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Entwarnung für Bahnkunden: Gewerkschaft und Bahn wollen wieder verhandeln

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Reisende am Kölner Hauptbahnhof Bild: AFP

Bahn-Reisende müssen zumindest kurzfristig nicht mit weiteren Warnstreiks rechnen: Die Gewerkschaft EVG und die Deutsche Bahn wollen sich am Dienstagnachmittag wieder an den Verhandlungstisch setzen.

Bahnreisende müssen zumindest kurzfristig nicht mit weiteren Warnstreiks rechnen: Die Gewerkschaft EVG und die Deutsche Bahn wollen sich am Dienstagnachmittag wieder an den Verhandlungstisch setzen. Die Bahn gehe "optimistisch und mit großem Einigungswillen" in die mittlerweile fünfte Verhandlungsrunde, erklärte ein Konzernsprecher am Montag. Hunderttausende Pendler waren am Montagmorgen wegen eines heftigen Warnstreiks gar nicht oder zu spät zur Arbeit gekommen.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatte von 05.00 bis 09.00 Uhr zum Warnstreik aufgerufen, um ihrer Lohnforderung in der laufenden Tarifrunde Nachdruck zu verleihen. Mehrere tausend Mitglieder nahmen demnach daran teil. "Die Wucht des Warnstreiks hat gezeigt, wie groß der Unmut der Kolleginnen und Kollegen ist", erklärte EVG-Bundesgeschäftsführer Torsten Westphal. "Wir denken eben auch, dass es ein deutliches Zeichen Richtung Bahnvorstand war, der sich nun zu bewegen hat."

Die Bahn stellte in der Hauptverkehrszeit am Morgen bundesweit den Fernverkehr ein. Regional kam es in zahlreichen Bundesländern zu massiven Einschränkungen. Besonders betroffen waren laut der Bahn Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Auch der S-Bahn-Verkehr in zahlreichen Ballungsräumen war betroffen. Bundesweit standen insgesamt über 1400 Züge der Deutschen Bahn still, darunter auch Güterzüge. Weil die Deutsche Bahn den größten Teil des Zugverkehrs in Deutschland kontrolliert, waren mittelbar auch andere Bahngesellschaften von dem Streik betroffen.

Die Bahnkunden mussten noch den gesamten Montag mit Einschränkungen im Fern- und auch im Regionalverkehr rechnen. Reisenden wurde empfohlen, nach Möglichkeit auf den Dienstag auszuweichen. Fernverkehrstickets mit Gültigkeit Montag können bis einschließlich kommenden Sonntag genutzt werden. Aufgrund der unterschiedlichen Bestimmungen in den Verkehrsverträgen sei für den Regional- und Nahverkehr eine einheitliche Regelung nicht möglich, erklärte die Bahn.

Der Bahn-Sprecher nannte den Warnstreik "überflüssig". Die beiden Parteien wären bereits vorher einer Einigung sehr nah gewesen. Durch die sehr kurzfristige und allgemein gehaltene Ankündigung habe die Bahn keinen Ersatzfahrplan mehr erstellen können. Der Streik habe hunderttausende Pendler in Mitleidenschaft gezogen und die Bahnkundschaft verunsichert - und das in der wichtigen Vorweihnachtszeit.

Ein EVG-Sprecher sagte, die Bahn habe noch kein neues schriftliches Angebot vorgelegt. "Ich gehe aber davon aus, dass das morgen passieren wird."

Die EVG hatte am Samstag die Tarifverhandlungen in Hannover abgebrochen und angekündigt, diese erst nach einem verbesserten Angebot der Deutschen Bahn wieder aufzunehmen. Die Gewerkschaft fordert 7,5 Prozent mehr Geld. Wie der Bahn-Sprecher sagte, bot der Konzern zuletzt ein Lohnpaket über 6,7 Prozent. In den kommenden Verhandlungen wolle der Arbeitgeber sich weiter auf die Gewerkschaft zubewegen.

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