OECD

Soziale Herkunft entscheidet in Deutschland weiter über schulischen Erfolg

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  • 23. Oktober 2018, 16:37 Uhr
  • AFP

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Die soziale Herkunft entscheidet in Deutschland noch immer maßgeblich über den schulischen Erfolg von Kindern und Jugendlichen: Dieser Effekt ist hierzulande stärker ausgeprägt als in vielen anderen Staaten, wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in einer am Dienstag veröffentlichten Studie feststellt. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sieht Deutschland in dem Punkt aber auf "dem richtigen Weg".

In Deutschland gebe es immer noch "eine große Leistungsschere", sagte der OECD-Direktor für Bildung, Andreas Schleicher. Die Entwicklung in Deutschland gehe jedoch "in die richtige Richtung", fasste auch er die Ergebnissen der Studie zusammen, die den Zehnjahreszeitraum zwischen 2006 und der letzten Pisa-Studie 2015 umfasst.

So sei in Deutschland die "soziale Durchmischung der Schulen deutlich besser als in anderen Ländern", sagte Schleicher - und das trage zu besseren Ergebnissen für Kinder aus sozial benachteiligten Elternhäusern bei. Der Studie zufolge gehen in der Bundesrepublik aber immer noch 46 Prozent der Kinder aus solchen Familien auf Schulen, die ebenfalls als benachteiligt gelten. Das entspricht fast dem Schnitt der 36 Mitgliedstaaten mit 48 Prozent.

Die OECD rät der Politik deshalb, mehr in frühkindliche Bildung und Kindergärten zu investieren. "Die Schere geht schon ab zehn Jahren auseinander", betonte Schleicher. Zudem müsse es für Lehrer finanzielle Anreize geben, wenn sie in schwierige Klassen gingen.

"Zwar hängt der Bildungserfolg immer noch stark vom Elternhaus ab, doch hat sich dieser Zusammenhang in Deutschland in den letzten zehn Jahren stärker als in vielen anderen Ländern abgeschwächt", sagte Bildungsministerin Karliczek den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstagsausgaben). "Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Helmut Holter (Linke), sieht durch den OECD-Bericht den Kurs eines Ausbaus von Ganztagsangeboten bestätigt. Bildungserfolg dürfe nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen, sagte der Thüringer Bildungsminister der Düsseldorfer "Rheinischen Post". 

Die SPD setzte sich dafür ein, die Vorhaben der großen Koalition entschiedener voranzubringen. Die Investitionen in den Digitalpakt und die Ganztagsoffensive seien "Zukunftsinvestitionen in die Qualität von Bildung und die Sicherung des Wohlstands in Deutschland", erklärte der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Oliver Kaczmarek. 

Nach Ansicht der FDP geht es bei der Bildungsförderung um die richtige Schwerpunktsetzung: "Anstatt Kitas von Gebühren zu befreien, muss die Qualität gesteigert werden", erklärte die stellvertretende FDP-Fraktionschefin Katja Suding. Schulen müssten individueller und zielgerichteter fördern, wofür die Ausbildung der Lehrkräfte verbessert werden müsse.

Linken-Chefin Katja Kipping kritisierte: "Die Bildungswege eines Kindes dürfen nicht vom Kontostand der Eltern abhängen." Konkrete Schritte für mehr Bildungsgerechtigkeit seien längeres gemeinsames Lernen und Schulen, in denen die Lehrkräfte mehr Zeit für die einzelnen Kinder haben. 

Die Grünen forderten das Aus des Kooperationverbotes in der Bildung. Ihre Bildungsexpertin Margit Stumpp sprach sich für multiprofessionelle Teams an den Schulen aus. Mit Hilfe von Sozialarbeitern, Kunst- und Musikerziehern, Technikern oder Therapeuten könnten Lehrkräfte entlastet und eine individuelle Förderung ermöglicht werden.

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