Fahrbericht

Dieser Clubman geht ab wie die Feuerwehr

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mid Groß-Gerau - Roter Blitz mit Kulleraugen: der Mini Clubman John Cooper Works All4. Jutta Leis

Von der Enge früherer Mini-Tage ist beim neuen Clubman nichts zu spüren. Sein Platzangebot macht ihn zum Kompaktwagen - zum besonders schnellen, wenn er als 'John Cooper Works' antritt.


Von der Enge früherer Mini-Tage ist beim neuen Clubman nichts zu spüren. Sein Platzangebot macht ihn zum Kompaktwagen - zum besonders schnellen, wenn er als "John Cooper Works" antritt. Der geht ab wie die Feuerwehr. Nicht, weil der getestete Mini Clubman mit seiner "Chili Red"-Lackierung gut in deren Fuhrpark passen würde, sondern weil ihm in der JCW-Version 231 PS mächtig Dampf machen.

Die mit der dritten Generation erneut deutlich gewachsenen Dimensionen - plus 29 Zentimeter in der Länge und jeweils plus zwölf Zentimeter bei Breite und Radstand - machen aus dem Mini zwar noch keinen Maxi. Das aber will er auch gar nicht sein - nicht einmal als Clubman. In dieser kombiartigen Variante bringt er zwei ebenso schicke wie unpraktische, gegenläufig öffnende Hecktüren mit, und immerhin ein Kofferraum-Volumen von 360 Liter, bei umgeklappter Rückbank sind es 1.250 Liter.

Während die Mitfahrer auf der Rückbank des Vorgängers noch darum betteln mussten, dass die vorne Sitzenden in die Froschhaltung wechseln, um so etwas ähnliches wie Beinfreiheit zu bekommen, gibt es plötzlich ausreichend Ausbreitungsmöglichkeiten in diese Richtung - und auch seitlich zu den direkten Nachbarn. Drei Erwachsene in Reihe zwei sind immer noch eine kleine Herausforderung für lange Strecken, doch unbequem, das war gestern.

Auch in Sachen Anmutung hat BMW seinen kleinen Star mindestens eine Klasse höher gehoben. Die Spaltmaße oder andere handwerkliche Kriterien saßen auch früher schon. Wo man echte Vorteile findet, ist bei der Materialauswahl. Da gibt sich der schicke Kleine von der Insel keine Blöße mehr. Hartplastik findet man nur noch in Ecken, die man normalerweise nicht im Blick hat. Was zum Glück geblieben ist, sind die vielen kleinen außergewöhnlichen Details, die einen nicht unerheblichen Beitrag zur Beliebtheit des Minis leisten.

Das große Infodisplay über der Mittelkonsole, die Instrumente und Türgriffe - alles so schön rund hier. Und die aktuelle Technik für die Vernetzung mit der digitalen Welt oder bei den Sicherheits- und Assistenzsystemen gibt es obendrauf. Leider nicht immer ohne Aufschlag. Wer hier keine Abstriche machen will, treibt den ohnehin schon hohen Grundpreis des Modells "John Cooper Works All4" von 36.800 Euro leicht über 50.000 Euro. Der üppig ausgestattete Testwagen kommt auf 52.490 Euro. Aber: Den Clubman ohne Schnickschnack und mit bescheidenen 102 PS gibt es schon für 22.850 Euro.

Dann geht einem aber eine gehörige Portion Fahrspaß flöten. Der JCW-Clubman entfaltet eine ungeheure Agilität und Dynamik - und zwar in jeder Fahrsituation. Nicht zuletzt, weil ihm der gewachsene Radstand bei schnellen Autobahnfahrten Stabilität verleiht. Der Vorgänger machte Tempo 200 noch zu einer Angelegenheit, die einen festen Griff am Lenkrad verlangte. Die "Beruhigung" des Fahrverhaltens bedeutet aber nicht, dass das durchaus gewünschte, etwas fiebrige Reagieren auf Lenkbefehle, wenn es zügig um enge Kehren geht, der Vergangenheit angehören würde. Da ist der Mini unter Seinesgleichen immer noch die Messlatte.

Und, oh Wunder, sogar beim Thema Bequemlichkeit zeigen die Ingenieure ein Einsehen. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Wer Probleme mit den Bandscheiben hat, sollte die Finger von dem immer noch bretthart gefederten Wagen lassen. Aber man wird längst nicht mehr so malträtiert, wie bei der ersten Sportversion des Mini. Bei der hatte man das Gefühl, er sei hart um der Härte willen und nicht wegen der ungewöhnlich guten Straßenlage.

Am Ende holt das sportliche Modell "John Cooper Works" den Löwenanteil des Vergnügens ja doch über seinen Motor. Der ist auf zwei Liter Hubraum gewachsen, was vor allem dem Drehmoment zugutekommt. 350 Nm werden ab 1.450 Umdrehungen elektronisch an alle vier Räder verteilt. In 6,3 Sekunden steht die Tachonadel auf der 100. Erst bei 238 km/h verharrt sie. Wer will, kann den Vierzylinder bis knapp über 6.000 Touren drehen. Dann geht er ab wie die Feuerwehr.

Dieter Schwab / mid

Technische Daten Mini Clubman John-Cooper-Works All4:
Sechstüriger Kompaktwagen mit fünf Sitzplätzen, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter: 4,25/1,80/1,44/2,67, Leergewicht: 1.550 kg, zul. Gesamtgewicht: 2.050 kg, max. Zuladung: 500 kg, Kofferraumvolumen: 360-1.250 l, Tankinhalt: 48 l, Preis: ab 36.800 Euro, Testwagenpreis: 52.490 Euro.
Antrieb: Vierzylinder-Turbobenziner, Hubraum: 1.998 ccm, Leistung: 170 kW/231 PS bei 6.000/min, max. Drehmoment: 350 Nm bei 1.450/min, Achtstufen-Automatikgetriebe, Allradantrieb, Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 6,3 s, Höchstgeschwindigkeit: 238 km/h, Normverbrauch: 7,4 l auf 100 km, CO2-Ausstoß: 168 g/km, Testverbrauch: 8,9 l/100 km.

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