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Nach Blockade von Hilfs-Lkw setzt Venezuelas Opposition auf internationalen Druck

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Oppositionsführer Guaidó an der Grenzbrücke Tienditas Bild: AFP

Nach der gewaltsamen Blockade der Hilfslieferungen für Venezuela setzt die Opposition des Landes nun auf internationalen Druck. US-Außenminister Mike Pompeo sagte, die Tage des linksnationalistischen Staatschefs Maduro seien 'gezählt'.

Nach der gewaltsamen Blockade der Hilfslieferungen für Venezuela setzt die Opposition des Landes nun auf internationalen Druck. Der selbsternannte Übergangspräsident Juan Guaidó rief die internationale Gemeinschaft auf, "alle Möglichkeiten" gegen den linksnationalistischen Staatschef Nicolás Maduro in Betracht zu ziehen. Auch eine Militärintervention schloss er nicht aus. Die USA, die EU und Nachbarländer Venezuelas verurteilten die Gewalt venezolanischer Sicherheitskräfte, durch die am Wochenende zwei Menschen getötet und hunderte verletzt worden waren.

Der Plan der Opposition, gegen den Willen der Regierung in Caracas Hilfsgüter über die Grenzen zu bringen, war am Samstag am Widerstand regierungstreuer Sicherheitskräfte gescheitert. Der von rund 50 Staaten anerkannte Guaidó hatte gehofft, dass Soldaten bei den Hilfstransporten zur Opposition überlaufen würden. Doch das Militär blieb Maduro treu, der die Hilfslieferungen als Versuch gegeißelt hatte, eine US-Militärintervention in Venezuela vorzubereiten.

Soldaten versperrten an den Grenzen zu Kolumbien und Brasilien den Lkw-Konvois, die mit tonnenweise Lebensmitteln und Medikamenten aufgebrochen waren, den Weg. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit Venezolanern, die die Hilfslieferungen ins Land lassen wollten. Die vor allem aus den USA geschickten Lieferungen kamen nicht durch.

Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Foro Penal eröffneten Soldaten an der Grenze zu Brasilien das Feuer und töteten zwei Menschen, unter ihnen ein 14-jähriger Junge. 31 weitere Menschen seien verletzt worden.

Bei Zusammenstößen an der Grenze zu Kolumbien wurden nach Angaben der dortigen Behörden mindestens 285 Menschen verletzt. Die Auseinandersetzungen konzentrierten sich an der Brücke im kolumbianischen Grenzort Cúcuta. Dort hatten sich hunderte Venezolaner eingefunden, um die Hilfslieferungen in Empfang zu nehmen.

Guaidó hatte seine Anhänger aufgerufen, den Einlass der Lieferungen über die Grenze zu erzwingen. Nach dem Scheitern des Plans kündigte er an, ein für Montag anberaumtes Treffen der Lima-Gruppe in Bogotá zu besuchen, an dem auch US-Vizepräsident Mike Pence teilnehmen soll. 

US-Außenminister Mike Pompeo sagte am Sonntag im Sender CNN, er sei sich sicher, "dass die venezolanischen Bürger dafür sorgen werden, dass die Tage Maduros gezählt sind". Er machte vor allem Maduro-treue Milizen für die Gewalt verantwortlich und rief das Militär auf, die Bürger Venezuelas zu schützen. Zuvor hatte er "Maßnahmen" der USA zur Unterstützung der Demokratie in Venezuela angekündigt.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini warnte vor einer "Eskalation der Spannungen" und mahnte eine politische Lösung an. Auch sie kritisierte am Sonntag den Einsatz "irregulärer bewaffneter Gruppen" in Venezuela. Das Militär rief sie zur Zurückhaltung auf. Wie Mogherini hob Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hervor: "Die EU steht bereit zu helfen."

In den venezolanischen Grenzstädten San Antonio del Táchira und Ureña waren Sicherheitskräfte mit Tränengas und Gummigeschossen gegen Maduro-Gegner vorgegangen.

Auf der Santander-Brücke in Ureña wurden zwei Lastwagen von Maduros Truppen angezündet. In Videos in Online-Netzwerken war zu sehen, wie dutzende Menschen inmitten einer großen Rauchwolke aus den Lastwagen Säcke und Kartons mit Medikamenten und Lebensmitteln herausholten. Die kolumbianische Regierung ordnete angesichts der Gewalt die Rückkehr der Lastwagen an und schloss die Grenzübergänge bis Montag. Auch an der Grenze zu Brasilien machten Hilfs-Lkws kehrt. In Venezuela herrscht trotz seines Ölreichtums eine Wirtschaftskrise mit akuten Versorgungsengpässen. 

Maduro attackierte bei einer Großkundgebung in Caracas die "faschistische Regierung von Kolumbien" und brach die diplomatischen Beziehungen zum Nachbarstaat ab. "Wir werden uns niemals beugen, ich werde niemals nachgeben", sagte er.

Rund 60 venezolanische Sicherheitskräfte setzten sich am Samstag nach Kolumbien ab. Nach Brasilien flüchteten zwei venezolanische Soldaten und baten dort um Asyl, wie die dortigen Einwanderungsbehörden am Sonntag bekannt gaben. Die von der Opposition erhoffte große Abkehr des Militärs von Maduro blieb vorerst aber aus.

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