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Bundesregierung fordert Konzernumbau bei der Deutschen Bahn

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Bahn-Zentrale in Berlin Bild: AFP

Die Bundesregierung hat von der Deutschen Bahn grundlegende Reformen gefordert. 'Die Bahn braucht eine Neustrukturierung', sagte der Beauftragte der Bundesregierung für den Schienenverkehr, Enak Ferlemann (CDU), der 'Welt am Sonntag'.

Die Bundesregierung hat von der Deutschen Bahn grundlegende Reformen gefordert. "Die Bahn braucht eine Neustrukturierung", sagte der Beauftragte der Bundesregierung für den Schienenverkehr, Enak Ferlemann (CDU), der "Welt am Sonntag". Einem Bericht der "Bild am Sonntag" zufolge gab das Staatsunternehmen von 2015 bis 2018 über eine halbe Milliarde Euro für externe Berater aus - und beschloss nun eine deutliche Reduzierung dieser Kosten.

Es gebe Besorgnis darüber, "wie der DB-Vorstand das System Bahn fährt", sagte Ferlemann. "Mit der Leistung kann man nicht zufrieden sein", fügte er hinzu und setzte der Bahn ein Ultimatum: "Wir erwarten, dass der Vorstand der Bundesregierung bis März ein entsprechendes Konzept vorlegt", sagte der CDU-Politiker, der auch Staatssekretär im Verkehrsministeriums ist. "Erste Ergebnisse wollen wir bei einem Termin im Januar hören." 

Politiker von SPD und Opposition sowie Vertreter der Bahngewerkschaft EVG signalisieren der "Welt am Sonntag" zufolge grundsätzlich Bereitschaft, einen Konzernumbau mitzutragen. Dabei gehe es vor allem darum, die Führungsstrukturen zu straffen und Geschäftsfelder neu zu ordnen oder zu verschmelzen. 

In den einzelnen Unternehmensteilen müsse "das Denken in Kästchen und Vorgärten aufhören", sagte SPD-Parlamentsgeschäftsführer Carsten Schneider der "Welt am Sonntag". 

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte, die Transportsparten müssten gebündelt werden, um Synergieeffekte zu erzielen. Das "zersplitterte Zuständigkeitschaos" von Tochtergesellschaften wie DB Netz, DB Station und Service, DB Energie und DB Immobilien müsse "ein Ende haben".

Das System Deutsche Bahn stehe "kurz vor dem Kollaps", warnte der FDP-Verkehrspolitiker Oliver Luksic. "Ohne radikale Maßnahmen wird Sie im kommenden Jahr die 20 Milliarden Schuldengrenze durchbrechen". Der Konzern und seine Strukturen müssten jetzt dringend modernisiert werden. 

Die "Bild am Sonntag" berichtete, die Bahn habe 2015 rund 80 Millionen Euro an externe Berater gezahlt, 2016 rund 120 Millionen Euro und 2017 sogar 160 Millionen Euro; in diesem Jahr dürften es mehr als 150 Millionen Euro werden.

Bahn-Chef Richard Lutz habe deshalb die Notbremse gezogen, schrieb die Zeitung weiter. Der Konzernvorstand habe für das kommende Jahr eine starke Reduzierung von Beratungskosten beschlossen, "die einen Budgetdeckel von 100 Millionen Euro" vorsehe, zitierte die "BamS" einen Konzernsprecher.

Torsten Herbst, FDP-Obmann im Verkehrsausschuss, kritisierte laut der Zeitung, dass sich "das Strategiedefizit im DB-Konzern" nicht durch den Einkauf teurer Berater lösen lasse. Angesichts der hohen Verschuldung des Unternehmens handele es sich um "Führungsschwäche". Diese könnten "auch externe Berater nicht beheben".

Bahn-Chef Richard Lutz hatte wegen sinkender Gewinne erst Anfang September in einem Brandbrief an die Führungskräfte des Unternehmens eine bessere Zusammenarbeit und strengere Kostenkontrolle angemahnt. Auch bei der Pünktlichkeit liegt der Konzern unterhalb der selbstgesteckten Ziele. 

Am Samstag hatte der Konzern im Tarifstreit mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) nach schwierigen Verhandlungen eine Einigung erzielt, die es dem Unternehmen nach Angaben von Bahn-Personalvorstand Martin Seiler nun ermöglicht, sich darauf zu konzentrieren, bei Qualität und Pünktlichkeit besser zu werden. Der Tarifstreit mit der Lokführergewerkschaft GDL ist indes weiter ungelöst.

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