Musik

Metropolitan Opera beendet Zusammenarbeit mit Dirigent Levine

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Levine 1996 bei einer Probe in Frankfurt Bild: AFP

Die Metropolitan Opera in New York hat ihre Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen Musikdirektor James Levine beendet. Es gebe 'glaubwürdige Beweise', dass der Dirigent junge Musiker sexuell missbraucht habe, teilte das weltberühmte Opernhaus mit.

Die Metropolitan Opera in New York hat ihren Stardirigenten und langjährigen künstlerischen Leiter James Levine gefeuert. Es gebe "glaubwürdige Beweise", dass der heute 74-Jährige über Jahre hinweg junge Musiker sexuell missbraucht habe, teilte das weltberühmte Opernhaus am Montag mit. Die Met hatte bereits im Dezember die Zusammenarbeit mit Levine suspendiert, nachdem erste Vorwürfe gegen ihn öffentlich geworden waren. 

Eine Untersuchung habe Beweise zutage befördert, wonach Levine sich sowohl vor als auch während seiner Arbeit für die Met des sexuellen Missbrauchs und der Belästigung schuldig gemacht habe, erklärte das Opernhaus. Opfer seien vor allem junge, "verletzliche" Künstler gewesen, die am Anfang ihrer Karriere gestanden hätten. Die Zusammenarbeit mit dem Dirigenten werde beendet, auch der Titel des Musikdirektor Emeritus werde Levine entzogen. 

Levine war vier Jahrzehnte lang musikalischer Leiter der Met, er zählt zu den besten US-Dirigenten seiner Generation. 2016 ging er wegen einer Parkinson-Erkrankung in Rente, arbeitete aber weiter am Opernhaus; unter anderem war er für das Programm der Met für junge Künstler zuständig. Einen Tag vor seiner Suspendierung hatte er noch Giuseppe Verdis "Requiem" dirigiert.

Bei der dreimonatigen Untersuchung durch einen ehemaligen Staatsanwalt seien mehr als 70 Menschen befragt worden, erklärte die Met. Vorwürfe und Gerüchte, wonach die Leitung des Opernhauses Informationen über den Dirigenten zurückgehalten habe, seien aber unbegründet, fügte sie hinzu. 

Die "New York Times" und die "New York Post" hatten Ende vergangenen Jahres berichtet, Levine habe einen Jugendlichen ab 1985 jahrelang sexuell missbraucht. Der Missbrauch habe bis 1993 angedauert und das heute 48-jährige Opfer fast in den Suizid getrieben. Drei weitere Musiker erklärten damals ebenfalls, von Levine in ihrer Ausbildungszeit sexuell missbraucht worden zu sein.

In einer in diesem Monat veröffentlichen Reportage des "Boston Globe" schilderten ehemalige Studenten des Konservatoriums von Cleveland Levine als eine Art Guru, der sie nicht nur zu sexuellen Handlungen getrieben, sondern auch ihr Leben kontrolliert habe. Er habe sie dazu gebracht, alle Verbindungen nach außen zu kappen und ihm bedingungslose Loyalität zu schwören.

"Ich dachte, der Sex diene meiner Vervollkommnung, durch ihn würde alles besser", berichtete der Geiger Albin Ifsich von seinen Erfahrungen als 20-jähriger Musikstudent im Jahr 1968. "Das stimmte natürlich nicht - aber wir wurden dazu gebracht, das zu glauben."

Levine hatte in einer früheren Erklärung alle Vorwürfe rundum zurückgewiesen. Er sei weder ein "Unterdrücker" noch ein "Aggressor", versicherte er damals.

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