VDA-Kongress

VDA-Präsident: Wer den Diesel verbietet, stellt sich gegen den Klimaschutz

  • In UMWELT
  • 5. April 2017, 15:22 Uhr
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VDA-Präsident Matthias Wissmann. Foto: Auto-Medienportal.Net/Manfred Zimmermann

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Mit einem flammenden Appell an die Vernunft eröffnete Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, heute den 19. Technischen Kongress des VDA in Berlin: ,,Wer den Diesel verbieten will, stellt sich auch gegen den Klimaschutz." Es gebe intelligentere Lösungen als Fahrverbote. Wissmann forderte unter anderem einen flüssigen Verkehr und eine konsequent eingesetzte Grüne Welle: ,,Das verhindert Staus, wirkt auf den gesamten Pkw-Bestand und bringt die Emissionen deutlich nach unten." Außerdem sollten Busse und Taxen möglichst rasch auf die neuesten Modelle umstellen, mahnt der VDA-Präsident.

Der moderne Euro-6-Diesel sei, neben der Elektromobilität, der wichtigste Baustein, um die europäischen Klimaschutzziele zu erreichen, stellte Wissmann fest. Seine Kohlendioxid-Emissionen liegen um bis zu 15 Prozent niedriger als die eines vergleichbaren Benziners. Ein Fahrverbot von jungen Diesel-Pkw hält der VDA-Präsident auch sozialpolitisch für fragwürdig: ,,In Stuttgart sollen ab 2018 bei ,Feinstaubalarm' bereits Euro-5-Diesel-Pkw nicht mehr fahren dürfen. Diese Autos wären dann gerade einmal zweieinhalb Jahre alt. Die Verbotsankündigung hat Bürger, viele Gewerbetreibende und Handwerker erheblich verunsichert." Der Politik legt Wissmann nahe, sich zu fragen, ob bei einem so massiven Eingriff in die Eigentums- und Vermögensverhältnisse vieler Menschen die Verhältnismäßigkeit noch gewahrt sei. Wissmann: ,,Es geht nicht um wenige ,,alte Stinker", sondern um junge Gebrauchtwagen. Rund 40 Prozent des Diesel-Pkw-Bestands in Deutschland sind Autos mit Euro-5-Norm.

Der VDA-Präsident verwies darauf, dass die deutschen Hersteller und Zulieferer mit Hochdruck an der weiteren Verbesserung der Dieseltechnologie arbeiteten: ,,Bereits Ende 2019 werden 80 Prozent der Diesel-Pkw-Neuzulassungen mit SCR ausgestattet sein, der modernsten Abgastechnologie. Zu Beginn der nächsten Dekade wird es nahezu jeder neu zugelassene Diesel-Pkw sein. Damit ist die Stickoxidfrage bei Neufahrzeugen gelöst."

Die weitere Entwicklung des Verbrennungsmotors, der noch für viele Jahre die Mobilität prägen wird, die Elektromobilität und die Digitalisierung stehen im Mittelpunkt des Technischen Kongresses. Wissmann verweist bei dessen Eröffnung auch auf die Planungen der Industrie, in den kommenden drei Jahren rund 40 Mrd. Euro für die Weiterentwicklung der Elektromobilität aufwenden: ,,Bis 2020 werden die deutschen Automobilhersteller ihr Modellangebot an E-Autos mehr als verdreifachen, von derzeit 30 Modellen auf knapp 100." Das sei eine große Kraftanstrengung, denn die Milliardenaufwendungen müssten aus dem laufenden Geschäft erwirtschaftet werden, also aus dem Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotor. Wissmann: ,,Wir können uns nicht - wie das mancher außerhalb der Branche meint - einfach aus einer Antriebsart ,verabschieden'. Diese Industrie ist kein Staatsbetrieb, der trotz ständiger Verluste immer wieder frisches Geld erhält. Sie trägt Verantwortung für viele hunderttausend Beschäftigte."

Der 19. Technische Kongress findet am 5. und 6. April 2017 in Berlin ist Europas wichtigstes Branchentreffen der Automobilindustrie und wird zudem von 17 Ausstellern begleitet. Mit über 700 Teilnehmern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik wird ein neuer Höchststand erreicht. Der Technische Kongress wird immer internationaler: Botschafter und Botschaftsdelegierte aus zehn Ländern - den USA, der Volksrepublik China, der Russischen Föderation sowie Aserbeidschan, Estland, Jemen, Kasachstan, der Republik Kosovo, der Republik Mauritius und der Demokratischen Bundesrepublik Nepal - haben sich angemeldet. Gut 50 hochrangige Vertreter der Automobilindustrie referieren auf dem Technischen Kongress, darunter Ola Källenius, Mitglied des Vorstands der Daimler AG, verantwortlich für Konzernforschung & Mercedes-Benz Cars Entwicklung, Dr. Stefan Sommer, Vorstandsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG, und Dr. Rolf Bulander, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH und Vorsitzender des Unternehmensbereichs Mobility Solutions. (ampnet/Sm)

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