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Erdogan: Türkei will Syrien nicht besetzen

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Erdogan (l.) und Putin Bild: AFP

Im Streit um die Einrichtung einer 'Sicherheitszone' in Nordsyrien hat der türkische Präsident versichert, sein Land habe 'nicht die Absicht, Syrien zu besetzen'. Sein Außenminister sagte, die Türkei könne die 'Sicherheitszone' auch allein umsetzen.

Im Streit um die Einrichtung einer "Sicherheitszone" in Nordsyrien hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan versichert, sein Land habe "nicht die Absicht, Syrien zu besetzen". Das türkische Militär sei in Nordsyrien zum Schutz der Grenze, aber auch "um den Frieden in der Region" zu sichern, sagte Erdogan am Donnerstag in Ankara. Sein Außenminister sagte, notfalls könne die Türkei die "Sicherheitszone" auch allein umsetzen. 

"Wir können diese Zone alleine schaffen und die notwendigen Maßnahmen ergreifen", sagte Mevlüt Cavusoglu dem Nachrichtensender A-Haber. US-Präsident Donald Trump hatte sich kürzlich für die Schaffung einer 30 Kilometer breiten "Sicherheitszone" entlang der türkischen Grenze ausgesprochen. Die Türkei hatte diese Idee begrüßt, da sie schon seit Jahren eine solche Zone als Schutz vor "Terroristen" fordert.

Gemeint sind damit sowohl die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) als auch die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die Ankara wegen ihrer engen Verbindungen zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Bedrohung empfindet. Die Türkei hat angeboten, die "Sicherheitszone" umzusetzen. Dafür müsste aber die YPG ihre Kämpfer aus dem Gebiet abziehen, was die syrische Kurdenmiliz entschieden ablehnt.

Moskau hat sich seinerseits dafür ausgesprochen, dass der syrische Machthaber Baschar al-Assad wieder die Kontrolle über die kurdischen Gebiete übernimmt. Angesichts einer drohenden türkischen Offensive auf die Stadt Manbidsch hat die YPG bereits die syrische Regierung zu Hilfe gerufen. Cavusoglu betonte aber, Assad könne "Syrien nicht einen" und das Land auch nicht weiter regieren, "als wenn nichts gewesen wäre".

Am Mittwoch hatte Erdogan den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau getroffen, um über das weitere Vorgehen in Syrien zu beraten. Putin sagte nach den dreistündigen Gesprächen im Kreml, Russland unterstütze den initiierten Dialog zwischen Vertretern der Kurden und der Regierung in Damaskus. Trotz ihrer offenkundigen Differenzen betonten beide Staatsführer ihren Willen, sich in Syrien noch stärker abzustimmen.

Zum von Trump angekündigten Abzug der US-Truppen aus Syrien sagte Putin, dies werde "ein positiver Schritt sein und helfen, die Situation in diesem unruhigen Gebiet zu stabilisieren". Laut dem russischen Präsidenten diskutierte er mit Erdogan auch "im Detail" über die Lage in der nordwestlichen Rebellenenklave Idlib, die seit Anfang Januar komplett unter Kontrolle der Dschihadistenallianz Hajat Tahrir al-Scham steht.

Die syrische Hauptstadt Damaskus wurde unterdessen von einem Attentat erschüttert. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Sana explodierte ein mit Sprengstoff beladenes Auto im Viertel Al-Adawi, doch habe es keine Opfer gegeben. Erst am Sonntag war in Damaskus nahe einem Gebäude des Militärgeheimdienstes ein Sprengsatz explodiert. Es war der erste Anschlag in Damaskus seit mehr als einem Jahr.

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