Fahrbericht

Hyundai i30 N: Mehr als nur eine GTI-Alternative

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mid Rom - Bis zu 275 PS ist der neue Hyundai i30 N stark. Hyundai

Der Hyundai i30 N ist ein kompakter Rennwagen mit Straßenzulassung. Dank verstellbarer Federung und großzügigem Raumangebot könnten Einkäufe kaum schneller und zugleich komfortabel daheim ankommen.

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Wer sich einen bezahlbaren Kompaktwagen mit viel Leistung vor die Tür stellen möchte, der kam bislang an GTIs, STs und Co. nicht vorbei. Ab Ende 2017 gesellt sich ein völlig neuer Sportler dazu: der Hyundai i30 N. Wie schon sein großes Vorbild Golf GTI steht der Koreaner mit zwei Leistungsstufen zu 184 kW/250 PS und 202 kW/275 PS parat. Nicht ohne Grund spricht Hyundai-Deutschland-Chef Markus Schrick von "dem aufregendsten Produktlaunch bei Hyundai."

Von außen gibt sich der neue Traum aller Großstadt-Papas modern, schick und fast schon ein wenig defensiv. Eine rote Linie an der Frontlippe, ein großes N in der Front selbst sowie ein schwarzer Dachspoiler, die Sportabgasanlage mit zwei Endrohren und rote Bremssättel deuten leicht auf sein Potenzial hin. Übrigens: von außen unterscheiden sich die beiden Leistungsstufen lediglich durch die Felgengröße (250 PS: 18 Zoll, 275 PS: 19 Zoll) und durch das beim stärkeren Vertreter vorhandene weiße N auf den Bremssätteln. Die bereits ab Werk eingebauten Sportsitze bieten sehr guten Halt, sind langstreckentauglich und können auch in puncto Beinauflage angepasst werden. Renn-Schalensitze mit Gurtdurchführung für einen Vier-Punkt-Renngurt sind in Vorbereitung. Von seinen acht Millimeter höheren Serienbrüdern unterscheidet er sich zudem noch durch eine optionale Strebe unten im Kofferraum und ein paar Tasten und Schalter am Multifunktionslenkrad.

Das Besondere am 250 Kilometer pro Stunde schnellen Hyundai i30 N sind jedoch nicht seine bezahlbaren Optionen, sondern seine beiden Gesichter. Denn mit dem ab 29.700 beziehungsweise 32.200 Euro teuren rasenden N rollt eine in Stahl gezimmerte gespaltene Persönlichkeit auf die Straßen. Ist der N-Modus mithilfe genau solch einer Lenkradtaste gewählt, spannt sich das Fahrwerk förmlich und der Auspuffsound gewinnt an Präsenz. Kein Wunder, Hyundai hat hier eine Klappensteuerung eingebaut, mit der zum einen die netten Nachbarn geschont und zum anderen die bösen Nachbarn geweckt werden können.

Aber nicht nur die Lautstärke nimmt zu, sondern auch die Rückmeldungen vom Untergrund. Denn mit dem Knopfdruck verändert sich auch das adaptiv verstellbare Sportfahrwerk. Und das nicht nur mal eben, sondern signifikant. Soll heißen: Die rohen Eier fürs Boxenfrühstück sollten dann keinen direkten Kontakt mehr zur Karosserie haben. Zu hart und zu brutal ist die Federung in diesem Zustand. Zugleich haben es die Koreaner jedoch geschafft, dass er auch in dieser brettharten Konfiguration nicht das Springen und Hoppeln auf der Hinterachse beginnt. Und selbst flott gefahrene Kurven durchpflügt er mit seinem Frontantrieb ohne jeglichen Drang zum Untersteuern oder Räderdurchdrehen. Letzteres wird von der selbst im Normal-Modus perfekt arbeitenden Traktionskontrolle ohne Kompromisse in puncto Fahrkomfort oder Dynamik unterbunden. Im Normal-Modus können die Eier hingegen gut und gern auf dem aufgeräumten Armaturenbrett mit seinem modernen acht Zoll großen Touchscreen liegengelassen werden. Denn dann fährt sich der Hyundai i30 N wie seine regelmäßig mit Preisen innerhalb der Automobilbranche überhäuften Serien-Brüder.

Städter, die mit dem Gedanken spielen, sich einen komplett mit Track Package und allen Optionen knapp 40.000 Euro teuren Hyundai i30 N Performance zu kaufen, sollten eines nicht übersehen: Hier muss noch selbst handangelegt werden. Unabhängig von der Leistungsausbeute des 2,0 Liter großen Vierzylinder-Benziners steht nur eine manuelle Sechsgangschaltung zur Verfügung (im kommenden Jahr soll ein Achtgang-Automatikgetriebe folgen). Und genau an dieser Stelle zeigt der Sportler eine leichte Schwäche. So kurz die Schaltwege, so genial erleichternd die automatische Zwischengasfunktion auch sind, so schnell kann ihm mal aus Versehen beim Anfahren die Luft ausgehen. Wer davon nichts hören will, kann natürlich versuchen bei jeder Ampel mit Launch-Control in knapp sechs Sekunden gen 100 km/h-Grenze zu sprinten. Doch zieht ihm die Getriebe-Software da einen materialschonenden Strich durch die Rechnung, die dafür sorgt, dass nach jedem Raketenstart erst einmal ein paar Kilometer gefahren werden müssen, bis die imaginäre Startrampe ein weiteres Mal befahren werden kann.

Dass der neue Hyundai i30 N auch das Herz des einen oder anderen GTI-Fahrers erobern könnte, ist nicht ausgeschlossen. Angesichts der brachialen Soundkulisse inklusive des nach einer Maschinengewehr-Salve klingenden Backfires ist dies sogar sehr wahrscheinlich. So zurückhaltend sich der Koreaner von außen gibt, so giftig kann er sein. Aber nicht nur giftig, sondern auch zuverlässig, wie die selbst bei ständiger Rennstreckennutzung geltende Fünf-Jahres-Garantie bestätigt.

Marcel Sommer / mid

Technische Daten Hyundai i30 N Performance:
Fünftüriger Kompaktwagen, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter: 4,34/1,80/1,45/2,65, Leergewicht: 1.429 kg, Kofferraumvolumen: 381 l bis 1.287 l., Tankinhalt: 50 l; Wendekreisdurchmesser: 11,6 m.
Antrieb: Vierzylinder-Turbo-Benziner, Hubraum: 1.998 ccm, Leistung: 202 kW/275 PS bei 6.000 U/min, max. Drehmoment: 353 Nm bei 1.450 - 4.700 U/min, Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h, 0 - 100 km/h: 6,1 s, Durchschnittsverbrauch: 7,1 l /100 km, CO2-Ausstoß: 163 g/km, manuelles Sechsganggetriebe, Frontantrieb, Preis: ab 32.200 Euro.

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