Unternehmen

Türkei verspricht Investoren Haushaltsdisziplin und Strukturreformen

img
Berat Albayrak spricht mit ausländischen Investoren Bild: AFP

Inmitten der Währungskrise in der Türkei hat der türkische Finanzminister Berat Albayrak ausländischen Investoren strenge Haushaltsdisziplin und Strukturreformen zugesichert. Die Türkei werde aus der Krise 'noch stärker hervorgehen', versicherte er.

Inmitten der schweren Währungskrise in der Türkei hat der türkische Finanzminister Berat Albayrak ausländischen Investoren strenge Haushaltsdisziplin und Strukturreformen zugesichert. Die Türkei werde aus der Krise "noch stärker hervorgehen", versicherte Albayrak am Donnerstag bei einer Telefonkonferenz mit fast 4000 Investoren. Präsident Recep Tayyip Erdogan suchte in der Krise mit den USA die Unterstützung seiner europäischen Verbündeten.

"Wir werden aus diesen Turbulenzen noch stärker hervorgehen", sagte der Finanz- und Wirtschaftsminister. Priorität hätten nun Direktinvestitionen, sagte Albayrak und schloss einen Hilfsantrag beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und Kapitalverkehrskontrolle aus, um die Währungskrise in den Griff zu bekommen. Die Regierung werde dem Kampf gegen die Inflation und der Haushaltsdisziplin Priorität geben, sagte Albayrak.

Albayrak ist der Schwiegersohn des türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan. Dieser hatte zuletzt neue staatliche Großprojekte angekündigt. Wie sie sich mit den Sparplänen Albayraks vertragen, ist unklar. Ein europäischer Diplomat hatte vor der Telefonkonferenz gesagt, es sei "die letzte Chance" für Albayrak zu beweisen, dass er verstanden habe, was passiert, daraus die Konsequenzen ziehen könne und den nötigen Einfluss auf Erdogan habe.

Die türkische Lira hat in der vergangenen Woche wegen eines Streits mit den USA massiv an Wert eingebüßt, doch gewann sie seit Dienstag wieder hinzu. Nach Albayraks Rede wurde die Lira bei 5,78 zum Dollar gehandelt und lag damit wieder auf dem Niveau von vor ihrem Absturz am Freitag. Die Zentralbank und die Bankenaufsicht hatten zuletzt eine Reihe von Maßnahmen verkündet, um die Währung zu stützen und Investoren zu beruhigen.

Hintergrund der Krise ist der Streit um die Inhaftierung des US-Pastors Andrew Brunson. US-Präsident Donald Trump verhängte deshalb Sanktionen gegen zwei türkische Minister und verkündete am vergangenen Freitag eine Verdopplung der Zölle auf türkische Stahl- und Aluminiumimporte. Erdogan reagierte darauf mit der Erhöhung der Zölle auf eine Reihe von US-Produkten und rief zum Boykott elektronischer Geräte aus den USA auf.

Angesichts des Streits mit den USA sucht Erdogan verstärkt den Kontakt mit anderen Verbündeten. Am Mittwoch empfing er den Emir von Katar, der Investitionen von 15 Milliarden Dollar in der Türkei zusagte. Am Donnerstag telefonierte er zudem mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Dabei betonten sie die Wichtigkeit, die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen sowie die Investitionen weiter auszubauen, wie das Präsidialamt erklärte.

Erdogan und Macron vereinbarten demnach zudem, dass Albayrak sich baldmöglichst mit seinem französischen Kollegen Bruno Le Maire unterhalten werde. Am Donnerstag telefonierte Albayrak mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), wobei sie ein Treffen für den 21. September in Berlin vereinbarten. Erdogan hatte am Mittwoch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) telefoniert und dabei das Gespräch mit Scholz vereinbart.

Während es im Fall Brunson keine Bewegung gab, ordneten türkische Gerichte am Dienstag und Mittwoch überraschend die Freilassung von zwei griechischen Soldaten und dem Amnesty-Ehrenvorsitzenden Taner Kilic an, die seit Monaten in Haft saßen. "Diese Freilassungen erfolgen offenkundig nicht zufällig", sagte der europäische Diplomat dazu. Sie zeigten mal wieder, dass Erdogan "sehr pragmatisch ist, wenn er unter wirtschaftlichem Druck ist".

Allerdings wurde am Dienstag im Osten der Türkei erneut ein deutscher Staatsbürger festgenommen. Wie der NDR unter Berufung auf seinen Anwalt berichtete, wurde der 46-jährige Hamburger Ilhami A. während eines Besuchs bei seiner Mutter festgenommen, weil er sich auf Facebook kritisch zur Regierung geäußert hatte. Das Auswärtige Amt bestätigte die Festnahme und erklärte, die Botschaft in Ankara bemühe sich um konsularische Betreuung.

STARTSEITE