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Bund verstärkt mit neuem Aufsichtsratchef seinen Einfluss auf die Bahn

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Logo der Deutschen Bahn Bild: AFP

Neuer Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Bahn ist der ehemalige Staatssekretär im Verkehrsministerium, Michael Odenwald. Das Gremium wählte den Juristen einstimmig zum Nachfolger von Utz-Hellmuth Felcht.

Der Bund verstärkt seine Kontrolle über die Deutsche Bahn: Neuer Aufsichtsratschef ist seit Dienstag Michael Odenwald, bis vor kurzem Staatssekretär im Verkehrsministerium. Er wurde einstimmig gewählt, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Der Bund mache damit einen ersten Schritt, um als Eigentümer seinen Einfluss auf das Unternehmen zu verstärken, erklärte SPD-Verkehrsexperte Sören Bartol. Kritik daran kam von dem FDP-Verkehrsexperten Oliver Luksic.

Der 60-jährige Odenwald ist Nachfolger von Utz-Hellmuth Felcht, der sein Amt Ende März niedergelegt hatte. Odenwalds Amtszeit läuft zwei Jahre bis März 2020, wie die Deutsche Bahn mitteilte.

Der Jurist ist bereits seit rund fünf Jahren Mitglied des Bahn-Aufsichtsrats. Er zog dort im Oktober 2012 ein, als er Staatssekretär im Verkehrsministerium wurde. Der Bund als Eigentümer der Bahn entsendet mehrere Vertreter in das Kontrollgremium. Odenwald koordinierte zudem innerhalb der Bundesregierung in der vergangenen Legislaturperiode von 2013 bis 2017 die Eisenbahnthemen.

Bahn-Chef Richard Lutz erklärte: "Herr Odenwald und ich kennen uns seit vielen Jahren - da bedarf es keines Kennenlernens, wir können im Sinne unserer Kunden und Mitarbeiter sofort loslegen."

Odenwald selbst erklärte, die Deutsche Bahn stehe vor großen Herausforderungen, nicht zuletzt, weil das digitale Zeitalter die Mobilität der Menschen und die Logistik von Gütern radikal verändert. "Es gibt also viel zu tun, packen wir es gemeinsam an."

Der SPD-Verkehrspolitiker Bartol erklärte, nächster Schritt nach der Wahl des neuen Aufsichtsratsvorsitzenden werde die Änderung der Satzungen der Deutschen Bahn sein, um den Bahn-Managern stärkere Vorgaben zu machen, ohne dabei auf wirtschaftliche Anreize für mehr Effizienz zu verzichten. "Nicht die Maximierung des Gewinns, sondern ein ordentlich funktionierender Schienenverkehr in Deutschland ist das Ziel, an dessen Umsetzung jetzt gearbeitet werden muss."

Das sei genau der falsche Weg, findet allerdings der verkehrspolitische Sprecher der FDP im Bundestag, Oliver Luksic: "Die große Koalition will die Deutsche Bahn wieder stärker in Richtung Staatsbahn bringen." Mehr Politikeinfluss und fehlender wirtschaftlicher Sachverstand führe die Bahn aufs falsche Gleis. "Wettbewerbsfähigkeit und Kundennähe fördert das nicht."

Der Verkehrsexperte Thomas Puls vom wirtschaftsnahen Institut der deutschen Wirtschaft in Köln äußerte sich ähnlich. "Das kann interpretiert werden, dass man die Bahn zwingt, nicht rentable Verkehre zu fahren", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. "Das ist in Ordnung, wenn die Politik als Besteller die Kosten trägt." Die Vergangenheit zeige aber etwas anderes. Die Bahnreform von 1994 sei aus der Not gekommen, weil sich der Staat keine dauerhaft defizitäre Bundesbahn leisten konnte. 

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