Großbritannien

Britischer Ex-Soldat wegen tödlicher Schüsse am "Bloody Sunday" 1972 angeklagt

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Angehörige fordern Gerechtigkeit für die Opfer Bild: AFP

Fast ein halbes Jahrhundert nach dem 'Bloody Sunday' in Nordirland ist ein britischer Ex-Soldat wegen Mordes in zwei Fällen und versuchten Mordes in vier Fällen angeklagt worden. 1972 hatten Soldaten auf Teilnehmer eines Bürgerrechtsmarschs geschossen.

Fast ein halbes Jahrhundert nach dem "Bloody Sunday" in Nordirland hat die britische Justiz Anklagen gegen einen ehemaligen Soldaten wegen Mordes erhoben. Wie der Staatsanwalt Stephen Herron am Donnerstag mitteilte, war jahrelang gegen insgesamt 17 britische Veteranen und zwei mutmaßliche Mitglieder der katholischen Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA) ermittelt worden. Am Ende wurde jedoch allein Anklage gegen den Soldaten F, wie er in dem Verfahren genannt wird, wegen zweifachen Mordes und vierfachen Mordversuchs erhoben.   

Am 30. Januar 1972  hatten Soldaten eines britischen Fallschirmjägerbataillons auf Teilnehmer eines katholischen Bürgerrechtsmarschs in Derry, Nordirlands zweitgrößter Stadt, geschossen. 13 Menschen starben an jenem "Blutsonntag", ein weiteres Opfer erlag Monate später seinen Verletzungen.

Der Vorfall war Auftakt des Bürgerkriegs zwischen Katholiken und Protestanten in der britischen Provinz Nordirland, in dessen Verlauf bis zum Karfreitagsabkommen von 1998 mehr als 3500 Menschen getötet wurden.

Der britische Verteidigungsminister Gavin Willamson erklärte, sein Ministerium werde dem Soldaten F vollständige Rechts- und Sozialhilfe gewähren. "Wir sind es diesen Soldaten schuldig, die mit Mut und Auszeichnung gedient haben, um Nordirland Frieden zu bringen."

Ein 2010 veröffentlichter Untersuchungsbericht war nach zwölf Jahren Ermittlungen, die längste Untersuchung in der britischen Justizgeschichte, zu dem Ergebnis gekommen, dass die Soldaten das Feuer auf die Menge eröffnet hatten - und nicht umgekehrt, wie ursprünglich behauptet worden war. 

Demnach waren die getöteten und verletzten Demonstranten nicht bewaffnet gewesen. Der damalige konservative Premierminister David Cameron hatte sich bei der Vorstellung des Berichts für den Vorfall entschuldigt.

Angehörige der Opfer des "Bloody Sunday" waren am Donnerstag sichtlich darüber aufgebracht, dass es nur in zwei Todesfällen zum Prozess kommt. Mickey McKinney, dessen damals 27-jähriger Bruder William in den Rücken geschossen wurde, sagte allerdings: "Gerechtigkeit für eine Familie bedeutet Gerechtigkeit für uns alle." 

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