Luftfahrt

Verbraucherschützer warnen vor steigenden Ticketpreisen nach Air-Berlin-Verkauf

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Air Berlin ist insolvent Bild: AFP

Nach der Einigung auf einen Verkauf des Großteils von Air Berlin an die Lufthansa warnen Verbraucherschützer vor steigenden Ticketpreisen. Je stärker eine Monopolstellung sei, desto höher sei die Motivation, auch die Preise zu erhöhen.

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Nach der Einigung auf einen Verkauf des Großteils von Air Berlin an die Lufthansa warnen Verbraucherschützer vor steigenden Ticketpreisen. "Wir befürchten steigende Preise auf dem deutschen Markt", sagte Felix Methmann vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) am Freitag AFP. Das gelte es zu verhindern, fügte er mit Blick auf die ausstehende Prüfung des Deals durch die Wettbewerbsbehörden hinzu. Der Chef der Monopolkommission, Achim Wambach, rechnet mit Auflagen für die Lufthansa.

Im internationalen Flugverkehr gebe es einen "gesunden Wettbewerb", deshalb werde es dort vermutlich keine großen Veränderungen geben, sagte Methmann. Wenn jedoch die "größte deutsche Fluggesellschaft die zweitgrößte schluckt", könnten Verbraucher auf dem heimischen Markt darunter leiden. Besonders betroffen sei womöglich die Strecke Berlin-Düsseldorf, auf der bislang die Lufthansa und Air Berlin konkurrierten. Auch Verbindungen von der Hauptstadt nach Frankfurt und München könnten teurer werden.

Die Lufthansa will von der insolventen Air Berlin den österreichischen Ableger Niki, die Tochter LGW sowie 20 Maschinen der Flotte übernehmen, wie am Donnerstag bekannt geworden war. Mit Easyjet liefen die Verhandlungen noch, auch der britische Billigflieger hatte Interesse an Teilen von Air Berlin angemeldet. Die Wettbewerbsbehörden in Deutschland und der EU müssen die Vereinbarungen absegnen.

Der vzbv erklärte vor dem Hintergrund, dass auf den Kartellbehörden nun große Hoffnungen lägen. Nur ein funktionierender Wettbewerb sei ein "langfristiger Schutz gegen zu hohe Preise", sagte Ingmar Streese vom vzbv den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Wambach hält Auflagen für die Lufthansa "für wahrscheinlich": Die Kartellbehörden würden sich die einzelnen Strecken nun genau anschauen, sagte der Chef der Monopolkommission der "Rhein-Neckar-Zeitung". "Und wenn Wettbewerbsprobleme erkannt werden, wird es sicherlich Auflagen geben." Möglich wäre etwa, dass die Lufthansa verpflichtet werde, "bestimmte Start- und Landerechte an Wettbewerber abzugeben".

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) regte unterdessen eine europäische Lösung zur Stärkung der Verbraucherrechte im Falle einer Pleite von Fluggesellschaften an. "Wir sollten prüfen, eine europaweite Pflicht der Airlines zur Insolvenzabsicherung zum Schutz der Kunden einzuführen", sagte er der "Saarbrücker Zeitung" vom Samstag. Das könne zum Beispiel bei den Beratungen über die EU-Fluggastrechterichtlinie diskutiert werden.

Zugleich sagte Maas, es sollte im eigenen Interesse der Lufthansa liegen, "sich jetzt möglichst kulant gegenüber den Kunden zu zeigen und Air-Berlin-Tickets auf den von ihr übernommenen Strecken zu akzeptieren". Das könne ein wichtiges Signal sein, um Kundenvertrauen nicht zu verlieren, sagte Maas.

Die Gewerkschaft Verdi bezeichnete unterdessen den genannten "Kaufpreis von 210 Millionen Euro" für die Air-Berlin-Teile als "Schnäppchen" für die Lufthansa. Zugleich steige die Verzweiflung bei den Beschäftigten, erklärte Verdi. Die Gewerkschaft forderte die Lufthansa zu verbindlichen Personalübernahmen aller betroffenen Mitarbeiter auf.

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