Syria

Zurückgetretener US-Gesandter: Trump hat IS neu belebt

  • AFP
  • In POLITIK
  • 18. Januar 2019, 20:45 Uhr
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Der frühere US-Gesandte für den Kampf gegen die IS-Miliz, Brett McGurk Bild: AFP

Der zurückgetretene US-Sondergesandte für den Kampf gegen den Islamischen Staat hat Präsident Donald Trump vorgeworfen, mit seiner Ankündigung des Truppenabzugs aus Syrien der Dschihadistenmiliz Auftrieb verschafft zu haben.

Der zurückgetretene US-Sondergesandte für den Kampf gegen den Islamischen Staat (IS), Brett McGurk, hat Präsident Donald Trump vorgeworfen, mit seiner Ankündigung des Truppenabzugs aus Syrien der Dschihadistenmiliz Auftrieb verschafft zu haben. Trump habe damit dem IS und anderen Feinden der USA "neues Leben" eingehaucht, schrieb McGurk in einem am Freitag veröffentlichten Beitrag für die Zeitung "Washington Post".

Trump hatte kurz vor Weihnachten den vollständigen Abzug der rund 2000 US-Soldaten aus Syrien angekündigt, da der Kampf gegen die IS-Miliz "gewonnen" sei. Die Ankündigung veranlasste Verteidigungsminister Jim Mattis zum Rückritt. Kurz danach erklärte auch McGurk seinen Abgang. Sein Nachfolger ist der Diplomat James Jeffrey, der gleichzeitig seine bisherige Aufgabe als Syrien-Gesandter beibehält. 

McGurk kritisierte nun, dass Trump seine Entscheidung zum Truppenzug ohne Konsultation mit den internationalen Alliierten und dem US-Kongress sowie ohne "Risikoeinschätzung und Auswertung der Fakten" getroffen habe. Die Verbündeten in der US-geführten Militärallianz gegen den IS habe die Entscheidung des Präsidenten "konsterniert" hinterlassen. Der Allianz gehören unter anderem Frankreich und Großbritannien an.

Durch den Abzug werde ein "Vakuum" in Syrien geschaffen, in das der IS und andere extremistische Gruppen hineinstoßen würden, warnte McGurk. Sie könnten so ihre Fähigkeiten erneuern, "unsere Freunde in Europa (...) und letztlich auch unser Heimatland zu bedrohen". 

Trump hat seine Abzugsankündigung in den vergangenen Wochen allerdings stark eingeschränkt. Er erklärte, der Abzug solle "vorsichtig" und in "angemessenem Tempo" vollzogen werden. Nach Angaben des Pentagon wurde bislang nur der Abzug von Gerät, nicht aber von Soldaten begonnen. 

Am vergangenen Mittwoch wurden bei einem Selbstmordanschlag in der nordsyrischen Stadt Manbidsch vier US-Bürger getötet, darunter zwei Militärs. Der IS reklamierte den Anschlag für sich. Es handelte sich um den schwersten Anschlag auf US-Soldaten in Syrien seit 2014. Insgesamt wurden bei dem Selbstmordangriff 16 Menschen getötet.

Der republikanische Senator und Trump-Vertraute Lindsey Graham zeigte sich nach dem Anschlag besorgt, dass der Präsident mit seinen Erklärungen zum Truppenabzug "Enthusiasmus beim Feind" ausgelöst haben könnte. 

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