Fahrbericht

Der wird Millionär

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mid Palma de Mallorca - Die Schrägheck-Version des Corolla dürfte in Deutschland die beliebteste werden. Toyota

Der Toyota Corolla ist das meistverkaufte Auto der Welt. Die neue Generation soll auch in Deutschland durchstarten. Der Auris ist damit Geschichte.


Er gehört zu den wenigen unsterblichen Klassikern der Automobil-Historie. Wie der Porsche 911 oder der Mercedes SL, und er ist doch eine ganz andere Art von Auto: der Toyota Corolla. Seit 1966 wird das brave Alltagsmobil gebaut, fand in der Zeit bislang etwa 46 Millionen Käufer. Seine globale Beliebtheit von Moskauer Familien über japanische Singles bis hin zu New Yorker Hipstern macht ihn zum weltweit meistverkauften Auto, das in mehreren Werken insgesamt jährlich mehr als eine Million mal produziert wird.

Hierzulande allerdings rangierte der Bestseller schon immer unter ferner liefen. Deutschland ist eben Golf-Country; gerade in der Kompaktklasse tun sich ausländische Hersteller schwer. In den vergangenen Jahren scheute Toyota sogar das direkte Duell und verkaufte sein Millionen-Mobil unter dem Tarnnamen Auris.

Die neue, zwölfte Generation tritt nun tatsächlich wieder als Corolla an. "Der bekannte Name wird uns beim Verkauf sicher helfen", hofft Toyota-Manager Jens Brecht. Auch das Design des neuen Corolla ist gefällig und zeitgemäß; die fünftürige Fließheck-Variante wirkt sportlicher und origineller als der VW Golf. Dazu gibt es einen Kombi mit längerem Radstand und üppigem Laderaum, der in der Dependance Brüssel speziell für den europäischen Geschmack gestaltet wurde. Die dritte lieferbare Karosserie-Version mit Stufenheck dürfte in Deutschland dagegen bedeutungslos bleiben.

Details wie ein Wende-Boden im Kofferraum mit einer schicken und einer robusten Seite zeigen, dass sich die Entwickler Gedanken darüber gemacht haben, wie sie die Alltagstauglichkeit weiter erhöhen können. Überhaupt wirkt das Interieur hochwertig und bietet ordentlich Platz für vier, zur Not auch mal fünf Insassen. Das Cockpit mit seinem blau strahlenden Digital-Display ist dagegen Geschmacks-Sache, das Navi daneben in der Mittelkonsole gehört in Sachen Darstellung und Schnelligkeit nicht gerade zu den übersichtlichsten seiner Art. Etwas merkwürdig für ein neues Auto auch das Defizit beim Thema Konnektivität: Apple Car Play ist erst später für alle Modellvarianten lieferbar, eine eigentlich selbstverständliche Ladeschale für Smartphones kostet Aufpreis.

Dafür lässt sich der Corolla mit leichter, aber nicht schwammiger Lenkung mühelos über Land und durch die Stadt bewegen; das Fahrwerk mit ausreichend komfortabler Abstimmung vermittelt den von europäischen Kunden gewünschten Kontakt zur Fahrbahn. Dazu bringt der Corolla zeitgemäße Assistenz-und Sicherheits-Systeme wie eine Radfahrer-Erkennung mit, hält sich mit übertriebenen Autonom-Funktionen indes zurück.

Bei den Motoren setzen die Strategen in Toyota City hauptsächlich auf moderne Hybrid-Technologie. Allerdings wirkt der Wagen mit dem schwächeren der beiden Aggregate mit 122 PS etwas untermotorisiert, wer zügig vorankommen und auch mal bergauf überholen will, sollte zum größeren mit 180 PS Systemleistung greifen. Beide sind tatsächlich recht sparsam unterwegs; den offiziellen Verbrauch von unter vier Litern erhöht der Alltag allerdings auf knapp sechs.

Beide Vierzylinder sind akustisch jederzeit gut vernehmbar, was auch an der serienmäßigen stufenlosen Automatik und ihrer hierzulande eher ungewohnten Geräusch-Charakteristik liegt. Zum emissionsfreien Leisetreter werden die Hybride erst im "EV"-Modus und bei niedrigem Tempo durch die City. Gut anderthalb rein elektrische Kilometer sind drin, dann muss überschüssige Energie aus dem Benzin-Betrieb die Akkus nachladen. Das Rekuperieren beim Bremsen und Rollen ist die einzige Art, die Akkus zu laden, direkt an die Steckdose hängen wie das Plug-in-Modell Prius kann man den Corolla nicht.

In Deutschland sollen die Hybride 84 Prozent der Verkäufe stellen; der Rest entfällt auf einen kleinen Benziner mit 114 PS. Diesel hat Toyota beim Corolla komplett und auf allen Märkten aussortiert. Das ist angesichts der Debatte um den Selbstzünder konsequent. Und mittlerweile ist das sogar im bisherigen Diesel-Wunderland Deutschland kein Verkaufs-Hemmnis mehr.

Marcus Efler / mid

Technische Daten Toyota Corolla 1.8L Hybrid Schrägheck

Fünftürige, fünfsitzige Limousine, Länge/Breite ohne Außenspiegel/Höhe/Radstand: 4.370/1.790/1.435/2.640 mm Leergewicht: 1.285 kg, Zuladung: 610 kg, Anhängelast gebremst/ungebremst: 750/450 kg, Kofferraumvolumen: 361 - 1.024l, Tankinhalt: 43 l, Preis: ab 27.290 Euro (Basispreis Corolla 1.2T: 20.990 Euro).

Antrieb: Vierzylinder-Benziner, Hubraum: 1.789 ccm, permanent erregter Synchron-Elektromotor; Systemleistung: 90 kW/122 PS bei 5.200 U/min, max. Drehmoment: 142 Nm bei 3.600 U/min; stufenloses Automatik-Getriebe; 0-100 km/h: 10,9 s, Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h, Frontantrieb, Normverbrauch: 3,3 l Super/100km, CO2-Emission: 101 g/km, Schadstoffklasse: Euro 6d-Temp.

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