Fahrbericht

Nissan Qashqai 1.6 dCi 4x4: Vom Bieder- zum Edelmann

img
mid Groß-Gerau - Seit dem letztjährigen Facelift ist die zweite Generation des Crossover-Trendsetters Nissan Qashqai deutlich eleganter geworden. Die Preise beginnen bei fairen 20.490 Euro mit umfangreicher Serienausstattung. Ralf Schütze / mid

Nach mehr als drei Millionen verkauften Exemplaren gilt der Nissan Qashqai nicht mehr nur als Trendsetter unter den kompakten Crossovern, sondern hat sich in zweiter Generation und nach dem letztjährigen Facelift vom Bieder- zum Edelmann gemausert. Das recht brave Design des Ur-Qashqai von 2006 ist längst Vergangenheit. Heute wirkt der japanische Allrounder deutlich geradliniger und drückt so mehr als früher seine inneren Werte aus.


Nach mehr als drei Millionen verkauften Exemplaren gilt der Nissan Qashqai nicht mehr nur als Trendsetter unter den kompakten Crossovern, sondern hat sich in zweiter Generation und nach dem letztjährigen Facelift vom Bieder- zum Edelmann gemausert. Das recht brave Design des Ur-Qashqai von 2006 ist längst Vergangenheit. Heute wirkt der japanische Allrounder deutlich geradliniger und drückt so mehr als früher seine inneren Werte aus. Im Test der 130 PS starke 1,6-Liter-Diesel mit Allradantrieb, der sich im winterlichen Frühjahr 2018 durchaus bewährt hat.

Plötzlicher Wintereinbruch auf der A4 Dresden-Frankfurt. Als wir mit dem Qashqai Thüringen durchqueren, kommt es knüppeldick: Dichte und rutschige Schneedecke auf dem Asphalt, auf der rechten Spur bewegen sich Lkw und andere Fahrzeuge nur im Kriechgang. Wie gut, dass der Nissan Qashqai seine Antriebskraft auf alle vier Räder verteilt. Mit souveränem Grip fahren wir vorsichtig und besonders vorausschauend, aber deutlich schneller als andere Pkw auf der Überholspur. Der Allradantrieb "All-Mode 4x4i" ist im Qashqai nur in Verbindung mit Sechsgang-Handschaltung für moderate 2.000 Euro Aufpreis zu haben - ein Ausstattungsplus, das für immer mehr SUV-Käufer in Frage kommt, obwohl sie mit ihren Allroundern keineswegs schweres Gelände befahren. Nicht das Klettern über Stock und Stein oder das Durchqueren knietiefer Tümpel steht dabei im Vordergrund, sondern schlichtweg Sicherheit und Fahrkomfort zu allen Jahreszeiten.

Die zweite Generation des Nissan Qashqai basiert auf der modularen Nissan-Renault-Plattform CMF. Deshalb ist der japanische Alleskönner 2014 um fünf Zentimeter länger und zwei Zentimeter breiter geworden als der Vorgänger. Ein Facelift im vergangenen Sommer fiel ungewöhnlich stark aus. Seither ist das Design des Quashqai deutlich geradliniger und insgesamt geradezu edel im Vergleich zu früher. Neben wesentlichen optischen Retuschen hat Nissan dem vielseitigen Kompakten ein erheblich verbessertes Fahrwerk verpasst. Das Resultat kann sich sehen und fahren lassen: Komfortabel und dennoch agil fällt der gelungene Kompromiss zwischen beinhart und butterweich aus.

