Brennpunkte

Großbritannien gedenkt der Opfer der Grenfell-Tower-Katastrophe

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Hinterbliebene beim Gedenkmarsch für die Brandopfer Bild: AFP

Mit einem Trauermarsch zur Ruine des ausgebrannten Grenfell Tower haben Angehörige und Freunde an die 71 Todesopfer des verheerenden Hochhausbrandes in London vor einem Jahr erinnert.

Mit einem Trauermarsch zur Ruine des ausgebrannten Grenfell Tower haben Angehörige und Freunde an die 71 Todesopfer des verheerenden Hochhausbrandes in London vor einem Jahr erinnert. Mit Blumen und Bildern ihrer Lieben in den Händen marschierten dutzende Hinterbliebene in der Nacht zum Donnerstag zu dem ausgebrannten Wohnturm. Dort verlasen sie die Namen der Toten und hängten ihre Fotos an eine Gedenkwand.

Die Prozession endete um 00.54 Uhr - dem Zeitpunkt, zu dem die Feuerwehr vor einem Jahr den ersten Notruf zum Brand im Grenfell Tower erhalten hatte. Die Menschen hielten 72 Schweigesekunden ein in Erinnerung an die 71 Todesopfer sowie ein ungeborenes Baby.

Der verheerende Brand im 24-stöckigen Wohn-Hochhaus Grenfell Tower war in der Nacht zum 14. Juni 2017 ausgebrochen. Brandursache war ein defekter Kühlschrank in einer Wohnung im vierten Stock. Über eine nicht feuersichere Fassadenverkleidung breiteten sich die Flammen rasch über weite Teile des Wohnturms aus.

Am Donnerstag gedachten Familien, Einwohner des Stadtteils Kensington und Mitglieder von Hilfsorganisationen mit einem Gottesdienst der Opfer. Anschließend fand zur Mittagszeit eine Schweigeminute statt, die auch im britischen Parlament sowie im Trainingslager der englischen Nationalmannschaft in Russland eingehalten wurde. 

Bei einem offiziellen Termin in Cheshire im Nordwesten Englands senkte Königin Elizabeth II. an der Seite der Ehefrau ihres Enkels Prinz Harry, Meghan, den Kopf im Gedenken an die Opfer. Die Queen trug grün, die Farbe des Gedenkens an die Grenfell-Tower-Katastrophe.

Die Menschen in der Nachbarschaft im Westen Londons sind bis heute traumatisiert. "Ich habe damals alles mit angesehen. Danach konnte ich drei Wochen lang nicht schlafen", sagte die 42-jährige Anwohnerin Farhiya Abdi, die vor einem Jahr als eine der ersten an dem brennenden Hochhaus eingetroffen war. "Sobald ich meine Augen schloss, hörte ich die Hilferufe, sah die Kinder am Fenster stehen. Ich habe Menschen in den Tod springen sehen."

"Ich dachte, die Zeit würde unsere Wunden heilen - aber die Zeit hat gar nichts getan", sagte der 50-jährige Chris Imafidon. Durch seine freiwillige Arbeit für eine Bildungseinrichtung kennt er sechs Familien, die durch den Brand Angehörige verloren haben.

Bereits am Mittwochabend fand in dem Wohngebiet eine Gedenkfeier von Anwohnern statt. Die Organisatoren stellten Gedenk-T-Shirts vor, auf denen Gerechtigkeit für die Opfer der Katastrophe gefordert wird.

Kritiker werfen der Feuerwehr Versagen vor. Sie hatte die Bewohner des brennenden Turmes zunächst aufgefordert, in ihren Wohnungen zu bleiben. Erst nach zwei Stunden wurde eine komplette Evakuierung angeordnet. Die erste Reaktion auf den Brand sei nicht ausreichend gewesen, sagte Premierministerin Theresa May in einem Interview. "Ich weiß nicht, warum es so lange gedauert hat."

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