Technologie

Digitale Vernetzung als Wirtschaftsmotor – darum hinkt Deutschland hinterher

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@ geralt (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

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Die umfassende Digitalisierung der industriellen Produktion ist das erklärte Ziel der sogenannten Industrie 4.0. Mithilfe von intelligenten Maschinen, die miteinander kommunizieren und auch ihre erhobenen Daten weitergeben können, sollen Produktionsprozesse auf ein neues Niveau gehoben werden. Doch die technische Grundlage für digital vernetzte Systeme zu schaffen, bereitet besonders einem Land mit einem stark ausgeprägten Mittelstand Probleme. Denn: Digitalisierung ist enorm kostenintensiv.

Eine übergreifende Digitalisierung ist nur dann umsetzbar, wenn sich auch die kleinen und mittleren Unternehmen daran beteiligen. Dennoch ist es ihnen trotz guten Willens in vielen Fällen nicht möglich. Dabei ist die „Smart Factory“, die intelligente Fabrik, ein wichtiger Strang der Hightech-Strategie der deutschen Bundesregierung, wenn es um die Realisierung der Zukunftsvision Industrie 4.0 geht.

Smart Factory einer Firma aus Süddeutschland ist Wegbereiter

Die Trumpf GmbH hat als Standort für ihre Smart Factory Chicago ausgewählt. Einer der weltweit größten Anbieter von Werkzeugmaschinen macht mit der Eröffnung in einem strukturschwachen Gebiet Amerikas das, was Trump bisher nur versprochen hat: eine Perspektive schaffen.

Und diese ist besonders zukunftsträchtig: Der komplette Produktionsprozess läuft digital. Das bedeutet, dass Maschinen nahezu allein für die Durchführung aller Aufgaben verantwortlich sind. Die intelligenten Roboter sind mit smarten Sensoren ausgestattet, die sogar eigenständig nach Fehlern suchen. Für menschliche Angestellte bedeutet das nicht minder verantwortungsvolle Aufgaben: Sie kontrollieren, überwachen und greifen notfalls auch in den Produktionsprozess ein. Am Fließband selbst befinden sich spezialisierte Servicekräfte und Logistiker, im Control Room beobachten außerdem Führungskräfte, ob alles stimmt.

Projekte in Deutschland längst überfällig

Modellprojekte dieser Art werden auch in Europa erwartet. Doch bis so etwas in Deutschland möglich ist, muss die Infrastruktur enorm verbessert werden. Um eine solide Grundlage zu schaffen, ist es zunächst einmal essentiell, die Internetverbindung flächenübergreifend auszubauen. Nur so ist die für die Industrie 4.0 nötige Zusammenarbeit zwischen Industrieproduktion und Kommunikationstechnologie in den nächsten Jahren zu gewährleisten.

Da der Breitbandausbau nur schleppend vorangeht, sind die Erfolge der von der Bundesregierung angestrebten Revolution bisher überschaubar. Ein weiterer triftiger Grund ist ein fehlendes Finanzierungskonzept: Obwohl mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen laut einer aktuellen Befragung durch die KfW-Bank „konkrete Digitalisierungsvorhaben“ planen, scheitert dies besonders für kleinere Unternehmen, deren Jahresumsatz weniger als zehn Millionen Euro beträgt, an finanzieller Unterstützung.

Innovationstreiber Mittelstand darf nicht abgehängt werden

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt die Unternehmen, die besonders durch ihre Pionierarbeit unverzichtbar für die deutsche und auch internationale Wirtschaft und Entwicklung sind. In Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten wird das Innovationspotenzial kleiner und mittlerer Unternehmen gezielt gefördert – mit den sogenannten Industrie-4.0-Testumebungen. In den Laboren der wissenschaftlichen Institute bekommen Firmen die Möglichkeit, digitales Neuland zu betreten.

Die Verbindung zwischen digitaler und physischer Welt: Sensoren

Damit Maschinen die komplexen Aufgaben bewältigen können, die ihnen die Industrie 4.0 stellt, ist die Verwendung und permanente Weiterentwicklung von Sensortechnik maßgeblich. Hochsensible Sensoren fungieren gewissermaßen als Augen, Ohren und Hände der Roboter – erst durch sie ist präzises Arbeiten möglich. Besonders optische Sensoren kommen vielfach zum Einsatz.
Als Vermittler zwischen zwei Welten sind Sensoren die Voraussetzung für den Erfolg der rein digitalen Produktion. In Zukunft wird sich die Entwicklung außerdem darauf konzentrieren, Sensoren zu konzipieren, die nicht nur für die Kommunikation zwischen Maschinen sorgen, sondern auch mit der Unternehmens-IT in Verbindung stehen. Als eine der Entwicklungen, die die folgenden Jahre beherrschen wird, werden Sensoren einen entscheidenden Anteil dazu beitragen, Maschinen immer selbstständiger, akkurater und korrekter arbeiten zu lassen.

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