Hygiene

Krankenhauskeime im Fadenkreuz

  • In GESUNDHEIT
  • 13. April 2018, 10:40 Uhr
  • Lars Wallerang/mp
img
mp Groß-Gerau - Auch Mikroben haben Feinde und Schutzmechanismen. allinonemovie/pixabay.com

Forscher vom Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie in Jena haben einen biologischen Stoff entdeckt. Er wird von Bakterien gebildet und soll gegen den gefürchteten multiresistenten Krankenhauskeim MRSA wirksam sein.


Forscher vom Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie in Jena haben einen biologischen Stoff entdeckt. Er wird von Bakterien gebildet und soll gegen den gefürchteten multiresistenten Krankenhauskeim MRSA wirksam sein.

Auf die Spur der beiden Substanzen namens Jessenipeptin und Mupirocin kamen die Forscher, weil sie Bakterien der Gattung Pseudomonas erlauben, auch in der Nähe ihres Fressfeindes, der Amöbe Dictyostelium discoideum, aufzutreten. Die Bakterien können sich also gegen die Amöbe zu Wehr setzen. Die Ergebnisse der Studie wurden soeben im renommierten Fachjournal PNAS veröffentlicht.

Der Chemiker Pierre Stallforth vermutet, dass an der feindlichen Auseinandersetzung dieser Organismen bestimmte Stoffe beteiligt sind, die ihre Beziehung maßgeblich mitbestimmen. Im besten Fall sind solche Substanzen auch für uns Menschen nützlich. Viele der heute verwendeten Medikamente - vor allem Antibiotika - werden ja von Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilzen gebildet.

Ist eine Amöbe hungrig, bildet sie kleine Fruchtkörper, indem sich viele einzelne Amöbenzellen koordiniert anhäufen. Aus diesen Fruchtkörpern isolierte der Naturstoff-Forscher mit seinem Team nun Bakterien der Gattung Pseudomonas, die von der Amöbe als Nahrung verschmäht wurden. Durch aufwändige genetische Analysen und chemische Untersuchungen identifizierten sie aus den Bakterien schließlich zwei Substanzen und klärten ihre Struktur auf.

Eine davon, das Mupirocin, gehört zur Stoffklasse der Polyketide und war bereits aus anderen Studien bekannt. Die zweite Substanz hingegen ist ein bisher unbekanntes Peptid und erhielt den Namen Jessenipeptin. Das neu entdeckte, ungewöhnliche Molekül erwies sich als hochgiftig für Amöben. Die Forscher unterzogen beide Substanzen in unterschiedlichen Kombinationen einem Test gegen verschiedene Krankheitserreger. Bestimmte Mischungsverhältnisse von Mupirocin und Jessenipeptin waren stark gegen die als MRSA bezeichneten Krankenhauskeime wirksam.

MRSA sind Bakterien der Gattung Staphylococcus, die gegen nahezu alle bekannten Antibiotika resistent sind. Sie verbreiten sich vor allem unter geschwächten Patienten im Krankenhaus und sind dort für zahlreiche Todesfälle verantwortlich. Vielleicht gibt es nun Grund zur Hoffnung.

STARTSEITE

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie vor Ihrer Eingabe unbedingt unseren Datenschutzhinweis.



Top Meldungen

Service

Videos



Weitere Meldungen

Weitere Meldungen

Pressemeldungen