Gesundheit

WHO: Übergewicht bedroht steigende Lebenserwartung in Europa

img
Viele Europäer sind übergewichtig oder fettleibig Bild: AFP

Die Lebenserwartung der Menschen in Europa steigt weiter - aber der wachsende Trend zu Übergewicht könnte die Entwicklung umkehren. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Gesundheit in Europa. 

Die Lebenserwartung der Menschen in Europa steigt weiter - aber der wachsende Trend zu Übergewicht könnte die Entwicklung umkehren. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Gesundheit in Europa, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. "Risikofaktoren, die mit einem ungesunden Lebensstil verbunden sind, geben Anlass zu Sorge", sagte die WHO-Direktorin für Europa, Zsuzsanna Jakab. "Sie können die großen Fortschritte bei der Lebenserwartung verlangsamen oder gar umkehren." 

Für den "Europäischen Gesundheitsbericht 2018" wertete die WHO Daten aus 53 Ländern aus, darunter Russland, weshalb die Studie ein Gebiet zwischen dem Atlantik und dem Pazifik erfasst. Auch Israel zählt zur WHO-Region "Europa" dazu. 

Dem Bericht zufolge dürfte die Region ihr Ziel erreichen, bis zum Jahr 2020 die Zahl der vorzeitigen Todesfälle durch die vier wichtigsten nichtübertragbaren Krankheiten um 1,5 Prozent zu senken. Die Zahl der Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Diabetes und Krebs ging trotz einer Zunahme dieser Krankheiten zurück. 

Die Lebenserwartung stieg von durchschnittlich 76,7 Jahren im Jahr 2010 auf 77,8 Jahre im Jahr 2015 an. Frauen kommen auf durchschnittlich 81,1 Jahre, Männer auf 74,6 Jahre. In Island werden die Menschen im Schnitt 81,4 Jahre alt, in Kasachstan 65,7 Jahre. 

Doch trotz dieser positiven Entwicklung zeigt sich die WHO besorgt - denn ein ungesunder Lebensstil bedroht die Gesundheit von immer mehr Menschen in Europa. Im Jahr 2016 waren 23,3 Prozent der Menschen in der Region fettleibig, das war ein Anstieg um 2,5 Prozentpunkte in sechs Jahren. Die Zahl der Übergewichtigen stieg um 2,8 Prozentpunkte auf 58,7 Prozent.

Besonders gravierend ist das Problem der Fettleibigkeit (Adipositas) in der Türkei: Dort sind fast 40 Prozent der Frauen betroffen. In Malta und Großbritannien sind fast 30 Prozent der Menschen fettleibig. Männer sind insgesamt stärker von Übergewicht betroffen, Frauen liegen bei der Fettleibigkeit vorn. 

Als adipös gilt nach der WHO-Definition jemand, der einen Body Mass Index (BMI) von mehr als 30 hat - das bedeutet für einen 1,70 Meter großen Menschen ein Körpergewicht von mehr als 87 Kilogramm. 

Alkohol und Tabak sind weitere große Gesundheitsrisiken in Europa. Zwar ist die Zahl der täglichen Raucher ebenso gesunken wie der durchschnittliche Alkoholkonsum. Aber Europa bleibt im weltweiten Vergleich die Region mit dem höchsten Alkohol- und Tabakkonsum. Rund 29 Prozent der Menschen über 15 Jahren rauchen, während es in Amerika 16,9 Prozent und in Asien 24,8 Prozent sind. 

Durchschnittlich 8,6 Liter Alkohol tranken die Europäer im Jahr 2014. Spitzenreiter ist Litauen mit 15,2 Litern, gefolgt von Tschechien (12,7 Liter) und Belgien (12,6 Liter). Die Türkei verzeichnet mit 1,1 Litern Alkohol pro Person den niedrigsten Wert. 

Die WHO veröffentlicht alle drei Jahre einen Report zur Gesundheit in Europa. Darin untersucht sie unter anderem auch die Entwicklung der Gesundheitsausgaben sowie die Impfbereitschaft der Menschen. Bei den Masern-Impfungen wäre laut WHO in einigen Ländern mehr zu tun, etwa in der Ukraine und in Montenegro. 

Erstmals untersuchte die WHO in diesem Jahr auch die Zufriedenheit der Menschen mit ihrem Leben. Im Durchschnitt gaben die Europäer eine Zufriedenheit von 5,9 auf einer Skala bis 10 an. 

STARTSEITE