Medizin

Nanopartikel lassen Muskelzellen ans Herz wachsen

  • In GESUNDHEIT
  • 4. Dezember 2017, 11:47 Uhr
  • Lars Wallerang/mp
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mp Groß-Gerau - Ersatzmuskelzellen können ein geschädigtes Herz wieder fit machen. AndCan / pixabay.com

Nach einem Infarkt kann das geschädigte Herz mit Ersatz-Muskelzellen behandelt werden. Doch die Ersatzzellen wachsen nicht immer fest genug an. Jetzt setzt die Wissenschaft Hoffnung in Nanopartikel.

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Nach einem Infarkt kann das geschädigte Herz mit Ersatz-Muskelzellen behandelt werden. Doch die Ersatzzellen wachsen nicht immer fest genug an. Jetzt setzt die Wissenschaft Hoffnung in Nanopartikel. Ein Forscherteam unter Leitung der Universität Bonn stellt an Mäusen das neue Verfahren vor.

Muskelersatzzellen, die die Funktion des geschädigten Gewebes übernehmen sollen, werden mit magnetischen Nanopartikeln beladen. Diese werden dann in den geschädigten Herzmuskel gespritzt und von einem Magneten an Ort und Stelle gehalten, weshalb die Zellen besser anwachsen.

Schon seit längerem versuchen Forscher, das geschädigte Herzgewebe durch Ersatzzellen zu revitalisieren. "Allerdings werden die Zellen beim Injizieren zu einem Großteil wegen der Pumptätigkeit des schlagenden Herzens durch den Stichkanal wieder herausgedrückt", sagt Prof. Dr. Wilhelm Röll, Arzt an der Klinik für Herzchirurgie der Bonner Uni. Deshalb verbleiben nur wenige Ersatzzellen im Herzmuskel - und die Regeneration ist gering.

Die Experimente wurden an Mäusen durchgeführt, die zuvor einen Herzinfarkt erlitten hatten. Die Ersatzzellen wurden mit winzigen magnetischen Nanopartikeln beladen und mit einer feinen Kanüle in das geschädigte Herzgewebe der Mäuse injiziert. Bei einem Teil der so behandelten Nager sorgte ein Magnet im Abstand von wenigen Millimetern dafür, dass ein Großteil der Nanopartikel mit den Ersatzzellen am gewünschten Ort verblieben. "Das ist erstaunlich, zumal das Infarktgewebe mangels Durchblutung relativ unterversorgt ist", sagt Prof. Röll. Unter dem Einfluss des Magneten starben die Ersatzzellen nicht so häufig, wuchsen besser an und vermehrten sich stärker.

Die Forscher untersuchten die Gründe für das bessere Wachstum: Es zeigte sich, dass diese implantierten Herzmuskelzellen dichter gepackt waren und durch den intensiveren Zell-Zell-Kontakt besser überleben konnten. Darüber hinaus war in diesen Ersatzzellen die Genaktivität vieler Überlebensfunktionen - wie etwa für die Zellatmung - höher als ohne Magnet. Die Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass sich diese Technologie potenziell auch auf den Menschen übertragen lässt. "Bis zur möglichen klinischen Anwendung ist es aber noch ein langer Weg", bremst Röll allzu hochfliegende Erwartungen. Die Entwicklung erfordere noch weitere intensive Forschung.

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