Individualisierung hinsichtlich der Bedürfnisse des Kunden dazu. Im Sommer kommt "Pro Connect" auf den Markt, ein Vernetzungs- und Analyse-Werkzeug, mit dem Flottenbetreiber umfassende Informationen erhalten, um etwa Wartungen besser planen zu können.

In den Bereich Individualisierung fällt auch der "Mobile Material Service". Dahinter steckt ein System, das für Servicetechniker und Handwerker gedacht ist, und das deren Arbeits-Alltag effizienter gestalten soll. Mittels App können sie beispielsweise ihren Materialvorrat im Lieferwagen auffüllen lassen - der benötigte Artikel wird per Scan registriert und an den Lieferanten übermittelt. Ein Versand-Dienstleister packt die Bestellung zusammen und liefert über Nacht direkt ins Auto. Der Zugang erfolgt auch über eine App, ähnlich wie bei car2go. So fallen unnötige Materialsichtungen weg, der Nutzer kann sich voll auf seine wertschöpfende Tätigkeit konzentrieren, sprich - seiner Arbeit als Schreiner, Installateur oder ähnlichem nachkommen. Ein Pilotprojekt mit inzwischen vier Fahrzeugen läuft seit einigen Monaten - und die Technik ist weitgehend ausgereift. Ergibt ein breiter gefächerter Praxistest, dass die Kunden das System annehmen, soll es in Serie gehen.

Der enge Kontakt und die Zusammenarbeit mit den Kunden, die von den Entwicklungen profitieren sollen, ist ein wichtiger Baustein im Gesamtkonstrukt dieser Zukunftsentwicklung - sei es hinsichtlich nutzungsorientierter Produkte, sei es mit Blick auf Dienstleistungen. Mitte 2017 nimmt die Mercedes-Benz Vans Mobility GmbH ihre Arbeit auf, die ein Carsharing-Programm für gewerbliche Kunden anbieten wird. Das funktioniert ähnlich wie car2go: Fahrzeuge können kurzfristig und für bestimmte Zeitintervalle angemietet werden - beispielsweise wenn ein plötzlicher Bedarf besteht, der mit dem eigenen Fuhrpark nicht abzudecken ist. Zunächst soll die Van-Sharing-Flotte bei Mercedes-Händlern angegliedert sein, aber das wird sich sicherlich schnell ändern. Auch hier wird wohl der Wunsch der Kunden den Takt vorgeben - so wie es die Zukunftsstrategie vorsieht. Dass sich Kundenwünsche durch entsprechende Appetithäppchen beeinflussen lassen, ist dabei sicher kein Nachteil.

Mirko Stepan / mid

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