Geschichte

Historische "Landshut"-Maschine vor Rücktransport in Einzelteile zerlegt

  • In LIFESTYLE
  • 14. September 2017, 11:24 Uhr
  • AFP
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"Landshut" wird in Brasilien zerlegt Bild: AFP

Rund 40 Jahre nach der Entführung der einstigen Lufthansa-Maschine 'Landshut' sind im brasilianischen Fortaleza die Vorbereitungen zum Rücktransport nach Deutschland in vollem Gange: Techniker montierten die linke Tragfläche des Flugzeugs ab.

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In technischer Feinarbeit schreiten die Vorbereitungen für den Rücktransport der historischen Lufthansa-Maschine "Landshut" von Brasilien nach Deutschland voran: Lufthansa-Ingenieure bauten am Mittwoch im brasilianischen Fortaleza die linke Tragfläche des Flugzeugs ab, wie ein AFP-Reporter aus Fortaleza berichtete. Ende September soll die zerlegte Maschine nach Deutschland geflogen werden, wo sie in Erinnerung an ihre Entführung vor rund 40 Jahren ins Museum kommt.

Mit Hilfe eines Krans wurde der linke Flügel der "Landshut" vorsichtig abgenommen, deren Lackierung von Sonne und Regen ganz ausgeblichen ist. Am Flughafen in Fortaleza war auch der deutsche Botschafter in Brasilien, Georg Witschel, um die schrittweise Zerlegung der Boeing 737-200 zu beobachten. In den nächsten Tagen solle dann die rechte Tragfläche abgebaut werden, sagte ein Sprecher von Lufthansa Technik in Hamburg. 

Die Demontage hatte vor gut drei Wochen begonnen: Zunächst wurden die Triebwerke abgenommen, anschließend wurden das Heck, das Höhen- und Seitenleitwerk sowie die Fahrwerke abgebaut.

Das Auswärtige Amt hatte die Maschine bereits im Mai für umgerechnet 20.000 Euro in Brasilien erworben. Die Einzelteile der "Landshut" sollen dann Ende des Monats an Bord einer russischen Antonow-225, dem größten Frachtflugzeug der Welt, nach Deutschland geflogen werden.

Die Maschine soll auf dem Gelände des Luft- und Raumfahrtmuseums in Friedrichshafen am Bodensee ausgestellt werden. Das Vorhaben wird zum Teil aus Bundesmitteln finanziert. 

Die "Landshut" war im Oktober 1977 von palästinensischen Terroristen entführt worden, die inhaftierte RAF-Terroristen freipressen wollten. Im Zuge der Geiselnahme und eines mehrtägigen Irrflugs wurde der Flugkapitän Jürgen Schumann erschossen. 

Am 18. Oktober stürmte das deutsche Anti-Terrorkommando GSG9 die "Landshut" in der somalischen Hauptstadt und befreite alle Passagiere, drei Terroristen wurden getötet. Nur Stunden später begingen die RAF-Häftlinge Andreas Baader, Gudrun Ennslin und Jan-Carl Raspe im Gefängnis von Stuttgart-Stammheim Suizid, wenig später erschossen RAF-Terroristen Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer, der gut fünf Wochen zuvor verschleppt worden war.

Nach der Befreiung nutzte die Lufthansa die Maschine noch einige Jahre, bevor sie 1985 verkauft wurde und mehrfach den Besitzer wechselte. Zuletzt gehörte sie der brasilianischen Fluggesellschaft TAF, die das Flugzeug 2002 kaufte - offenbar ohne zu wissen, welchen historischen Wert es hat. Seit gut zehn Jahren verrottete die "Landshut" auf dem Flughafen von Fortaleza.

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