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IWH: Arbeitslosigkeit und Abwanderung in Kohleregionen bei schnellem Ausstieg

  • AFP
  • In UMWELT
  • 15. Januar 2019, 13:00 Uhr
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Kohlekraftwerk in Cottbus Bild: AFP

Vor einem Treffen im Kanzleramt zum Kohleausstieg hat das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle die Folgen für die betroffenen Regionen aufgezeigt. Gesamtwirtschaftlich könne Deutschland sich einen schnellen Ausstieg aus der Braunkohle leisten.

Vor einem Treffen im Kanzleramt zum Kohleausstieg hat das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) die Folgen für die betroffenen Regionen aufgezeigt. Zu rechnen sei mit Arbeitsplatzverlusten im Hochlohnsektor, Abwanderung - besonders aus der Lausitz - und einem Anstieg des Strompreises. Gesamtwirtschaftlich könne Deutschland sich aber einen schnellen Ausstieg aus der Braunkohle leisten, erklärte Vize-Präsident Oliver Holtemöller. 

Das IWH untersuchte ein Szenario, wonach Deutschland bis 2035 aus der Braunkohle aussteigt. Die Branche spiele mit etwa 21.000 Beschäftigten (Stand 2014) eine "untergeordnete Rolle". Allerdings sei ihr Gehalt mit durchschnittlich 68.000 Euro im Jahr fast doppelt so hoch wie der deutsche Durchschnitt von 35.000 Euro. 

Ein Teil der ehemaligen Braunkohlebeschäftigten werde sich neue Arbeitsplätze außerhalb der Braunkohleregionen suchen, heißt es in der IWH-Studie - besonders betroffen davon sei die Lausitz. 2500 Menschen könnten die Region verlassen. Dort sinke der durchschnittliche Bruttolohn auch am stärksten. Die Arbeitslosigkeit werde vorübergehend steigen - laut Studie so stark wie in keiner anderen betroffenen Region.

Durch den Braunkohleausstieg dürften die Strompreise steigen, heißt es weiter in der Studie. Auch könne die Nachfrage nach Wohnraum dort ansteigen, wohin ehemalige Braunkohlebeschäftigte ziehen. Beides schlage gesamtwirtschaftlich aber "kaum zu Buche". 

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) warnte vor den Kosten eines schnellen Ausstiegs. "Die Formel ist ganz einfach: umso früher, umso höher die Kosten", sagte er der "Rheinischen Post". Jährlich gehe es um etwa 1,5 Milliarden Euro für alle vier betroffenen Bundesländer in Ost und West.

"Dazu kommen Infrastrukturmaßnahmen des Bundes für Straße und Schiene, die zusätzlich zu finanzieren sind", sagte Woidke. Der Ministerpräsident verlangte ein Monitoring des geplanten Konzepts der Kohlekommission mit drei Kernpunkten: "Preisentwicklung der Energie, Versorgungssicherheit und gut bezahlte künftige Arbeitsplätze". 

Durch die Kohle habe die Region eine jährliche Wertschöpfung von etwa 1,4 Milliarden Euro. Das müsse ersetzt werden, sagte der SPD-Politiker. 

Woidke wird am Dienstagabend zusammen mit den Ministerpräsidenten der anderen drei Braunkohle-Länder und den Vorsitzenden der Kohlekommission von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt empfangen. Das Treffen dient dazu, die Position der Bundesregierung mit den betroffenen Bundesländern abzustimmen. Teilnehmen werden auch mehrere Bundesminister.

Die Kohlekommission erarbeitet derzeit einen Fahrplan zum Ausstieg aus der Kohleverstromung. Das Gremium will seine Arbeit bis Anfang Februar abschließen.

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