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Ratingagentur S&P stuft Venezuela als teilweise zahlungsunfähig ein

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Eine 100.000-Bolivar-Banknote Bild: AFP

Nach dem Scheitern von Verhandlungen über eine Umschuldung für Venezuela hat die erste Ratingagentur das Krisenland als teilweise zahlungsunfähig eingestuft.

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Nach dem Scheitern von Verhandlungen über eine Umschuldung für Venezuela hat die erste Ratingagentur das Krisenland als teilweise zahlungsunfähig eingestuft. Das US-Unternehmen Standard & Poor's (S&P) erklärte am Montag zur Begründung, Venezuela habe nach Ablauf einer Gnadenfrist Gläubiger-Forderungen in Höhe von 200 Millionen Dollar (gut 170 Millionen Euro) nicht begleichen können. Insgesamt ist Venezuela mit geschätzten 150 Milliarden Dollar bei ausländischen Gläubigern verschuldet.

Eine Konferenz mit internationalen Gläubigern, bei der über eine Umschuldung beraten werden sollte, war am Montagabend (Ortszeit) in Caracas nach nur 25 Minuten ohne eine Einigung zu Ende gegangen. Ein in New York tagender Gläubigerausschuss vertagte sich auf Dienstag.

Venezuela ist hoch verschuldet, obwohl es über die größten Erdölreserven der Welt verfügt. Allerdings leidet das Land unter dem niedrigen Ölpreis. Venezuelas Devisenreserven sind auf weniger als zehn Milliarden Dollar zusammengeschmolzen. Allein bis zum Jahresende werden Rückzahlungen von 1,47 Milliarden Dollar fällig, 2018 stehen weitere acht Milliarden Dollar an.

Unterdessen zeichnete sich ein Abkommen zur Umschuldung zwischen Russland und Venezuela ab, das nach übereinstimmenden Angaben am Mittwoch unterzeichnet werden soll. Dabei geht es um die Umstrukturierung von Obligationen in Höhe von drei Milliarden Dollar. China erklärte lediglich, die Zusammenarbeit mit Venezuela laufe "normal".

Venezuela führt seine Zahlungsschwierigkeiten unter anderem auf US-Sanktionen zurück. In dem Land tobt seit Monaten ein erbitterter Machtkampf zwischen der linksnationalistischen Regierung und der Mitte-rechts-Opposition. Kritiker im In- und Ausland werfen der Regierung vor, die Demokratie in dem wirtschaftlich schwer gebeutelten Ölstaat abzuschaffen und eine Diktatur zu errichten. Mindestens 125 Menschen wurden bei den politischen Unruhen seit Anfang April getötet.

Am Montag verhängten auch die EU-Staaten Sanktionen gegen die venezolanische Regierung. Die EU-Außenminister beschlossen ein Verbot der Lieferung von Waffen und von Material, das für die "innere Unterdrückung" verwendet werden kann.

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