Historie

mid-Spezial: 120 Jahre Motorrad-Produktion in den USA - Teil 2 und Schluss

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mid Groß-Gerau - Methanol-Racer Harley-Davidson "Peashooter". Karl Seiler / mid

Die Motorrad-Produktion in den USA begann 1899 mit der Orient Aster und im 20. Jahrhundert prägte dann die amerikanische Motorrad-Industrie eine beachtliche Vielfalt. Und das zeigte jetzt auf der Bremen Classic Motorshow die Sonderschau 'Das Jahrhundert der Coolness - US-Bikes aus mehr als 100 Jahren'. Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat sich umgesehen und die Biker-Zeitreise festgehalten.


Die Motorrad-Produktion in den USA begann 1899 mit der Orient Aster und im 20. Jahrhundert prägte dann die amerikanische Motorrad-Industrie eine beachtliche Vielfalt. Und das zeigte jetzt auf der Bremen Classic Motorshow die Sonderschau "Das Jahrhundert der Coolness - US-Bikes aus mehr als 100 Jahren". Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat sich umgesehen und die Biker-Zeitreise in zwei Teilen festgehalten.

Nach dem Ersten Weltkrieg, als in den USA Automobile für viele Menschen erschwinglich wurden, setzten die Motorrad-Hersteller vor allem auf faszinierende Bikes für echte Fans und robuste Maschinen für Behörden. Sogar Reihenvierzylinder ergänzten das Angebot. Viele der Charakterbikes, die Projektleiter Frank Ruge für die Sonderschau nach Bremen geholt hatte, zeigen eindrucksvoll: US-Maschinen waren nicht alle schwer, lang, bullig und chromblitzend.

Bevor Harley mit wechselgesteuerten Motoren gegen Ende der 1920er Jahre auf die Looser-Spur zu rollen drohte, stellte man in Milwaukee ab 1926 auf sportlichere Triebwerke mit den Ventilen im Zylinderkopf um. Das brave SV-Einsteigermodell mit einem Drittel-Liter-Einzylinder und nur 8 PS riss zwar keine Bäume aus - die als Kleinstserie (15 Stück) für AMA-Races produzierte "Peashooter" brachte es aber mit Methanol statt Benzin auf 28 PS und 145 km/h! Da war die JDH "Two Cam" mit 1,2-Liter-V2 nur ein PS stärker, aber erstmals mit einer Vorderradbremse schon ein frühes Superbike.

Die Indian Motocycle Co. in Springfield war bis in die 1920er-Jahre das größte und innovativste Motorradwerk der Welt. Die Indian Single war 1913 mit nach hinten geneigtem Motor und Blattfederung beider Räder schon ultramodern. Zwei Gänge und Kupplung hatte ein Jahr später das Model F "Big Twin" und 1919 empfahl sich die Indian Powerplus mit 18 PS starkem Einliter-V2-Motor bereits für den Seitenwagenbetrieb. Der Racer Daytona Speedway Record erhielt 1927 seinen Namen, weil er am Daytona Beach mit 170 km/h einen Rekord fuhr.

Anfang der 20er Jahre kombinierte die 35 PS starke ACE Four mit Vierzylinder-Reihenmotor erstmals Laufkultur und Durchzug à la Pkw mit der üppigen Kraftentfaltung eines großen Motorrades. Zum gleichen Preis wie ein Ford T blieb sie jedoch ein glückloses Zuschussgeschäft. Die Indian ACE von 1928 war nach Konkurs und Übernahme mit schraubengefederter Gabel technisch und optisch immer noch eine ACE. Henderson hatte schon 1917 der Fahrradmogul Ignaz Schwinn übernommen und 1930 diente die KJ mit ihrem weich laufenden Vierzylinder oft als Seitenwagenmaschine oder Police-Bike.

Die Indian Four 437 "USD" (für Upside-down) stellte 1937 die tradierte Einlass-über-Auslass-Konfiguration auf den Kopf, um prinzipielle Kühlprobleme zu vermeiden - konnte aber treue Four-Kunden nicht mehr überzeugen. Das war ab 1930 der kompakten "Scout" gelungen, die mit 22 PS starkem Dreiviertelliter-V2 bei Langstreckenfahrten glänzte und sogar in Deutschland als "Mabeco" kopiert wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg hielt eigentlich nur noch die "Chief" mit seidenweich laufendem Zweizylinder und 40 PS vor allem bei Polizeibehörden letztmals die Indian-Fahne bis in die 50er Jahre hoch.

Schon in den späten 1920er Jahren jagten Cops auf US-Bikes Temposünder und jugendliche Sportler maßen sich an Berghängen oder auf Aschenbahnen, während Motorradclubs mit ihren US-Maschinen auf Tour gingen. In den 30er Jahren wurden die typischen V-Twins Standard und Harley-Davidson sprang mit der 1000er "Knucklehead" der E-Baureihe über den Schatten seiner inzwischen 33jährigen Tradition: 48 PS, kopfgesteuert, vier statt drei Gänge und 150 km/h Spitze fuhren nicht nur der Indian Big Chief, sondern auch der Konkurrenz weltweit davon. Damit war die konstruktive Linie vorgegeben, die die Marke bis heute prägt.

Nachdem in den 50er-Jahren die Briten und seit Mitte der 60er die japanischen Marken den US-Markt eroberten, blieb nur Harley-Davidson als US-Motorradmarke übrig. Mit neuen Baureihen sollten junge Kunden kommen und zum Trendsetter wurde H-D mit serienmäßigen Custom-Bikes wie an den Film "Easy Rider" angelehnten Choppern und Low Ridern. Vorbild für andere Hersteller wurden die flotte Sportster und die souveräne Electra-Glide. Gerne nachgeahmt wurde aber auch das erste Custom-Bike, die Super Glide. So kam die Company aus Wisconsin sicher ins dritte Jahrtausend und die Marke Harley-Davidson ist nun bald 116 Jahre am Markt.

Karl Seiler / mid

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