Bildung

Bildungsforscher fordern massiven Personalaufbau in Kitas und Schulen

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Nationaler Bildungsbericht vorgelegt Bild: AFP

Deutschland braucht in den kommenden Jahren nach Ansicht von Bildungsforschern hunderttausende neue Erzieher und Lehrer, um den wachsenden Herausforderungen in Kitas und Schulen begegnen zu können.

Deutschland braucht in den kommenden Jahren nach Ansicht von Bildungsforschern hunderttausende neue Erzieher und Lehrer, um den wachsenden Herausforderungen in Kitas und Schulen begegnen zu können. In Deutschland bestehen zudem nach wie vor erhebliche soziale und auch regionale Ungleichheiten, wie der am Freitag vorgelegte nationale Bildungsbericht zeigt. In Kitas und Schulen nimmt demnach auch durch Zuwanderung und Inklusion die Vielfalt zu.

"Ein, wenn nicht der zentrale Faktor für ein leistungsfähiges Bildungssystem ist eine ausreichende Anzahl an Fachkräften, die die hohen Ansprüche und Erwartungen erfüllen können", heißt es im Bildungsbericht, der alle zwei Jahren von einer Gruppe von Wissenschaftler vorgelegt wird.

In Kitas müssten laut dem Bericht bis 2025 bis zu 270.000 zusätzliche Fachkräfte allein dafür eingestellt werden, wenn sich alle Länder an die Empfehlungen zum Personalschlüssel halten. Auch an Schulen droht ein Engpass. In einigen Ländern ist der Untersuchung zufolge mehr als die Hälfte der Lehrer älter als 50 Jahre. Dazu kommt ein steigender Bedarf durch den Ausbau der Ganztagsangebote.

Zugleich stehen Erzieher und Lehrer vor massiven Herausforderungen. Trotz vieler Reformprojekte sei es nicht gelungen, "Bildungsungleichheiten entscheidend zu verringern", heißt es in dem Bericht. Nur knapp ein Viertel der Kinder (24 Prozent) von Eltern mit einer beruflichen Ausbildung ohne Abitur studieren, bei Akademikerkindern liegt der Anteil bei mehr als drei Vierteln (79 Prozent).

Die soziale Herkunft habe nach wie vor einen zu starken Einfluss auf den Bildungserfolg, erklärte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Das "zentrale bildungspolitische Ziel" bleibe mehr Chancengerechtigkeit.

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marlis Tepe, kritisierte, trotz aller Maßnahmen der vergangenen Jahre sei es nicht gelungen, "das Kardinalproblem des deutschen Bildungssystems - die enge Kopplung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg - zu lösen". Der Pädagogenberuf müsse attraktiver werden, um den Personalmangel in Kitas und Schulen zu bekämpfen. 

Das Bildungsangebot ist zudem innerhalb Deutschlands sehr unterschiedlich. In strukturschwachen Landkreisen wurden laut dem Bildungsbericht in den vergangenen Jahren zahlreiche Grund- und Berufsschulen geschlossen.

In Kitas und Schulen stehen Erzieher und Lehrer zudem vor der Aufgabe, mit sehr unterschiedlichen Gruppen von Kindern und Jugendlichen umgehen zu müssen. So stieg die Zahl der Kinder in Kindertagesbetreuung, die in ihrer Familie vorrangig nicht Deutsch sprechen, zwischen 2006 und 2017 von 363.000 auf 553.000.

Insgesamt hält in Deutschland die Entwicklung hin zu höheren Abschlüssen an. Der Anteil der Abiturienten stieg von 34 Prozent im Jahr 2006 auf 43 Prozent im Jahr 2016. Höhere Abschlüsse zahlen sich auch aus: Akademikerinnen verdienen durchschnittlich fast acht Euro pro Stunde mehr als Frauen mit einer Berufsausbildung, bei Männern sind es sogar neun Euro.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Achim Dercks, hob allerdings hervor, dass Aufstieg nicht nur durch Abitur und Studium möglich sei. Die berufliche Bildung bilde "gleichermaßen hervorragende Chancen für den Start in ein erfolgreiches Berufsleben".

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