Abfälle

Umweltbundesamt schlägt Strafsteuer und Pfandsystem auf Einwegbecher vor

  • AFP
  • In UMWELT
  • 21. Mai 2019, 14:03 Uhr
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Pfandbecher in einem Hamburger Café Bild: AFP

Jedes Jahr fallen in Deutschland einer Studie zufolge 28.000 Tonnen Abfall durch Einwegbecher an. Forscher des Umweltbundesamts schlagen nun Zwangsabgaben und Pfand auf die Becher vor, um die Müllmenge zu reduzieren.

Mit einer Strafabgabe und einem Pfand auf Einwegbecher könnte einer Studie zufolge das Müllproblem in den Innenstädten angegangen werden. Rund 28.000 Tonnen Abfall durch Einwegbecher für Heißgetränke wie Kaffee oder Kakao fallen jedes Jahr in Deutschland an, wie es in der Untersuchung des Umweltbundesamtes (UBA) heißt. Pfandsysteme könnten die Menge demnach binnen zwei bis drei Jahren um die Hälfte reduzieren.

"Einwegbecher sind vor allem in Städten ein wachsendes Umweltproblem", erklärte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) am Dienstag. Auch der Ressourceneinsatz sei beträchtlich: "Einwegbecher werden nur 15 Minuten genutzt, müssen aber immer wieder neu aus Frischfaserpapier hergestellt werden".

Laut der UBA-Studie sollten Einwegbecher mit einer Strafsteuer von 20 Cent belegt werden, die zugehörigen Deckel mit einer Abgabe von zehn Cent. Über diese Abgabe sollen die Cafés laut den Vorschlägen Geld für die Entsorgung der Becher und die Reinigung der Umwelt beisteuern. Zusätzlich sollen die Einwegbecher mit einem Pfand von 25 Cent belegt werden, um zu vermeiden, dass sie einfach achtlos in die Umwelt geworfen werden.

Die Studienautoren schlagen ein gesetzliches Reduktionsziel der Einwegbecher von 50 Prozent binnen zwei bis drei Jahren vor. Diese Zeit sollte nach Ansicht der UBA-Forscher genügen, um ein "flächendeckendes Mehrwegsystem" aufzubauen.

Kaffee im Pfandbecher sollte deutlich günstiger verkauft werden als im Einweggefäß, schlagen die Autoren vor. Das ist der Studie zufolge in vielen Cafés bereits der Fall. Pfandbecher sollten demnach die Regel sein, Einwegprodukte nur noch auf Nachfrage verkauft werden.  

Die Becher sollten außerdem mit dem Umweltsiegel "Blauer Engel" gekennzeichnet werden, um die Akzeptanz zu erhöhen, empfahlen die Autoren. Das Startup "FairCup" erhielt bereits als erster Anbieter die entsprechende Zertifizierung.

Damit Pfandbecher tatsächlich umweltfreundlicher sind als Einwegbecher sind, müssen sie möglichst häufig verwendet werden. Die UBA-Forscher berechneten, dass ein Pfandbecher mindestens zehnmal, am besten sogar mehr als 25 Mal in Umlauf kommen sollte. Zudem sollten die Becher nicht mit Einweg-Plastikdeckeln versehen werden, da diese die Ökobilanz wieder verschlechtern. Spülmaschinen zur Reinigung der Becher sollten nur mit Ökostrom betrieben werden.

Der Leiter für Kreislaufwirtschaft der Deutschen Umwelthilfe, Thomas Fischer, kritisierte, dass sich große Coffee-to-go-Ketten bislang kaum an besonders verbraucherfreundlichen Mehrwegbechersystemen mit Pfand beteiligten. "Das ist jedoch notwendig, damit eine Flächendeckung bei den Rückgabestellen erreicht wird."

Die Grünen forderten Umweltministerin Schulze zum Handeln auf. "Die Bundesregierung sollte eine Abgabe auf Coffee-to-go-Becher einführen", erklärte die umweltpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Bettina Hoffmann. Außerdem müsse die Regierung Handel und Gastronomie die Unsicherheit nehmen, indem sie klarstelle, dass Mehrweg mit den Hygienevorschriften vereinbar sei.

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