Lifestyle

Allzweckwaffe im Büro: Der Hosenanzug für die Frau

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@ FotografieLink (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Während Männer im Büroalltag einfach zum Anzug greifen, haben Frauen die Qual der Wahl: Kleid, Bluse mit schicker Stoffhose beziehungsweise Rock oder doch lieber ein Hosenanzug? Letzterer blickt nicht nur auf eine bewegte Vergangenheit zurück, sondern gilt auch als ein für die Emanzipation symbolträchtiges Kleidungsstück. Nun erlebt es auch in der Alltagsmode sein modisches Comeback.

Zu Zeiten Ludwig des XIV. waren Hosen den Herren vorbehalten und Kleider den Frauen. In Frankreich wurde am 17. November 1800 sogar ein offizielles Hosenverbot für Frauen gesetzlich verabschiedet. Aber schon Ende des 19. Jahrhunderts hielten sich viele Frauen nicht mehr daran. Zwar ernteten Damen in Hosen zu dieser Zeit oft noch ungläubige Blicke, doch eine Strafe mussten sie nicht mehr befürchten. Unglaublich, aber wahr: Das Hosenverbot wurde in Frankreich offiziell erst im Jahr 2013 außer Kraft gesetzt.

Anfang des 20. Jahrhunderts entwarf der Designer Marcel Rochas einen Hosenanzug für Frauen - leider fast unbeachtet. Große Aufmerksamkeit erregte jedoch Marlene Dietrich, die oft eine Kombination aus weiter Herrenhose und Blazer trug. Ihr Kleidungsstil stand im Gegensatz zu den in jener Zeit vorherrschenden gesellschaftlichen Rollenbildern und gilt als Symbol für die Befreiung von diesen. Noch heute trägt die hochgeschnittene Hose mit ausgestellten Beinen den Namen "Marlene-Hose". Auch das Deutschland der 50er-Jahre war noch sehr konservativ, was das Tragen von Hosenanzügen anging. Ein Bundestagspräsident verwies sogar eine Abgeordnete des Parlaments, weil sie im Zweiteiler den Sitzungssaal betrat.

Den Hosenanzug wirklich gesellschaftsfähig machte erst der Designer Yves Saint Laurent im Jahr 1966. Die französische Schauspielerin Catherine Deneuve trug als erste Laurents "Le Smoking", woraufhin sich immer mehr Frauen im Restaurant oder beim Einkaufsbummel im revolutionären Zweiteiler zeigten. Heutzutage ist der Hosenanzug für Frauen vor allem aus der Businessmode gar nicht mehr wegzudenken.

Ein Hosenanzug fürs Büro darf weder zu eng noch zu locker sitzen. Der Blazer sitzt dann perfekt, wenn er bei ausgestreckten Armen nicht an den Schultern spannt. Gleichzeitig sollten die ßrmel nicht über die Handgelenke reichen, wenn man eine aufrechte Haltung einnimmt. Im Idealfall verlaufen die Schulternähte gerade, liegen flach auf und reichen mindestens bis zum Ende des Schlüsselbeins. Die Hose hat dann die ideale Länge, wenn der Saum vorne den Schaft des Schuhs berührt und hinten den halben Absatz bedeckt. Die Seitennähte sollten in einer geraden Linie vom Bund zum Saum verlaufen. Sehr kleine Frauen, die im Standardsortiment nicht fündig werden, können die Hose kürzen lassen - das ist in den meisten Fachgeschäften vor Ort oder beim Schneider möglich. Große Frauen mit langen Beinen müssen darauf achten, dass die Hosenbeine nicht zu kurz ausfallen. Dementsprechend ist es ratsam, wenn sie sich bei spezialisierten Anbietern umsehen, die dezidiert Mode für große Frauen führen.

Hosenanzüge gibt es sowohl aus klassischen Materialien wie Wolle oder Wollmischgewebe als auch aus Stoffen wie Samt, Cord oder Seide. Was die Farbe angeht, gilt im Büro prinzipiell: Gedeckte Töne wie Grau, Blau und Schwarz sowie schlichte Muster wie Nadelstreifen oder kleine Karos sind erste Wahl - auch wenn die aktuelle Mode mutiger ist, was die Farbe des Zweiteiler-Looks angeht.

Dass Hosenanzüge heutzutage auch in leuchtenden Farben und extravaganteren Schnitten erhältlich sind, liegt daran, dass sie in dieser Saison auch im Alltag getragen werden. Frauen setzen damit nicht nur ein modisches, sondern auch ein politisches Zeichen. Nachdem die Chefdesignerin von Dior ihre Models mit dem Slogan "We should all be feminists" über den Laufsteg geschickt und damit ein Zeichen für Gleichberechtigung gesetzt hatte, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch der Hosenanzug für Frauen sein modisches Comeback erlebte.

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