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Französin Azoulay ist neue Unesco-Generaldirektorin

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  • 10. November 2017, 15:27 Uhr
  • AFP
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Audrey Azoulay will die Spaltung der Unesco überwinden Bild: AFP

Die Französin Audrey Azoulay steht als zweite Frau an der Spitze der Unesco. Die frühere Kulturministerin will die Spaltung der Organisation überwinden, die durch die Austritte der USA und Israels deutlich geworden ist.

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Die Französin Audrey Azoulay steht als zweite Frau an der Spitze der Unesco. Die Mitgliedstaaten der UN-Organisation für Kultur, Bildung und Wissenschaft wählten die 45-Jährige am Freitag mit breiter Mehrheit zur neuen Generaldirektorin. Die frühere französische Kulturministerin will die Spaltung der Organisation überwinden, die durch die Austritte der USA und Israels deutlich geworden ist, wie sie der Nachrichtenagentur AFP sagte.

In der Generalkonferenz erhielt Azoulay 131 Stimmen bei 19 Gegenstimmen. Nach ihrer Wahl versprach sie, "die Einheit der Organisation wiederherzustellen" und "Spannungen abzubauen". Sie sagte AFP: "Wir müssen wieder einen Konsens über unser kulturelles Erbe herstellen statt uns spalten zu lassen." Auch die Bundesregierung dringt auf eine Reform und Ent-Politisierung der Unesco.

Zu den Austritten der USA und Israels sagte Azoulay: "Die Unesco muss die Tür offenhalten". Zunächst strebe sie eine Zusammenarbeit mit den Zivilgesellschaften an. Die USA und Israel hatten vor vier Wochen ihren Rückzug aus der Unesco erklärt; sie kritisieren, dass die Organisation anti-israelische Positionen eingenommen habe. 

Der Streit hat sich an der Aufnahme der Palästinensergebiete als Vollmitglied 2011 entzündet und an einer Reihe von Entscheidungen zum Schutz des palästinensischen Kulturerbes, unter anderem in Ost-Jerusalem. "Es gibt Dinge, die die Unesco nicht lösen kann, und es ist auch nicht ihre Aufgabe, sie zu lösen", sagte Azoulay mit Blick auf den Nahost-Konflikt.

Die deutsche Kommission der Kulturorganisation gratulierte zu ihrer Wahl: "Sie übernimmt das Ruder der Unesco in einer turbulenten Zeit", betonte die Präsidentin Verena Metze-Mangold. "Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dem Ziel, die politischen Konfrontationen innerhalb der Unesco zu beseitigen."

Die Französin folgt der Bulgarin Irina Bukova nach, die seit 2009 als erste Frau an der Spitze der Unesco stand. Der Exekutivrat der UN-Organisation für Kultur, Bildung und Wissenschaft hatte Azoulay vor vier Wochen nominiert. Sie setzte sich unter anderem gegen Kandidaten aus Katar und Ägypten durch.

Azoulay war von Februar 2016 bis Mai 2017 Ministerin für Kultur und Kommunikation unter dem früheren französischen Präsidenten François Hollande, zuvor beriet sie den Sozialisten. Sein Nachfolger Emmanuel Macron unterstützte ihre Kandidatur. Davor hatte Azoulay leitende Posten beim einflussreichen Nationalen Kino-Zentrum (CNC) in Paris inne, über das Frankreich seine Autorenfilme fördert und gegen die Konkurrenz aus Hollywood verteidigt. 

Die Unesco hat ihren Hauptsitz in Paris und zählt 193 Mitgliedstaaten. Die 1945 gegründete Organisation ist vor allem durch ihre Liste der Welterbestätten bekannt, die jedes Jahr ergänzt wird. Dazu gehören unter anderem die chinesische Mauer und die Altstadt von Jerusalem. In Deutschland zählen Bauwerke wie der Aachener und der Kölner Dom dazu sowie die Museumsinsel in Berlin und die Eisenacher Wartburg.

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