Pflege

"Pflege-TÜV" soll im Herbst starten

  • AFP
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  • 20. März 2019, 17:27 Uhr
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Pflegefachkraft verbindet älterem Mann die Füße Bild: AFP

Nach langwierigen Verhandlungen kann der 'Pflege-TÜV' im Herbst starten. Das neue Transparenzsystem ist beschlossen worden und am 1. November beginnen die neuen Prüfungen in den Pflegeheimen. Bis Ende 2020 soll jedes Heim geprüft sein.

Nach langwierigen Verhandlungen kann der "Pflege-TÜV" im Herbst starten. Das neue Transparenzsystem wurde beschlossen, am 1. November beginnen die neuen Prüfungen in den Pflegeheimen, wie GKV-Vorstand Gernot Kiefer am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP sagte. Bereits im Frühjahr kommenden Jahres sollen erste Ergebnisse veröffentlicht werden. Ende 2020 soll jedes Heim nach den neuen Regeln geprüft sein. 

Der erweiterte Qualitätsausschuss, in dem Vertreter von Krankenkassen und Pflegeanbietern sitzen, hatte sich am Dienstagabend auf eine Reform des "Pflege-TÜV" verständigt. Das bisherige Benotungssystem für die Pflegeeinrichtung gilt as intransparent und wenig aussagekräftig. Es soll nun durch eine differenzierte Qualitätsdarstellung ersetzt werden. Das neue Transparenzsystem über die Pflegequalität sei "längst überfällig" gewesen, sagte Kiefer. 

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) forderte eine schnelle Anwendung des neuen Systems in der Praxis. "Denn Pflegebedürftige und Angehörige sollen realistisch beurteilen können, welches Heim am besten für sie ist", erklärte er.

Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, zeigte sich in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" überzeugt, dass ab Frühjahr 2020 "ein wirklich aussagekräftiges Bewertungssystem" zur Verfügung stehen werde. Es werde dann möglich sein, "sich gut informiert für oder auch gegen eine Pflegeeinrichtung zu entscheiden".

Die deutsche Stiftung Patientenschutz äußerte sich skeptisch zu der Einigung auf den neuen "Pflege-TÜV". Es sei fraglich, ob das jetzt verabschiedete Modell wirklich rasche Bewertung ermögliche, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch zu AFP. "Denn es wird weder eine aussagefähige Gesamtnote noch K.O.-Kriterien geben". 

Wer aber bei der Schmerztherapie, der Wundversorgung, dem Umgang mit Fixierung oder der Medikamentengabe durchfalle, "darf nur die Note 6 bekommen", sagte Brysch. 

Ebenso wie Brysch forderte auch der Sozialverband VdK Nachbesserungen am jetzt ausgehandelten Modell. Dies sei zwar "eine deutliche Weiterentwicklung des alten Pflege-TÜVs", erklärte VdK-Präsidentin Verena Bentele. In einem nächsten Weiterentwicklungsschritt des Begutachtungssystems müsse aber auch der Blick auf systematische Fehler in Pflegeeinrichtungen gelegt werden. "Zu sehr konzentriert sich das neue Qualitätsprüfungssystem auf zufällige oder individuelle Fehler der Pflegekräfte." 

Auch die Linke äußerte sich skeptisch: "Pflegebedürftige und ihre Angehörigen werden mit dem bisherigen Pflege-TÜV für dumm verkauft", erklärte Parteichef Bernd Riexinger. "Insofern stellt fast jede Änderung an dem bestehenden Bestnoten-System eine Verbesserung dar." Ob Heimbewohnern künftig wirklich hochwertige Pflege bekämen, hänge vor allem davon ab, "ob Pflegeheime ihre Personalschlüssel verpflichtend öffentlich machen müssen".

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