Politik

Türkei attackiert Paris wegen "Gedenktags für Völkermord an den Armeniern"

  • AFP
  • In POLITIK
  • 24. April 2019, 16:45 Uhr
img
Gedenkfeier in der armenischen Hauptstadt Eriwan Bild: AFP

Weltweit ist am Mittwoch der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich vor 104 Jahren gedacht worden. Während Frankreich erstmals einen 'Gedenktag für den Völkermord an den Armeniern' abhielt, griff die Türkei die Regierung in Paris scharf an.

Weltweit ist am Mittwoch der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich vor 104 Jahren gedacht worden. Während Frankreich in Erinnerung an den Beginn der Deportationen 1915 erstmals einen "Gedenktag für den Völkermord an den Armeniern" abhielt, warf die Türkei den Franzosen vor, selbst "eine blutige Vergangenheit zu haben". Eine Gedenkfeier in Istanbul wurde von den türkischen Behörden verboten.

Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte im Februar den 24. April zum Tag der Erinnerung an den "Völkermord" an den Armeniern gemacht. Damit löste er ein Wahlkampfversprechen gegenüber der großen armenischen Gemeinde in Frankreich ein. Frankreich hatte die Massaker schon 2001 als erstes großes europäisches Land offiziell als "Völkermord" eingestuft. Im Juni 2016 tat dies auch der Bundestag.

Der französische Regierungschef Edouard Philippe wollte am Abend in Paris am Denkmal für die Opfer der Massaker am rechten Seine-Ufer einen Kranz niederlegen. In der armenischen Hauptstadt Eriwan nahmen Präsident Armen Sarkissjan und hunderte Landsleute an einer Feier am Denkmal für den Genozid teil. Am Vorabend hatten sich zahlreiche Menschen an einem Fackelmarsch durch die Stadt beteiligt.

Wegen des neuen Gedenktags in Frankreich griff der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Paris scharf an. Jene, die "der Türkei Lehren zu den Menschenrechten und der Demokratie zu erteilen" suchten, hätten selbst "eine blutige Vergangenheit", sagte er bei einer Rede in Ankara. Es sei "ganz klar", dass die Franzosen für den Völkermord in Ruanda verantwortlich seien und auch in Algerien Massaker begangen hätten.

Eine Gedenkfeier für die Opfer der Deportationen in Istanbul wurde am Mittwoch von den Behörden verboten. Die Polizei löste am Morgen eine Kundgebung vor dem Museum für Islamische Kunst auf, in dem dutzende Mitglieder der armenischen Elite am 24. April 1915 inhaftiert worden waren. Der Aktivist Benjamin Abtan sagte, es sei das erste Mal seit neun Jahren, dass die Gedenkfeier an diesem Ort verboten worden sei.

Für die Armenier markieren die Deportationen am 24. April 1915 den Beginn der Massaker, denen ihren Angaben zufolge bis zu 1,5 Millionen Angehörige ihrer Volksgruppe zum Opfer fielen. Die Deportationen erfolgten, während die westlichen Alliierten mit ihrer Flotte vom Mittelmeer nach Istanbul vorzustoßen versuchten. An die Schlacht in Gallipoli, die mit einem Sieg der Türken endete, wird am Donnerstag erinnert.

Die türkische Regierung gesteht zwar ein, dass es während des Ersten Weltkriegs im Osmanischen Reich zu Deportationen und Massakern an den Armeniern gekommen ist, lehnt aber ihre Einstufung als "Völkermord" vehement ab. Nach ihrer Darstellung wurden im Chaos des Krieges auch auf türkischer Seite hunderttausende Zivilisten getötet. Um die Bewertung der Ereignisse gibt es seit Jahren Streit.

Erdogan schrieb in einem Brief an den amtierenden armenischen Patriarchen in der Türkei, Aram Atesyan, er gedenke "mit Respekt der osmanischen Armenier, die in den schrecklichen Bedingungen des Ersten Weltkriegs ihr Leben verloren haben". Wie beim Zerfall aller Reiche habe es in den letzten Jahren des Osmanischen Reichs eine "massive humanitäre Krise" und weitere Opfer durch "Epidemien und Migration" gegeben. 

STARTSEITE