Kinder

Studie: Anspruch der Grundschulkinderbetreuung würde Milliarden Euro kosten

  • AFP
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  • 15. Mai 2019, 15:45 Uhr
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Zwei Kinder spielen in einer Kindertagesstätte Bild: AFP

Die Umsetzung eines Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern könnte den deutschen Staat einer Studie zufolge bis zu 3,9 Milliarden Euro kosten. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Analyse des Deutschen Jugendinstituts.

Die Umsetzung eines Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern könnte den deutschen Staat einer neuen Studie zufolge bis zu 3,9 Milliarden Euro kosten. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Analyse des Deutschen Jugendinstituts (DJI) hervor. Je nach zugrunde gelegtem Elternnachfrage- und Ausbauszenario lägen die einmaligen Investitionskosten bis 2025 zwischen 1,9 und 3,6 Milliarden Euro.

Dazu kämen in der Folge dauerhaft jährliche Betriebskosten zwischen einer und 2,6 Milliarden Euro, wie das DJI in München erklärte. Die große Koalition aus Union und SPD hatte in ihrem Koalitionsvertrag einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder angekündigt. Bereits heute existiert ein solcher Rechtsanspruch bundesweit für Kinder im Alter zwischen einem Jahr und Einschulung. 

Den Berechnungen des Instituts zufolge müssten zwischen 322.000 und 665.000 neue Betreuungsplätze geschaffen werden, um den Bedarf zu decken. Dabei arbeiteten die Experten mit Annahmen, um Platzbedarf und Kosten zu schätzen. Sie legten zwei Szenarien zugrunde, bei denen sie aufbauend auf Erhebungen zum Betreuungsbedarf aus 2017 mit unterschiedlichen Betreuungswünschen der Eltern kalkulierten.

Bei der komplexen Thematik müssen nach Angaben des DJI auch große regionale Unterschiede bei der Organisation der Betreuung und der unterschiedliche Ist-Zustand beim bereits laufenden Ausbau der Ganztagesbetreuung berücksichtigt werden. Neben Grundschulen mit Betreuungsangeboten am Nachmittag erfolgt diese unter anderem auch in Horten oder über die außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit.

Mit dem Anspruch auf eine Ganztagsbetreuung von Grundschülern will die Regierung berufstätige Eltern entlasten und die Förderung der Kinder verbessern. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) erklärte in Berlin, die Studie bestätige die Annahmen der Regierung. "Deshalb wollen wir zügig handeln." Für den Ausbau der Ganztagsbetreuung gebe der Bund bis 2021 zwei Milliarden Euro.

Die Grünen im Bundestag forderten mehr Engagement vom Bund. "Es darf da keine halben Sachen geben. Wenn hunderttausende Plätze fehlen, dann heißt das: Die Bundesregierung muss endlich Geld in die Hand nehmen und Betreuungsplätze schaffen", erklärte Vizefraktionschefin Katja Dörner. Sie müsse sich auch darum kümmern, dass genügend qualifizierte Pädagogen ausgebildet würden.

Der Sozialverband AWO forderte, den geplanten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter unbedingt einzuführen. Dieser biete die "einmalige Chance", vielen Kinder in Deutschland "bessere Chancengerechtigkeit" zu ermöglichen, erklärte AWO-Chef Wolfgang Stadler. Es gehe "um viel mehr als um die Frage nach den Kosten."

DJI-Direktor Thomas Rauschenbach empfahl einen "schrittweisen, aber konsequenter Ausbau" der Betreuungsangebote. Die Studie zeige, dass es eine "Betreuungslücke" gebe, die abgemildert werden müsse. Im bundesweiten Schnitt hätten 71 Prozent der Eltern 2017 Bedarf an einer entsprechenden Betreuung angemeldet, jedoch nur 48 Prozent tatsächlich Zugang zu einem Angebot für ihr Grundschulkind gehabt.

Dabei waren die regionalen Unterschiede allerdings groß, wie der Wissenschaftler weiter betonte. "Nur einem Teil der Eltern gelingt es bislang, ihre Betreuungswünsche zufriedenstellend zu erfüllen."

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