Fahrbericht

Bavarian Way of Drive

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mid San Antonio - Stattliche Niere, schlanke LED- oder Laser-Scheinwerfer: der neue BMW X7 zeigt Präsenz. BMW

Wenn ein Autokonzern heutzutage ein sehr großes Modell neu auf den Markt bringt, das ausschließlich Verbrennungsmotoren antreiben, dann muss er mit Kritik rechnen. So dürfte BMW von der hiesigen Meckerei über seinen wuchtigen X7 kaum überrascht gewesen sein. Aber da müssen die Bayern durch, und überhaupt: Was ist schon Deutschland?


Wenn ein Autokonzern heutzutage ein sehr großes Modell neu auf den Markt bringt, das ausschließlich Verbrennungsmotoren antreiben, dann muss er mit Kritik rechnen. So dürfte BMW von der hiesigen Meckerei über seinen wuchtigen X7 kaum überrascht gewesen sein. Aber da müssen die Bayern durch, und überhaupt: Was ist schon Deutschland? Das neue Super-SUV soll seine Kunden vorrangig dort finden, wo Größe noch etwas gilt: in China, Russland und dem Nahen Osten. Vorrangig aber dort, wo er - im Werk Spartanburg - gebaut wird, und wohin die Münchner zu ersten Testfahrt geladen hatten: in den USA.

Dort fällt so ein X7 nicht im Geringsten auf; und dort gibt es ja durchaus noch größere dieser sogenannte Full Size SUV als den 5,15 Meter messenden X7. Dazu betonen BMW-Leute gerne, dass eine 7er Limousine mit großem Radstand ja noch länger sei. Aber Bescheidenheit ist nun mal nicht die vorherrschende Eigenschaft dieses Fahrzeugs; am Besten nähert man sich dieser Wucht von Automobil, wenn man gerade seine Präsenz auf sich wirken lässt.

27 Zentimeter länger als ein X5 ist er, und zwei länger als der bisherige SUV-König von Deutschland, der Mercedes GLS. Das nun mächtigste und schwerste Serienmodell von BMW macht mit seiner breiten Frontniere ordentlich was her, und wer über die breiten Trittbretter hinauf- und hineinsteigt, der fühlt sich wie im Wohnzimmer. In der Breite gewinnt der Neue gegenüber dem X5 innen zwar nicht dazu, üppige Ellbogenfreiheit bietet ja auch der schon.

Der Gewinn an Größe spielt sich der Länge ab: Üppige 13 Zentimeter mehr Radstand als beim X5 bescheren den Passagieren im Fond komfortablen Knieraum. In der sechssitzigen Version sitzen sie in luxuriösen Lounge-Sesseln mit verstellbarer Rückenlehne; der Siebensitzer bietet hier eine familiengerechte Dreierbank.
Die beiden elektrisch ausklappbaren Plätze der dritten Reihe sind da natürlich etwas knapper bemessen, laut BMW gibt's aber immerhin soviel Fußraum wie hinten in der 3er-Reihe. Das könnte gerade so hinkommen, längere Strecken möchte man Erwachsenen dort aber eher nicht zumuten. Für Kids oder auch größere Passagiere auf kurzen Strecken ist das aber völlig ok.

Hinter der (serienmäßigen) dritten Reihe verfügt der X7 noch über ein bisschen Kofferraum. Im Vergleich dazu bieten echte amerikanische Full-Size-SUVs wie etwa der beliebten, nun wirklich riesige GMC Yukon XL dann doch noch mal deutlich mehr Passagier- und Stauraum - aber hier muss man wohl auf einen X9 warten.

Als Raumwunder ist der X7 eben nicht gedacht; wer so etwas sucht, ist mit einem VW T6 wesentlich besser bedient. Der große Wagen von BMW ist als verschwenderisches Luxusmobil konzipiert, und das zeigt sich spätestens beim Fahren. Für die erste Test-Tour durch Texas stand der 340 PS leistende Benzinmotor mit sechs Zylindern in Reihe zur Verfügung (alternativ gibt es zum Verkaufsstart in Europa noch Diesel mit 265 und 400 PS). Der Sechszylinder ist eine wirklich schöne Wärmekraftmaschine, die den immerhin über 2,3 Tonnen schweren Wagen souverän bewegt. Leise und smooth macht sie das, kongenial unterstützt von der Achtgang-Automatik. Wenn es zur Sache geht, vielleicht für einen Überholvorgang, lässt sich das Triebwerk aber auch mal deutlich hören; keine Schande für einen BMW.

Das luftgefederte Fahrwerk bietet den dazu passenden Komfort. Natürlich kann man den Modus auf "Sport" klicken und beherzt durch Kurven preschen, aber das hohe Gewicht des X7 fordert hier seinen Tribut. Wer so unterwegs sein möchte, greife besser zu einem X6.

Die Stärke des X7 ist der amerikanische Way of Drive, made in Bavaria - wo auch immer in der Welt er unterwegs ist. Gechillt hinter dem Lenkrad sitzen oder sich chauffieren lassen, das sind angemessene Arten, in diesem großen Wagen unterwegs zu sein. Bonus-Punkt in den USA ist der Staupilot, der den X7 bis Tempo 60 im stockenden Verkehr mitschwimmen lässt, während der Fahrer zum Passagier vorn links wird. Zumindest in der Theorie. In der Praxis, im Verkehrsgewühl von Houston, funktionierte das noch nicht immer zuverlässig - aber bis dieses Feature auch in Europa zulässig ist und freigeschaltet wird, dürfte es ausgereift sein. In Amerika, dem Land der unendlichen Straßen und geräumigen Parkhäuser, bringt er auch so viel Fahrvergnügen. Im engen Europa nicht unbedingt.

Marcus Efler / mid

Technische Daten BMW X7 xDrive40i:

Fünftüriges, sechs- oder siebensitziges SUV; Länge/Breite (ohne Außenspiegel)/Höhe/Radstand: 5.151/2.000/1.805/3.105 mm, Leergewicht: 2.320 kg, Zuladung: 835 kg, Anhängelast gebremst/ungebremst: 2.200/750 kg, Kofferraumvolumen: 362 - 2.120 l, Tankinhalt: 83 l, Preis: ab 86.300 Euro (xDrive30d 84.300 Euro).

Antrieb: 6-Zylinder in Reihe, Turbo-Benziner, Hubraum: 2.998 ccm, Leistung: 250 kW/340 PS bei 5.500 - 6.500 U/min, max. Drehmoment: 450 Nm bei 1.500 bis 5.200 U/min, 8-Gang-Automatik, 0 - 100 km/h: 6,1 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 245 km/h, Allradantrieb, Normverbrauch: 9,0 - 8,7 l/100 km, CO2-Emission: 205 - 198 g/km, Schadstoffklasse: Euro 6d-Temp.

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