Frankreich

Macron verteidigt seine umstrittenen Äußerungen zu Nazi-Kollaborateur Pétain

  • In POLITIK
  • 8. November 2018, 14:56 Uhr
  • AFP
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Macron beim Besuch einer Renault-Fabrik in Maubeuge.nn Bild: AFP

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat mit Unverständnis auf die Empörung reagiert, die sein Lob für die Verdienste des späteren Nazi-Kollaborateurs Philippe Pétain während des Ersten Weltkriegs hervorgerufen hat. Der Streit sei überflüssig, sagte er.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat mit Unverständnis auf die Empörung reagiert, die sein Lob für die Verdienste des späteren Nazi-Kollaborateurs Philippe Pétain während des Ersten Weltkriegs hervorgerufen hat. Die historische Wahrheit müsse anerkannt werden, Pétain habe "zwei Gesichter" gehabt, sagte Macron am Donnerstag im nordfranzösischen Maubeuge. 

Der Staatschef hatte zuvor eine Ehrung für Pétain und sieben andere Kommandeure des Ersten Weltkriegs am Samstag im Pariser Invalidendom als "legitim" bezeichnet. Pétain habe später unter deutscher Besatzung zwar "unheilvolle Entscheidungen getroffen", doch ändere dies nichts an seinen Verdiensten für Frankreich während des Ersten Weltkriegs, sagte der französische Staatschef, der Pétain als "großen Soldaten" bezeichnete.

Seine Äußerungen sorgten für heftige Kritik. Der jüdische Dachverband Crif zeigte sich "schockiert" über Macrons Äußerungen. Der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon nannte Pétain "einen Verräter und einen Antisemiten".

Die Zeremonie im Invalidendom am Samstag findet im Zuge der Gedenkfeiern zum Waffenstillstand vor hundert Jahren statt. Macron wird dabei von seinem höchsten Militärberater vertreten. Nach der Kritik am Staatschef erklärte die Regierung am Mittwochabend, dass nur die fünf Marschälle geehrt würden, die im Invalidendom bestattet sind. Pétain gehöre nicht dazu.

"Unser Land hätte andere Auseinandersetzungen und Diskussionen nötiger als diese," sagte Macron am Donnerstag. Er habe mit seinen Äußerungen am Vortag lediglich verdeutlichen wollen: "Geschichte lässt sich nicht löschen, wie sind keine Staatsanwälte der Geschichte." Gleichzeitig erinnerte er daran, dass seine Vorgänger bis zu Jacques Chirac (1995-2007) Blumen auf Pétains Grab auf der Atlantikinsel Île d'Yeu niedergelegt hatten.

Der 1856 geborene General Pétain wurde lange als "Held von Verdun" gefeiert, weil er die Stadt 1916 in einer monatelangen Schlacht gegen die Deutschen verteidigte. Nach dem deutschen Einmarsch in Frankreich 1940 wurde er dann Kopf des sogenannten Vichy-Regimes im unbesetzten Teil des Landes, das bis 1944 mit den Nazis kollaborierte. Pétain war maßgeblich für die Deportation der französischen Juden mit verantwortlich. 

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