Fahrbericht

Seat Leon ST: Sanfter Löwe mit geschmeidigen Muskeln

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mid Groß-Gerau - Der Seat Leon ST besteht den Alltag stilvoll und mit Funktionalität. Ein neuer Dieselmotor gibt jetzt außerdem den Sparmeister. Seat

Der Leon ist so etwas wie das Brot- und Butter-Auto für Seat. Mit einem kleinen Facelift und einem neuen Diesel im Programm empfiehlt er sich für 26.750 Euro allen, die hohen Alltagsnutzen und Sparsamkeit in hübscher Verpackung suchen.

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Der Leon ist so etwas wie das Brot- und Butter-Auto für Seat. Seit je her hat der kompakte Golf-Konkurrent auch als Kombi die schnittigere Linie als sein Wolfsburger Rivale gefunden, die jüngste Design-Auffrischung bewahrt ihm die Attraktivität. Und mit einem neuen Diesel im Programm empfiehlt er sich für all jene, die eher eine charmante Art der Fortbewegung als brachiale Leistungsschübe bevorzugen. Mit 85 kW/115 PS, vor allem aber 250 Newtonmeter Drehmoment geht der 1,6-Liter-Selbstzünder keineswegs kraftlos zur Sache. Der Preis für das so motorisierte Kombi-Grundmodell geht mit 26.750 Euro obendrein völlig in Ordnung.

Geblieben ist es auch nach dem Facelift bei den markanten Sicken in den Flanken, die der Karosserie Dynamik verleihen und die Radhäuser betonen. In denen sind, zumindest bei der höheren Ausstattungstufe Style hübsche Leichtmetallräder daheim, ihr Format füllt mit 17 Zoll die Behausung satt. Neue Front- und Heckschürzen verjüngen den Leon und machen ihn fit für seine zweite Lebenshälfte, in rund drei Jahren erst steht der Generationswechsel an.

Innen herrscht angenehme Ordnung, jeder Schalter, jede Taste ist am rechten Ort zu finden, ihre Funktionen bedürfen dank Selbsterklärung keiner weiteren Erläuterungen. Die Schalttafel wirkt aufgeräumt, die Instrumente lassen sich einwandfrei ablesen, schön, dass Seat schon seit geraumer Zeit der roten Skalenbeleuchtung abgeschworen hat, die doch erwiesener Weise vom altersschwachen Auge nur ungenau erkannt werden kann. Aber der Freundeskreis der Marke ist jung, man rühmt sich des niedrigsten Durchschnittsalters der Branche. In dieser Altersklasse steht jedoch ebenfalls nichts gegen eine klare, weiße Instrumentenbeleuchtung, pulsierend rot hinterleuchtet ist im Leon einzig der Startknopf auf der Mittelkonsole, er soll den Herzschlag des lauernden Löwen symbolisieren und das sieht gar nicht mal schlecht aus.

Eher unsichtbar und doch stets präsent ist die weitgehende Kommunikationsbereitschaft des Seat. Der Leon beherrscht für die Smartphone-Einbindung alle Schaltmeister, ob sie von Apple oder Google stammen oder Android Auto heißen. Mit wenigen Handgriffen sind die notwendigen Verbindungen hergestellt und schon tönt die Musik vom Mobil-Apparat aus den Autolautsprechern, zeigt der stattliche Bildschirm die schönsten Urlaubsfotos oder sind die Kontaktdaten des Telefons übernommen. Hilfreich ist dabei die Ladeschale, in der dafür geeignete Handys induktiv mit Energie versorgt werden. Das dauert allerdings etwa doppelt so lange wie mit einem Kabel.

Mit ein paar Handgriffen haben die Designer auch den Innenraum des Leon aufgehübscht. Ein bisschen Chrom hier, ein wenig mehr Farbe dort, es herrscht an Bord eine angenehm wohnliche Atmosphäre. Zu der tragen auch die guten Platzverhältnisse bei. Die sind vorne ausgezeichnet und hinten immer noch mehr als gut. Die Sitze für Fahrer und Beifahrer geben ordentlichen Seitenhalt, hinten ist die Mitfahrt vor allem in Kurven eine rutschigere Angelegenheit, gerade dann, wenn der Leon mit Lederausstattung für 1.200 Euro Aufpreis bestellt wurde.

