Gesellschaft

Deutlich mehr Bundesbürger besitzen Schreckschusspistolen und Signalwaffen

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Schreckschusspistole und Kleiner Waffenschein Bild: AFP

Schreckschusspistolen und Signalwaffen stehen bei den Deutschen hoch im Kurs: Die Zahl der im nationalen Waffenregister erfassten sogenannten kleinen Waffenscheine stieg in den ersten zehn Monaten des Jahres um knapp 46.000 auf 603.482.

Schreckschusspistolen und Signalwaffen stehen bei den Deutschen hoch im Kurs: Die Zahl der im nationalen Waffenregister erfassten sogenannten kleinen Waffenscheine stieg in den ersten zehn Monaten des Jahres um knapp 46.000 auf 603.482, wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Freitag sagte. Laut einer Länderumfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) wuchs die Zahl binnen vier Jahren sogar um mehr als das Doppelte.

Über die deutliche gewachsene Zahl kleiner Waffenscheine hatte zuerst das RND berichtet. Demnach gab es 2014 nur 261.332 solcher amtlicher Bescheinigungen.

Der Anstieg ist der RND-Umfrage zufolge in allen 16 Bundesländern feststellbar. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen beispielsweise stieg die Zahl der kleinen Waffenscheine von rund 65.000 im Jahr 2014 auf nunmehr rund 154.000, in Niedersachsen von rund 24.000 auf rund 59.000 und in Berlin von knapp 9000 auf annähernd 19.000.

Wer einen kleinen Waffenschein besitzt, darf Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen verdeckt führen, aber nur im Notfall damit schießen. Voraussetzung für die Erteilung ist, dass der Bewerber volljährig ist sowie persönlich geeignet und zuverlässig erscheint. Scharfe Waffen sind in Deutschland nicht ohne Weiteres zugänglich.

Der Vizevorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, zeigt sich angesichts der neuen Zahlen alarmiert. "Wir müssen aufpassen, dass wir in Deutschland keine amerikanischen Verhältnisse bekommen", sagte er dem RND. "Es besteht die Gefahr, dass Waffen nicht ordnungsgemäß eingesetzt werden und ihre Inhaber sich selbst gefährden."

Das Gegenüber könne meist nicht einschätzen, um welche Waffe es sich handle und wie geübt ihr Inhaber sei. Dies könne zu Überreaktionen führen. "Eine Gesetzesverschärfung hilft uns nicht. Was uns hilft, ist die Einsicht, dass Waffen das Problem nicht lösen", sagte Radek.

Die Grünen-Innenexpertin Irene Mihalic warnte im RND vor einem Sicherheitsrisiko. "Mehr private Waffen schaffen nicht mehr Sicherheit - im Gegenteil: Sie haben das Potenzial, Konflikte in Gewalt eskalieren zu lassen", sagte Mihalic. Das Gewaltmonopol liege beim Staat, daran dürfe es keine Zweifel geben.

Der Sprecher des Bundesinnenministeriums gab zu bedenken, dass mit der Erteilung kleiner Waffenscheine auch ein Sicherheitsgewinn einhergehe - indem die Kenntnis über den sicheren Umgang mit Waffen erweitert werde. Insofern sei es "durchaus in unserem Sinn, dass diese Erlaubnisse weiter verbreitet sind".

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