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Weniger Demonstranten bei "Gelbwesten"-Protesten in Frankreich

  • In POLITIK
  • 15. Dezember 2018, 21:03 Uhr
  • AFP
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Konfrontation mit der Polizei in Bordeaux Bild: AFP

In Frankreich sind erneut zehntausende 'Gelbwesten' auf die Straße gegangen - aber deutlich weniger als zuvor. Nach Zugeständnissen von Präsident Macron und dem Anschlag in Straßburg demonstrierten etwa halb so viele Menschen wie in der Vorwoche.

In Frankreich sind am Samstag erneut zehntausende "Gelbwesten" auf die Straße gegangen - aber deutlich weniger als zuvor. Nach Zugeständnissen von Präsident Emmanuel Macron und dem Anschlag in Straßburg nahmen laut Innenministerium etwa halb so viele Menschen an den Protesten teil wie in der Vorwoche. Am Abend schätzte das Innenministerium die Teilnehmerzahl auf 66.000 landesweit. Innenminister Christophe Castaner rief zu einem Ende der Straßenblockaden auf.

Am Nachmittag des fünften Protest-Samstags in Folge hatte das Innenministerium die Zahl der Demonstranten mit 33.500 angegeben - vor einer Woche seien es zum gleichen Zeitpunkt doppelt so viele "Gelbwesten" gewesen. Die am Abend genannte Zahl von 66.000 Teilnehmern war demnach ebenfalls halb so groß wie zum gleichen Zeitpunkt am vergangenen Samstag. Landesweit waren es am vergangenen Wochenende 126.000 Demonstranten gewesen.

Innenminister Castaner zeigte sich zufrieden mit der Abnahme der Teilnehmerzahl: "Der Tag endet gut", schrieb er im Kurzbotschaftendienst Twitter. Unverständnis zeigte er für die Fortsetzung der Straßenblockaden durch die "Gelbwesten". "Die Verkehrskreisel müssen freigegeben werden", schrieb Castaner. "Der Dialog muss nun alle diejenigen vereinen, die Frankreich verändern wollen." 

Der Präsident der französischen Nationalversammlung, Richard Ferrand, sprach von einem "notwendigen" Rückgang der Teilnehmerzahlen. "Es wurde deutlich auf ihre Forderungen eingegangen", erklärte er mit Blick auf Macrons Ankündigungen vom Wochenbeginn. "Die Zeit des Dialogs ist gekommen." 

Macron hatte am Montag als Reaktion auf die Proteste unter anderem eine Erhöhung des Mindestlohns verkündet. Die Regierung appellierte zudem an die Aktivisten, nach dem tödlichen Anschlag in Straßburg vom Dienstagabend auf neue Kundgebungen zu verzichten. Gemäßigte "Gelbwesten" riefen zu einer "Ruhepause" und zum "Dialog" mit der Regierung auf. Die "Gelbwesten" fordern seit Wochen den Rücktritt Macrons sowie Steuersenkungen, höhere Renten und Löhne. 

In Paris standen am Samstagmittag laut Innenministerium 2200 Demonstranten rund 8000 Sicherheitskräften gegenüber - am vergangenen Samstag waren es 10.000 Demonstranten gewesen. Bis zum Abend wurden in Paris 157 Menschen festgenommen, 104 kamen in Polizeigewahrsam. 

Die Teilnehmer zeigten sich indes weiter entschlossen: "Wir sind voller Wut", sagte Priscilla Ludosky, eines der wenigen Gesichter der Bewegung in Paris. Die Demonstrantin Lucie sagte in Paris, der Rückgang der Teilnehmerzahl sei "eine Niederlage". "Aber das liegt am Staat, der uns daran hindert, richtig zu demonstrieren", fügte die 35-Jährige hinzu.  

Die Proteste am Samstag verliefen weitgehend friedlich. Vereinzelt setzten die Sicherheitskräfte Tränengas ein. Der Eiffelturm sowie der Louvre und andere Museen waren geöffnet - anders als noch vor einer Woche. Auch Cafés und Geschäfte im Pariser Stadtzentrum waren wieder geöffnet.

Auch in den übrigen Landesteilen gingen deutlich weniger Menschen auf die Straße - mit Ausnahme der Städte Toulouse und Bordeaux, wo jeweils rund 4500 "Gelbwesten" protestierten. Hier kam es auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen: Demonstranten warfen Gegenstände auf die Polizei - die reagierte mit dem Einsatz von Wasserwerfern und Tränengas. Auch in Nantes gab es Zusammenstöße. 

Trotz sinkender Teilnehmerzahlen bei den Protesten wurden auch am Samstag und in der Nacht zuvor wieder zahlreiche Straßen in Frankreich von Demonstranten blockiert. In Belgien kam es am Freitagabend zu einem Todesfall in Zusammenhang mit den Protesten. Ein Autofahrer starb, nachdem er in einen Lastwagen gefahren war, der aufgrund einer Straßensperre der "Gelbwesten" auf französischer Seite abgebremst hatte.

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