Oberklasse

Mercedes auf der Auto Shanghai 2017: Von A bis S im Zeichen des Sterns

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mid Shanghai - Das beste Auto der Welt? Seit Jahrzehnten hat die S-Klasse von Mercedes-Benz bei vielen eben diesen Ruf. Unbegründet ist diese Einschätzung sicher nicht. Daimler

Dass Mercedes die aufgefrischte S-Klasse am Vorabend der Auto Shanghai präsentiert, ist keine große Überraschung. Es ist konsequent, schließlich ist der chinesische Markt ein gutes Pflaster für Luxusgüter aus Deutschland. Wie wichtig dieser Markt ist, zeigt ein neues Modell: Der Maybach S 680 wird exklusiv im Reich der Mitte zu haben sein. Klar, die ''8'' ist hier schließlich eine Glückszahl. Und glückliche Chinesen machen auch Daimler froh.

Dass Mercedes die aufgefrischte S-Klasse am Vorabend der Auto Shanghai präsentiert, ist keine große Überraschung. Es ist konsequent, schließlich ist der chinesische Markt ein gutes Pflaster für Luxusgüter aus Deutschland. Und wenn diese Luxusgüter einen Stern tragen und noch dazu das Flaggschiff der Marke darstellen, dann leuchten bei wohlhabenden Chinesen die Augen. Zumal in der neuesten S-Klasse Feng Shui mitfährt. Wie wichtig der chinesische Markt ist, zeigt ein neues Modell: Der Maybach S 680 wird exklusiv im Reich der Mitte zu haben sein. Klar, die "8" ist hier schließlich eine Glückszahl. Und glückliche Chinesen machen auch Daimler froh.

Aber auch auf dem Heimatmarkt hat die S-Klasse ihre Fans und wird ihre Käufer finden, das würde sie auch ohne asiatische Wohlfühl-Strategie. Dabei spielen Tradition und Markentreue sicherlich eine gewichtige Rolle, aber auch der Wunsch nach Innovationen, die es so nur im Luxusliner von Mercedes gibt. Die S-Klasse steht seit Jahrzehnten als technischer Vorreiter im Oberklasse-Segment, und diesem Ruf soll sie auch gerecht werden, wenn sie "nur" ein Facelift bekommt.

Das bedeutet für zukünftige S-Klasse-Kunden, dass sie einen weiteren Schritt Richtung autonomes Fahren gehen. "Intelligent Drive" nennt Mercedes das Zusammenspiel mehrerer Assistenzsysteme. Der aktive Abstands-Assistent (Distronic) und der aktive Lenk-Assistent arbeiten so präzise zusammen, dass der Fahrer - wenn er es denn dürfte - seine Hände getrost vom Lenkrad nehmen könnte. Sogar die Geschwindigkeit kann die neue S-Klasse vor Kurven und Kreuzungen selbst anpassen. Ein weiteres Highlight: Der bereits bekannte "Road Surface Scan" erkennt Bodenunebenheiten jetzt noch besser als bisher und passt das adaptive Fahrwerk entsprechend an, was sich laut Mercedes vor allem bei Dämmerung bemerkbar macht und nun bis zu Tempo 180 verfügbar ist. Zudem hält mit der Kurvenneigefunktion "Curve" erstmals dieser elektronische Helfer Einzug in die S-Klasse, der das Auto in Kurven zur Kurveninnenseite neigt, was den Fahrkomfort erhöht.

Natürlich darf ein Facelift nicht ohne - kleinere - optische Retuschen vorfahren. Die sind bei der S-Klasse am Kühlergrill zu finden. Die Quer- und Längsstreben sind neu angeordnet oder eingefärbt, das variiert je nach Modell. Zudem trägt das Luxus-Glanzstück "Maybach" jetzt den entsprechenden Schriftzug im Kühlergrill. Und wer sich für das "Multibeam LED"-Lichtpaket entscheidet, bekommt drei Lichtelemente als Erkennungsmerkmal obendrauf - so ist außer klarer Sicht auch sichergestellt, dass andere Autofahrer die S-Klasse sofort als solche identifizieren können. Und bestenfalls den Weg frei machen.