Angenehm: Neu geformte Sitze vergrößern das Raumangebot im Quashqai. Nur auf den hinteren Plätzen herrscht nach wie vor begrenzte Kopffreiheit. Aber dieses Manko teilt der Kompakt-SUV mit vielen seiner Rivalen, und für Kinder und Jugendliche sind die Platzverhältnisse tadellos. Lobenswert: Das Cockpit ist weitgehend in hochwertigem Soft-Touch-Material gehalten. Strukturiertes Hartplastik ist nur an weniger zugänglichen Stellen zu finden. Die Übersicht ist nach vorne und zur Seite hin gut, nur nach schräg hinten stören etwas die von außen schicken, nach hinten leicht ansteigenden Fensterleisten und die recht breite C-Säule.

Das Geräuschniveau im Qashqai ist seit dem Facelift durch stärkere Dämmung gesunken, das erhöht gerade auf Langstrecke den Komfort deutlich. Schade, dass der Japaner beim Thema Kofferraum nicht ganz halten kann, was der vielversprechende Rest erwarten lässt. 430 bis 1.585 Liter Stauvolumen gehen zwar noch in Ordnung, aber die Ladekante ist unangenehm hoch. Das stört durchaus beim Laden schwerer Gegenstände. Praktisch dagegen sind zwei Bodenklappen, die das einigermaßen rutschfreie Verstauen größerer Gegenstände ermöglichen.

Der 1,6-Liter-Diesel gibt seine 320 Nm Drehmoment schon ab 1.750/min auf alle vier Räder ab, was für souveränes Fortkommen sorgt. Im Stadtverkehr rollt man im vierten Gang der nicht ganz geschmeidigen Sechsgang-Handschaltung mit etwa 1.500/min bei 50 km/h locker dahin. Aus diesem Zustand heraus kann man problemlos und ohne Gangwechsel hochbeschleunigen, sobald höheres Tempo erlaubt ist. Bei betont sparsamer Fahrweise kamen wir mit 5,6 l/100 km zurecht. Auf Autobahn-Langstrecke bei konstant rund 140 km/h gab sich der Nissan-Diesel mit 6,8 l/100 km zufrieden - beides vertretbare Werte. Bewährt haben sich dabei auch die Sitze. Die Sitzfläche wirkt zwar zunächst etwas kurz, aber selbst bei stundenlanger Fahrt macht sich dies nicht negativ bemerkbar.

Die Preise für den Nissan Qashqai starten insgesamt bei 20.490 Euro für den 115 PS starken 1,2-Liter-Benziner. Der von uns getestete 1.6 dCi 4x4 mit Allradantrieb ist ab 30.600 Euro zu haben. Für das Gebotene erscheint der Preis absolut fair. Denn traditionell stattet Nissan seine Modelle serienmäßig sehr umfangreich aus. Gegen Aufpreis sind eine Vielzahl an Assistenzsystemen erhältlich. Wer großen Wert auf teilautonome Systeme legt, muss sich aber noch etwas gedulden - in dieser Hinsicht will Nissan den Qashqai im Laufe von 2018 abermals aufbessern. Spätestens dann wird der ehemalige Biedermann endgültig zum Edelmann unter den kompakten SUV gereift sein.

Ralf Schütze / mid

Technische Daten Nissan Quashqai 1.6 dCi 6MT 4x4:

Fünfsitziger Kompakt-SUV, Länge/Breite (ohne Spiegel)/Höhe/Radstand in Meter: 4,39/1,81/1,60-1,63/2,47, Leergewicht: 1.540-1.650 kg (je nach Ausstattung), zul. Gesamtgewicht: 2.030 kg, max. Zuladung: 380-490 kg, Kofferraumvolumen: 430-1.585 l, Tankinhalt: 65 l,
Motor: Vierzylinder-Diesel, Hubraum: 1.598 ccm, Leistung: 96 kW/130 PS bei 4000, max. Drehmoment: 320 Nm bei 1750/min, Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 10,5 s, Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h, Normverbrauch: 4,9 l pro 100 km, CO2-Ausstoß: 129 g/km, Testverbrauch 5,6 l/100 km, Sechsgang-Handschaltung, Allradantrieb, Preis: ab 30.600 Euro.

STARTSEITE