Bildung

Expertengremium will Digitalisierungsbeauftragten für jede Schule

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Stühle im Flur einer Schuledts

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Berlin - Das deutsche Bildungssystem befähigt Heranwachsende laut eines Gutachtens des Aktionsrats Bildung nicht ausreichend im kompetenten Umgang mit Medien. Das berichtet die "Welt" (Mittwochausgabe) unter Berufung auf das diesjährigen Gutachten "Digitale Souveränität und Bildung" des Expertengremiums.

Der Aktionsrat Bildung fordert demnach den gezielten und massiven Einsatz digitaler Medien auf allen Stufen des Bildungssystems. Das Gutachten wird am Mittwoch von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) in München vorgestellt. "In vielen Institutionen fehlen die Infrastruktur und das notwendige Hintergrundwissen, um digitales Lernen und Leben effektiv und verantwortungsvoll voranzutreiben", heißt es in der Studie. Bei der flächendeckenden Bereitstellung einer grundlegenden technischen Ausstattung sämtlicher Bildungseinrichtungen gelte es, "keine Zeit zu verlieren".

Das gesamte Bildungssystem, angefangen von der Kita über die Schule und Universität bis zur beruflichen Weiterbildung, müsse darauf ausgerichtet werden, entsprechende IT-Kenntnisse zu vermitteln. Um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen, seien neben der flächendeckenden technischen Ausstattung auch eine systematische und verpflichtende Aus- und Weiterbildung der Lehrer unabdingbar sowie eine Anpassung der Lehrpläne, fordert der Aktionsrat Bildung. Sinnvoll sei überdies der Aufbau von Online-Plattformen, über die Lehrer, Erzieher und Professoren auf vorgefertigte digitale Unterrichtseinheiten und Lehrmedien zugreifen und sich vernetzen könnten. Der Aktionsrat Bildung ist ein Gremium führender Bildungsexperten.

Es wurde 2005 auf VBW-Initiative geschaffen. Vorsitzender ist Dieter Lenzen, der Präsident der Universität Hamburg. Schon für Zweijährige hält der Aktionsrat den Einsatz digitaler Medien für sinnvoll. Schließlich seien diese Technologien ohnehin heute ein unwiderruflicher Bestandteil der Lebenswelt von Kindern aller Altersstufen. "Ein kreativer und an den Alltagsaktivitäten der Kinder anknüpfender Einsatz digitaler Medien ist daher ein wichtiger Grundstein digitaler Bildung, der fest in die frühpädagogischen Konzepte integriert werden sollte", heißt es in der Studie. So sei es durchaus möglich, schon in der Kita die Kinder an mathematische oder naturwissenschaftliche Spiele heranzuführen, und Vorlese-Apps könnten die sprachliche Bildung von Migrantenkindern unterstützen. Zudem könnten bereits erste Schritte zum Programmieren erprobt werden. Noch weit stärker als die Vorschuleinrichtungen müssen sich nach Einschätzung der Experten die Schulen wandeln. "Alle Schulen der Primar- und Sekundarstufe müssen mittelfristig flächendeckend mit digitalen Klassenzimmern ausgestattet werden", fordern die Wissenschaftler. Jede Bildungseinrichtung sollte einen "Digitalisierungsbeauftragten" einsetzen: Eine ausgebildete Fachkraft mit entsprechender Zusatzqualifikation, die ihre Kollegen in informationstechnischen und medienpädagogischen Fragen unterstützt. "Gerade für unser rohstoffarmes Land ist der digitale Fortschritt ein entscheidender Wachstumstreiber", sagte VBW-Präsident Alfred Gaffal der "Welt". Außerdem biete die digitale Bildung vielfältige Möglichkeiten, die Qualität des Lehrens und Lernens zu verbessern. Digitale Souveränität bedeute, dass jeder Einzelne befähigt werde, digitale Medien selbstbestimmt und unter eigener Kontrolle zu nutzen und sich an die ständig wechselnden Anforderungen in einer digitalisierten Welt anzupassen, sagte Gaffal. Insofern sei diese Kompetenz eine wesentliche Voraussetzung für die künftige Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

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