Für Vortrieb sorgen dabei neue Motoren, die allesamt sparsamer geworden sind. Unter der Haube des sportlichen AMG S 63 4Matic steckt in Zukunft ein vier Liter großes V8-Biturbo-Aggregat, das 450 kW/612 PS leistet. Der S 560 4Matic, der auch als Maybach zu haben sein wird, glänzt mit 345 kW/469 PS und hilft mit Zylinderabschaltung beim Spritsparen - vier der acht Töpfe bekommen unter Teillast eine Ruhepause.
Diesel-Krise hin oder her: Im Oberklasse-Segment werden die Selbstzünder weiterhin gekauft, ein neuer Sechszylinder-Diesel in zwei Leistungsstufen steht bereit: Der stärkste Diesel, den die Marke mit Stern bisher in einen Pkw gepflanzt hat, bringt es im S 350 d 4MATIC auf 210 kW/286 PS und im S 400 d 4MATIC auf 250 kW/340 PS.

Für Umweltbewusste kündigt Mercedes einen Reihensechszylinder-Benziner an, der mit 48 Volt-Bordnetz vorfahren soll und dank sogenanntem "Integrierten Starter Generator (ISG)" Hybrid-Eigenschaften vorweisen kann, die sonst bei Mild-Hybriden nicht zu finden sind. Das wirkt sich auf den Verbrauch und den Schadstoffausstoß aus. Dank Energierückgewinnung erwartet Mercedes bis zu 50 Kilometer rein elektrischer Reichweite.

Dazu gibt es im Innenraum wie gehabt feinste Materialien. Eine schickere Scheibe über dem digitalen Kombi-Instrument lässt das Display größer wirken. Davor ist ein neues Lenkrad platziert, das sportlicher anmutet. Insgesamt entfaltet der Innenraum der neuen S-Klasse mehr Lounge-Charakter als bisher.

Und wer bei der "Energizing"-Komfortoption ein Häkchen in der Ausstattungsliste setzt, darf sich über ein bisschen Feng Shui und sechs verschiedene Wellness-Programme freuen, bei denen Klimaanlage, Sitze und Innenraumbeleuchtung jeweils zehn Minuten lang stimmungs- und bedarfsgerecht gesteuert sind. Fehlt nur noch der Wasserfall.

Aber immerhin ist die Musik auf die Emotionen angepasst. Dr. Dieter Zetsche, Daimler-CEO, fasst das Gesamtpaket so zusammen: "Auch die 1. Klasse kann ein Upgrade bekommen." Das hat sie zweifelsohne, und ist wohl - wie es der Ansatzpunkt der Verantwortlichen und Entwickler bei Daimler ist, die bis dato beste S-Klasse.

Doch auch wenn das Flaggschiff weltweit die meistverkaufte Limousine im umkämpften - und im Wachstumsmarkt China beliebten - Luxussegment war und Mercedes seit 2013 mehr als 300.000 Exemplare verkauft hat, ist auch die Kompaktklasse nicht zu vernachlässigen. Denn hier besteht die Chance auf große Stückzahlen, und die spülen letztlich Geld in die Kassen. Seit 2012 wurden mehr als zwei Millionen Kompaktautos mit Stern - also A- und B-Klasse, CLA inklusive Shooting Brake und GLA - weltweit verkauft. Mit dem Concept A Sedan geben die Stuttgarter einen Ausblick auf die künftige Mercedes-Kompaktklasse. Das Design wirkt gestreckter, vielleicht erwachsener.

Klar und geradlinig, sagt Mercedes Design-Chef Gorden Wagener und betont, dass das Konzeptauto das neue Gesicht der Baureihe zeigt. Der Panamericana-Grill erinnert an die erfolgreiche Renn-Vergangenheit der Marke. Gleichzeitig steht er für eine junge Generation. Der Altersschnitt der Kompakt-Käufer liegt weit unter dem der Käufer anderer Baureihen. In China, wo jeder zweite Mercedes-Kompakte von einer Frau gekauft wird, beträgt der Schnitt gerade einmal 34 Jahre. Vorbei die Zeiten, in denen eine A-Klasse ein Rentnerauto war. Kurze Überhänge und die markante Linienführung verleihen dem Kompakten Dynamik - das lässt viele Konkurrenten alt aussehen. Bitte Mercedes, baut ihn. Und viele werden im Glücksrad-Jargon rufen: "Ich kaufe ein A".

Mirko Stepan / mid

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