Platzmangel herrscht auch im Kofferraum nicht, das ist von einem Kombi wohl auch zu erwarten. 587 Liter passen hier hinein, 1.470 Liter sind es, wenn die Rückbanklehnen umgeklappt werden. Das ist im Klassenvergleich kein schlechtes Angebot. Die niedrige Ladekante und die elektrisch öffnende Heckklappe erleichtern es, das Gepäck an Bord zu verstauen. Ein Sicherungssystem für die Transportgüter mit Netz und doppeltem Boden ist außerdem sehr hilfreich.

Doch nun zur eigentlichen Neuheit in Seats Kompakt-Kombi. Der 1,6-Liter-TDI macht sich flüsternd an die Arbeit, verrichtet seine Aufgabe ohne spektakuläre Effekte aber mit erstaunlicher Durchzugskraft und Gelassenheit. Schon bei 1.500 Umdrehungen in der Minute liegt seine Drehmomentspitze an, in Verbindung mit dem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe ergibt dies eine muntere Beschleunigung, in 9,9 Sekunden sprintet der Leon von 0 auf 100 km/h. Um die Spitze von 197 km/h zu erreichen, bedarf es einiger Geduld, was dem Reisespaß jedoch keinen Abbruch tut.

Wer es verhaltener angehen lässt wird ohnehin fürstlich belohnt. Denn wer den Löwen nicht zum brüllen auffordert sondern sich mit sanftem Schnurren zufrieden gibt, fährt den Kombi mühelos mit weniger als fünf Liter Diesel 100 Kilometer weit. 4,4 Liter waren ein nicht durch Schleichfahrt erzielter Minimalwert, 7,3 Liter Treibstoff wurden unter Hochdruck bei mehr als zügiger Fahrt in die Brennräume gesprüht. Im Durchschnitt kamen 5,1 Liter im Alltagsbetrieb heraus, das ist für einen unbeladen rund 1.330 Kilogramm wiegenden Kombi ein durchaus guter Wert.

Nichts zu deuteln gibt es am Fahrverhalten, der Leon liegt satt auf der Straße, geht willig um die Kurven und überrascht nie mit schrulligen Eigenheiten. Die Lenkung ist ausreichend präzise und lässt die Antriebseinflüsse auf die Vorderräder nur sehr verhalten spüren. Deutlicher teilt die Federung mit, wenn gerade wieder ein besonders schlechtes Stück deutschen Straßenbelags unter die Räder kommt. Zumindest nur gering beladen gibt der Leon ST dann gerne das Rumpelstilzchen, rüttelt und schüttelt sich, wirft immerhin kein Säckchen hinter sich. Ein bisschen Gepäck im Kofferraum und drei Passagiere an Bord verändern dieses Verhalten deutlich und zähmen die Wildheit der Federn und Stoßdämpfer.

Die gängigen Assistenzsysteme wie Notbremse mit Fußgänger-Erkennung sind serienmäßig an Bord, gegen Aufpreis lässt sich der Schutzschirm elektronischer Wächter weiter spannen. Auch Möglichkeiten zur Individualisierung finden sich in der Preisliste, das Spiel mit unterschiedlichen Leichtmetallrädern, Zierleisten und Verkleidungen kostet zwar am Ende ein gutes Sümmchen Aufpreis, macht den Leon ST aber zur sehr privaten und eigenständigen Angelegenheit. Im Alltag erfreut er mit hoher Tauglichkeit, ist sparsam und komfortabel, mehr Auto braucht im Grunde niemand.

Michael Kirchberger

Technische Daten Seat Leon ST 1,6 TDI:
Fünfsitzige Kombi, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter: 4,55/1,81 (1,98 mit Spiegeln) /1,45/2,64, Leergewicht: ab 1.326 kg (ausstattungsabhängig), Zuladung: 672 kg, Tankinhalt: 50 l, Kofferraumvolumen: 587 bis 1.470 l.
Antrieb: Vierzylinder-Dieselmotor, Hubraum: 1.598 ccm, Leistung: 85 kW/115 PS bei 3.250/min, maximales Drehmoment: 250 Nm bei 1.500/min, 0-100 km/h: 9,9 s, Höchstgeschwindigkeit: 197 km/h, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Frontantrieb, Durchschnittsverbrauch (Norm): 4,2 l Diesel/100 km, CO2-Ausstoß: 111 g/km, Testverbrauch: 5,1 l Diesel/100 km, Abgasnorm: Euro 6, Preis: ab 26.750 Euro.

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