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Bruder von Toulouse-Attentäter in Frankreich zu 30 Jahren Haft verurteilt

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Gerichtszeichnung von Abdelkader Merah Bild: AFP

Der Bruder des Toulouse-Attentäters Mohamed Merah ist in Frankreich zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Ein Sondergericht in Paris sprach Abdelkader Merah der Komplizenschaft an den sieben von seinem Bruder begangenen Morden schuldig.

Der Bruder des Toulouse-Attentäters Mohamed Merah ist in Frankreich zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Ein Sondergericht in Paris sprach Abdelkader Merah am Donnerstag im Berufungsverfahren der Komplizenschaft an den sieben von seinem Bruder begangenen Morden schuldig. Sein Anwalt kündigte umgehend Revision an.

In erster Instanz war der heute 36-Jährige zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht hatte Merah damals der Mitgliedschaft in einer "terroristischen, kriminellen Vereinigung" für schuldig befunden, ihn aber vom Vorwurf der Komplizenschaft freigesprochen.

Das Sondergericht in Paris sah es aber als erwiesen an, dass Abdelkader Merah ein Komplize seines jüngeren Bruders war. Er habe einen Motorroller gestohlen, den Mohamed Merah bei den Anschlägen nutzte, erklärte das Gericht in seiner Urteilsbegründung. Er habe seinem Bruder, über dessen Pläne er informiert gewesen sei, damit bei der Vorbereitung der Attacken geholfen. Zudem habe er während der Ermittlungen "Stolz" über seinen Bruder bekundet und keinerlei Reue gezeigt.

Mohamed Merah hatte 2012 im Großraum Toulouse sieben Menschen getötet. Er erschoss zunächst drei Soldaten und dann drei Schüler und einen Lehrer einer jüdischen Schule. Die Taten sorgten in Frankreich für Entsetzen. Nach einer Großfahndung wurde der Islamist von Polizisten erschossen.

Der Anwalt von Abdelkader Merah, Eric Dupond-Moretti, nannte den Richterspruch "unverständlich". Eine Haftstrafe von 30 Jahren wegen Komplizenschaft sei völlig ungewöhnlich. "Alle Justizexperten sind überrascht von diesem Urteil", sagte er zur Begründung für die Revision. Der Fall geht nun vor den Kassationshof als oberste französische Instanz.

Die Strafe für einen zweiten Angeklagten, Fettah Malki, senkte das Gericht im Berufungsverfahren ab. Er muss nun für zehn Jahre ins Gefängnis, weil er Mohamed Merah eine Waffe und eine kugelsichere Weste geliefert hatte. In erster Instanz hatte er noch 14 Jahre Haft erhalten.

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