Konjunktur

Wirtschaftsforscher senken Wachstumsprognose

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Sonne geht hinter Hafenkränen unter Bild: AFP

Die Zeiten der Hochkonjunktur in Deutschland sind laut neuer Prognose vorbei: Nach einer bis in das Frühjahr 2018 anhaltenden 'außerordentlich starken Entwicklung' normalisiere sich die deutsche Wirtschaft, schätzen zwei Wirtschaftsforschungsinstitute.

Die Zeiten der Hochkonjunktur in Deutschland sind laut einer neuen Prognose vorbei: Nach einer bis in das Frühjahr 2018 anhaltenden "außerordentlich starken Entwicklung" normalisiere sich die deutsche Wirtschaft, teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch in Berlin mit. Es senkte seine Vorhersage für dieses Jahr auf 1,5 Prozent. Noch im Herbst war es von 0,3 Punkten mehr ausgegangen.

Für kommendes Jahr rechnen die Berliner Wirtschaftsforscher mit einem Wachstum von 1,6 Prozent, was 0,1 Punkte unter der Herbstprognose liegt. Auch die Ökonomen des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel senken ihre Prognose leicht, sie gehen aber von 1,8 Prozent für 2019 aus. Beide verweisen als Grund für die Korrektur auf die Produktionsausfälle der Autoindustrie durch die Umstellung auf den neuen Abgastest WLTP.

Die Gefahr einer schrumpfenden Wirtschaft sei nach wie vor gering, erklärte  DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. Die Autoindustrie werde ihre Ausfälle über den Winter zumindest teilweise nachholen. Zudem würden Beschäftigung und Löhne weiter steigen.

"Die Löhne steigen auch nach Abzug der Inflation, die in den kommenden Jahren bei etwa zwei Prozent liegen dürfte, um voraussichtlich mehr als ein Prozent pro Jahr", prognostizierte DIW-Forscher Simon Junker. Deshalb würden die Leute mehr konsumieren. 

Auch der Staat sorge dafür, dass die Menschen mehr Geld im Portemonnaie haben. So wird ab Neujahr der Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung wieder hälftig von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite getragen. Zudem sinkt der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung, Grund- und Kinderfreibeträge werden angehoben und die Mütterrente steigt. Der Überschuss der öffentlichen Haushalte soll in diesem Jahr rund 56 Milliarden Euro betragen, im Jahr 2020 dann noch 38 Milliarden Euro.

"Außergewöhnlich unscharf" wird das Bild dem DIW zufolge mit Blick ins Ausland. So werde das Exportgeschäft nur dann weiter gut laufen, wenn die schwelenden Handelskonflikte, etwa zwischen den USA und China, die Brexit-Situation und der Haushaltsstreit zwischen der EU und Italien nicht eskalieren. Die Unternehmen investierten zwar zunehmend in Maschinen und Anlagen, die ganz große Investitionsoffensive bleibe auch angesichts der diversen Unsicherheiten aber aus.

Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Theurer, sieht in den zögerlichen Investitionen ein Problem: "Seit Jahren leben wir von der Substanz", erklärte er. Die Investitionen seien geringer als die Abschreibungen. Die Bilanz der Großen Koalition sei eine "schwere Hypothek" für die junge Generation: "Ob bei den immer neuen Rentenpaketen oder ausbleibenden Investitionen in Bildung, Digitalisierung und Verkehrsinfrastruktur, überall wird nur noch im hier und jetzt regiert." Er forderte weniger staatliche Regulierung, eine finanzielle Entlastung der Bürger und mehr privates Engagement.

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