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In Kanada festgenommene Huawei-Finanzchefin auf Kaution freigelassen

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Zeichnung von Meng und einem Anwalt vor Gericht in Vancouver Bild: AFP

Die Finanzchefin des chinesischen Technologieriesen Huawei ist nach ihrer Festnahme in Kanada unter strikten Auflagen wieder auf freiem Fuß. Ihre Festnahme auf Betreiben der USA hatte die Beziehungen zwischen Washington und Peking schwer belastet.

Die Finanzchefin des chinesischen Telekommunikationsgiganten Huawei ist nach ihrer Festnahme in Kanada unter strikten Auflagen wieder auf freiem Fuß. Nachdem ein Richter am Dienstag die Freilassung von Meng Wanzhou auf Kaution angeordnet hatte, verließ die Spitzenmanagerin wenige Stunden später den Gewahrsam. Die Festnahme Mengs auf Betreiben der USA hatte die Beziehungen zwischen Washington und Peking schwer belastet - und Befürchtungen einer erneuten Eskalation des US-chinesischen Handelsstreits geschürt. 

Der Anordnung des Richters zufolge muss die 46-jährige Tochter des Huawei-Gründers zehn Millionen kanadische Dollar (etwa 6,6 Millionen Euro) Kaution zahlen, eine elektronische Fußfessel tragen und ihre beiden Reisepässe abgeben. Außerdem darf sie ihre Wohnung in Vancouver nachts nicht verlassen.

Der Richter sah die Fluchtgefahr offenbar als gering an: Das Risiko, dass Meng im Auslieferungsverfahren nicht vor Gericht erscheine, könne durch die von ihrem Anwalt vorgeschlagenen Auflagen auf ein "akzeptables Niveau" reduziert werden, erklärte er. 

Wenige Stunden nach der Anordnung verließ Meng das Gerichtsgebäude in Vancouver, wie Fernsehbilder des kanadischen Senders Global News zeigten. Anschließend bestieg sie einen schwarzen SUV. 

Die Finanzchefin des chinesischen Technologieriesen war am 1. Dezember auf Betreiben der USA in Vancouver festgenommen worden. Die US-Justiz wirft ihr einen Verstoß gegen die Iran-Sanktionen vor und verlangt ihre Auslieferung. China protestierte scharf gegen die Festnahme und prangerte am Montag eine "unmenschliche" Behandlung Mengs an.

US-Präsident Donald Trump deutete am Dienstag an, er könnte sich in den Fall einschalten, wenn es den laufenden Handelsgesprächen mit China diene. "Ich werde alles tun, was gut für das Land ist", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Eine neue Handelsvereinbarung mit Peking sei "eine sehr wichtige Sache" und "gut für die nationale Sicherheit". Wenn es "notwendig" sei, werde er sich deswegen in den Fall Meng einschalten, sagte der US-Präsident.

Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping hatten sich am Rande des G20-Gipfels in Buenos Aires Anfang Dezember auf einen Waffenstillstand in ihrem Handelskonflikt verständigt. Die USA setzten China dabei eine Frist von 90 Tagen zum Abbau von Handelsbarrieren; Peking kündigte wenig später an, die vereinbarten Handelserleichterungen, die das hohe Defizit der USA im Handel mit China verringern sollen, "sofort" umzusetzen. 

Trotz dieser Annäherung löste die Festnahme Mengs Furcht vor einer neuen Eskalation des Handelskonflikts aus und führte zu Kurseinbrüchen an den Börsen. 

Huawei ist ein Schlüsselkonzern für das chinesische Bestreben, zur führenden Wirtschaftsmacht der Welt aufzusteigen. Der Konzern ist bereits jetzt hinter Samsung und vor Apple der zweitgrößte Smartphone-Hersteller der Welt. In vielen Ländern wird Huawei allerdings eine zu große Nähe zur chinesischen Führung und zu den dortigen Sicherheits- und Geheimdiensten vorgeworfen.

Derweil wurde ein ehemaliger kanadischer Diplomat nach Angaben seines Arbeitgebers in China festgenommen. Die International Crisis Group (ICG) erklärte am Dienstag, sie habe Kenntnis über die Inhaftierung ihres China-Experten Michael Kovrig, der sein Land als Diplomat in Peking, Hongkong und bei den Vereinten Nationen vertreten hatte. "Wir tun alles Erdenkliche, um weitere Informationen über Michaels Aufenthaltsort sowie seine schnelle und sichere Rückkehr zu beschaffen", hieß es in einer Mitteilung.

Kovrig arbeitet seit einem Jahr für das Think Tank, das für seine Forschung zur friedlichen Lösung von globalen Konflikten bekannt ist. Aus China gab es zunächst keine offiziellen Äußerungen zu dem Vorfall. Die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland erklärte, die Regierung verfolge den Fall auf "höchster Regierungsebene".

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