Japan

Anklage gegen Automanager Ghosn und gegen Nissan erhoben

img
Carlos Ghosn Bild: AFP

Der Automanager Carlos Ghosn wird Weihnachten wohl in japanischer Haft verbringen: Die Staatsanwaltschaft in Japan erhob am Montag offiziell Anklage gegen Ghosn sowie auch gegen Nissan selbst.

Der Automanager Carlos Ghosn wird Weihnachten wohl in japanischer Haft verbringen: Die Staatsanwaltschaft in Japan erhob am Montag offiziell Anklage gegen Ghosn sowie gegen den Autobauer Nissan. Der 64-jährige Ghosn - lange Chef von Nissan - soll jahrelang ein viel zu niedriges Einkommen deklariert haben, in der Anklage geht es um die Jahre 2010 bis 2015. Außerdem wurde Ghosns Gewahrsam wegen neuer Vorwürfe verlängert.

Ghosn war am 19. November festgenommen worden. Neben der Vertuschung von Teilen seines Einkommens soll er sich persönlich an Firmenkapital des Autobauers Nissan bereichert haben. Seine Festnahme vor einer offiziellen Anklage hatte vor allem außerhalb Japans für Kritik gesorgt. Bis zum Montag konnten die Strafverfolger den Manager in Gewahrsam halten. Ohne Anklage hätten sie ihn danach freilassen müssen.

Nun klagten sie Ghosn sowie seinen engen Mitarbeiter Greg Kelly an und verlängerten darüber hinaus den Gewahrsam für die beiden Unternehmer: Wegen neuer Vorwürfe sollen sie nun erneut befragt werden, diesmal geht es um die Vertuschung von Einkommen zwischen 2015 und 2018. Der neue Gewahrsam ist maximal 22 Tage möglich und könnte damit bis zum Jahreswechsel dauern.

Nissan wurde ebenfalls angeklagt, denn der Autobauer hatte die falschen Dokumente mit dem Einkommen Ghosns bei der Börsenaufsicht eingereicht. Der Autobauer übermittelte sein "tiefes Bedauern". Er versprach, seine Unternehmensführung zu verbessern und alles dafür zu tun, dass Finanzdeklarationen künftig korrekt gemacht würden.

Ghosn selbst bestreitet die Vorwürfe. Nissan und der Autobauer Mitsubishi setzten ihn als Konsequenz aus der Affäre als Verwaltungsratsvorsitzenden ab. Beim französischen Autobauer Renault ist der 64-Jährige formal weiterhin Konzernchef. Kommissarisch vertritt ihn allerdings derzeit die bisherige Nummer zwei Thierry Bolloré.

Die Autokonzerne Renault, Nissan und Mitsubishi hatten zuletzt erklärt, sie wollten ungeachtet der Affäre um Ghosn an ihrer Allianz festhalten. Japans Regierungschef Shinzo Abe sagte kurz nach der Anklage gegen Ghosn nun ebenfalls, die Allianz müsse erhalten bleiben. Sie sei ein "Symbol" für die industrielle Kooperation zwischen Japan und Frankreich. Er sei auch überzeugt, dass die Affäre der Beziehung zwischen beiden Ländern nicht schaden werde.

STARTSEITE