Regierung

Merkel für umfassende Aufwertung des Pflegeberufs

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Kanzlerin Merkel, Heimbewohnerin und Altenpfleger Cebi (v.r.) Bild: AFP

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich für eine umfassende Aufwertung der Pflegeberufe ausgesprochen. Sie besuchte am Montag ein Altenheim in Paderborn, wo sie den Pfleger Ferdi Cebi traf, und löste damit ein Versprechen aus dem Wahlkampf ein.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich für eine umfassende Aufwertung der Pflegeberufe ausgesprochen. Die Ausbildung müsse verbessert und den Pflegekräften eine "vernünftige Vergütung" gezahlt werden, sagte Merkel am Montag beim Besuch eines Altenheims in Paderborn. "Der Beruf muss attraktiver werden", fügte die Kanzlerin vor Bewohnern des evangelischen Altenheims St. Johannisstift hinzu.

Merkel verwies in der Senioreneinrichtung auf das Vorhaben der Bundesregierung, in den kommenden zwölf Monaten ein Maßnahmenpaket zur Beseitigung des Pflegenotstands auf den Weg zu bringen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Familienministerin Franziska Giffey und Arbeitsminister Hubertus Heil (beide SPD) hatten zu diesem Zweck Anfang Juli die "Konzertierte Aktion Pflege" gestartet. Angesichts des Personalmangels soll insbesondere der Beruf des Altenpflegers attraktiver werden.

Merkel löste mit ihrem Besuch in dem Paderborner Altenheim ein Versprechen aus dem Bundestagswahlkampf im vergangenen Jahr ein. Der im St. Johannisstift arbeitende Altenpfleger Ferdi Cebi hatte Merkel im September in einer Fernsehsendung vor der Wahl auf Mängel in der Pflege angesprochen und sie eingeladen, nach Paderborn an seinen Arbeitsplatz zu kommen. Die Kanzlerin sagte daraufhin einen Besuch zu.

"Ich bin gekommen, um Dank zu sagen und zu lernen, was Sie bewegt", sagte die Regierungschefin bei einem Treffen mit Bewohnern der Senioreneinrichtung und Pflegekräften. Im evangelischen St. Johannisstift werden 110 Bewohner von 95 Mitarbeitern betreut.

Der 36-jährige examinierte Altenpfleger Cebi absolvierte vor 14 Jahren seine dreijährige Berufsausbildung an der Paderborner Einrichtung. Neben seiner Tätigkeit als Altenpfleger ist er auch als Rapper mit dem Künstlernamen Idref aktiv. Beim Besuch Merkels an seiner Arbeitsstätte gab der dreifache Vater auch eine kurze Rap-Vorstellung.

Bundesgesundheitsminister Spahn mahnte ebenfalls höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen in der Pflegebranche an. Gehälter bis zu 3000 Euro im Monat und damit deutlich mehr als derzeit "sollten möglich sein", sagte Spahn im ZDF-"Morgenmagazin". "Anerkennung drückt sich nicht nur in Worten aus. Es geht auch ums Geld."

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) forderte mehr Geld für die Beschäftigten der Pflegebranche. "Wer gute Pflege will, muss diese auch gut bezahlen", sagte GKV-Sprecher Florian Lanz der Nachrichtenagentur AFP. "Ein flächendeckender Tariflohn für alle Pflegekräfte wäre ein ebenso großer wie wichtiger Schritt nach vorne." Im Rahmen der "Konzertierten Aktion" müsse außerdem die bessere Unterstützung für pflegende Angehörige, beispielsweise bei der Alterssicherung, in den Blick genommen werden.

Der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, bezeichnete eine Tarifbindung in der Altenpflege als überfällig. Wenn Spahn eine solche Zusage gebe, "darf es aber kein Versprechen zu Lasten Dritter sein". "Denn in der Altenpflege werden diese Kosten direkt an die pflegebedürftigen Menschen weitergereicht." Daher müssten Merkel und Spahn "verbindlich erklären, dass das benötigte Geld für angemessene Löhne von der Pflegeversicherung und aus Steuermitteln kommt".

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