Historie

mid-Spezial: 120 Jahre Motorrad-Produktion in den USA - Teil 1

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mid Groß-Gerau - Orient Einzylinder von 1901 mit 500 cm3 Hubraum. Karl Seiler / mid

Die Motorrad-Produktion in den USA begann 1899 mit der Orient Aster und im 20. Jahrhundert prägte dann die amerikanische Motorrad-Industrie eine beachtliche Vielfalt. Und das zeigte jetzt auf der Bremen Classic Motorshow die Sonderschau 'Das Jahrhundert der Coolness - US-Bikes aus mehr als 100 Jahren'. Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat sich umgesehen und die Biker-Zeitreise in zwei Teilen festgehalten.


Die Motorrad-Produktion in den USA begann 1899 mit der Orient Aster und im 20. Jahrhundert prägte dann die amerikanische Motorrad-Industrie eine beachtliche Vielfalt. Und das zeigte jetzt auf der Bremen Classic Motorshow die Sonderschau "Das Jahrhundert der Coolness - US-Bikes aus mehr als 100 Jahren". Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat sich umgesehen und die Biker-Zeitreise in zwei Teilen festgehalten.

Neben Exponaten der heutigen Kult-Marke Harley-Davidson glänzen auch beeindruckende Indian-Modelle und faszinierende Maschinen anderer Hersteller wie Pope, Pierce oder Excelsior, die hierzulande kaum bekannt sind.

Charles Hermann Metz war ab 1893 Fahrradfabrikant in Massachusetts und der erste Motorradproduzent in Amerika. Er nutzte den leichten Aster-Motor aus Frankreich als Vorbild für seinen Orient-Motor und schuf damit in einem sehr stabilen Rahmen das erste brauchbare US-Bike: Bereits 1899 warb er für sein Orient-Aster-Motorrad in einer Anzeige und verwendete erstmals den Begriff "motor cycle" - englisch für Motorrad.

Präsentiert wurde das Bike dann am 31. Juli 1900 im Charles River Race Park in Boston und Albert Champion (der später eine verbesserte Zündkerze entwickelte und 1905 die Champion Ignition Company gründete) legte als Werksfahrer beim ersten Motorrad Sportanlass in den USA fünf Meilen (acht Kilometer) mit der Orient-Aster in etwas über sieben Minuten zurück. Zeittypisch wurde das Einlassventil vom Unterdruck in den Brennraum bewegt und der Zündstrom von einem Akku beigesteuert. Zusätzlich bewies ein Zerstäubervergaser seine Überlegenheit gegenüber den sonst noch üblichen Oberflächen- Vergasern.

Bürgerkriegsoberst Allan A. Pope gehörte ab 1878 zu den ideenreichen Pionieren der US-Zweiradszene und 1895 stammte die Mehrzahl der in den USA verkauften 1,2 Millionen Fahrräder aus seinen Werken. Die vom späteren Pope Automobil Trust ab 1902 gebauten Motorräder - erst Ein- und dann Zweizylinder - waren üppig ausgestattet, allradgefedert und gut verarbeitet, aber letztendlich kein Geschäft. Das Dreigang-Modell Pope T war eine der letzten Maschinen, bevor Popes Sohn Albert 1918 die Motorradfertigung beendete.

George N. Pierce gründete 1892 seine Cycle Company und kam über eine De Dion-Bouton- Lizenzproduktion zu eigenen Autos und Motorrädern. Hochwertiges Material und pingelige Endkontrollen machten die Produkte so teuer wie zuverlässig. Im markanten Zentralrohr-Rahmen der 100 Kilogramm schweren Pierce 12 C mit 4,5 PS starkem Einzylinder konnten Benzin und Öl schwappen, denn die Verbindungen waren genietet und hartgelötet. Doch schon 1913 musste Pierce die zu aufwändige Produktion einstellen.

In den USA, dem Land der großen Entfernungen, mussten Motorräder von Anfang an lange Strecken problemlos zurücklegen können. So wurden die Einzylinder der Urzeit zu Zweizylindern: Durch die Form der Rahmen und dem Wunsch nach einem kompakten Kurbelhaus entstanden die klassischen V2 als naheliegende Bauart. Da Benzin immer billig war und fiskalische Hemmnisse wie die Hubraumsteuer nicht existierten, stand richtig großen Maschinen nichts im Wege.

Die 1903 von "Bill" Harley in Milwaukee gegründete Harley-Davidson Inc. gehört zu den ältesten Motorradherstellern der Welt, die heute noch produzieren. Ab 1909 wurden die Halbliter-Singles durch 800er V2 abgelöst und ab 1912 durch 1000er V-Twins ergänzt. Diese kompakten Kraftpakete mit 45 Grad Zylinderwinkel waren bald typisch für US-Bikes und später das zweite Harley Markenzeichen. Mit den "E"-Modellen kam Harley-Davidson bald nach dem ersten Cannonball-Rennen mächtig in Fahrt. Mit einem noch zugelassenen Original absolvierte Thomas Trapp von der Harley-Garage Frankfurt im Jahr 2016 die legendären 5.320 Kilometer von der Ost- zur Westküste in nur 15 Tagen!

Der 40 PS starke Eight-Valve Boardtracker von Harley-Davidson schaffte es 1916 -
kopfgesteuert und mit Vier-Ventil-Technik - auf den aus Holz gebauten Rennovalen im 100-Meilen-Tempo die bis dahin dominierenden Excelsior und Indian abzuhängen. Excelsior war nach dem 1876 erfolgten Start als Fahrradzulieferer und der 1907 erfolgten Eingliederung in den Schwinn-Konzern ab 1911 mit seinem Einstiegsmodell Single ein echter Konkurrent auf dem US-Markt. Mit V2-Motor folgte 1919 das Model 19 als erstes US-Motorrad mit "Tränentropfen"-Tank. Zehn Jahre später machte eine X mit kompletter Ausstattung inklusive elektrischem Licht, Corbin-Tachometer und modischen Schutzblechen die Excelsior Super zu einer Konkurrenz für Harleys alte F-Modelle.

Karl Seiler / mid

Hinweis für die Redaktionen:
Den zweiten Teil der amerikanischen Biker-Zeitreise sendet der mid am morgigen Freitag (22. März 2019).

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