Fahrbericht

Mercedes-Benz GLC: Aufgefrischter Alleskönner

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mid Frankfurt - Aufgefrischter Alleskönner: das Facelift des Mercedes-Benz GLC wird ab Sommer 2019 bei den deutschen Händlern verfügbar sein. Daimler

Jeder dritte Mercedes ist derzeit ein SUV, im Jahr 2018 hat die Marke mit Stern rund 820.000 Autos dieser Kategorie an Frau und Mann gebracht. Jetzt hat einer dieser Erfolgsgaranten ein Facelift bekommen - der GLC fährt ab Juli 2019 frischer und moderner vor - und besser denn je.


Jeder dritte Mercedes ist derzeit ein SUV, im Jahr 2018 hat die Marke mit Stern rund 820.000 Autos dieser Kategorie an Frau und Mann gebracht. Jetzt hat einer dieser Erfolgsgaranten ein Facelift bekommen - der GLC fährt ab Juli 2019 frischer und moderner vor - und besser denn je.

SUV-Fahrer müssen immer wieder mit Vorurteilen kämpfen. Die weichgespülten Geländewagen seien reine Showcars für den Boulevard, abseits des Asphalts zu ungeeignet, groß, bullig und für Angeber. Wie bei so vielen Dingen liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte, das ist auch beim aufgefrischten Mercedes GLC so.

Ja, das SUV - als Fünftürer und als Coupé erhältlich - ist vergleichsweise bullig, obwohl es zur Mitteklasse-Familie der C-Klasse gehört. Ob Angeber-Auto oder nicht, hat vor allem der Fahrer in der Hand: ein aufgemotzter Golf GTI mit pinken Felgen, matt-grauer Lackierung und bollerndem Auspuff ist sicherlich deutlich kompakter, aber hundertprozentig mehr auf Krawall gebürstet als der GLC - zumindest, solange dieser nicht mit AMG-Logo vorfährt. Dann leistet das SUV mit 4,0-Liter-Achtzylinder und Biturboaufladung ziemlich brachiale 350 kW/476 PS, bei den S-Modellen sogar 375 kW/510 PS. Das maximale Drehmoment geben die Damen und Herren aus Affalterbach mit 650 oder 700 Newtonmeter an. Und die Kraft, die in ihm steckt, sieht man dem AMG GLC 63 4Matic+ natürlich an. Ausgeprägte Schürzen, Frontsplitter, Seitenschweller, breitere Radläufe, breite Heckschürze mit Diffusor und trapezförmige Doppelendrohrblenden gehören zu den Erkennungszeichen und Alleinstellungsmerkmalen der AMG-Version.

Wer das werksgetunte SUV nun als Angeber-Auto abtut, liegt falsch. Denn die zugegeben kernige Optik, die beim Coupé noch präsenter wirkt als beim Fünftürer, hält, was sie verspricht: Die S-Modelle stürmen in 3,8 Sekunden auf Tempo 100, jeder Tritt aufs Gaspedal bei der Testfahrt im Rhein-Main-Gebiet liefert eine derart derbe Beschleunigung, dass auto-affinen Fahrern das Grinsen ins Gesicht gebrannt wird. Spätestens dann wird der SUV-Nordschleifen-Rekord des Mercedes-AMG GLC 63 S 4Matic+ von 7.49,369 Minuten eine - wenn auch nur diffus - vorstellbare Größe. Für Normalfahrer übersetzt bedeutet der Wert, dass dieser Benz verdammt schnell ist. Der Topspeed liegt beim Basismodell bei 250 km/h, mit AMG Driver's Package bei 270 km/h, und bei den S-Modellen beträgt er 280 km/h. Und ganz ehrlich: Wenn der BMW X5-Fahrer auf der Nachbarspur an der Ampel den Daumen reckt und anerkennend rübernickt, dann ist die Zielgruppe erreicht, das Mindest-Soll erfüllt.

Nach dem Geschwindigkeitsrausch auf der Autobahn und Sportwagenfeeling auf einer kurvigen Landstraße geht's im Mercedes-Benz GLC 300 d 4Matic mit 180 kW/245 PS und 500 Newtonmeter Drehmoment in den Parcour des ADAC Off-Road-Zentrums Rhein-Main. Baumstammbrücke, Wasserdurchfahrt, steile Hänge mit bis zu 45 Grad Neigung - hier finden Offroad-Fans alles, was anspruchsvollen Fahrspaß garantiert. Klingt zunächst nach dem richtigen Terrain für die G-Klasse. Nach wenigen Metern und der ersten Steilkurve, die den GLC in eine aus dem Alltag völlig unbekannte Schräglage bringt, wird klar: Dieser Mercedes schafft die Fahrt zum Supermarkt auch dann, wenn der irgendwo am Ende der Welt steht.

In der Verschränkungs-Passage hebt sich das linke Vorderrad gut einen Meter nach oben, dank optionaler Luftfederung "Air Body Control" samt ebenfalls optionalem "Offroad-Technik-Paket" mit den Fahrmodi Offroad" und "Offroad+" schiebt sich der GLC hindurch wie an der Schnur gezogen. Das Fahrzeugniveau ist mit dem Geländetrimm um 50 Millimeter erhöht. Ebenfalls an Bord: Bergabfahrhilfe (Downhill-Speed-Regulation), Unterschutz aus leichtem robustem Kunststoff und eine Offroad-Lichtfunktion, sofern Multibeam-LED-Scheinwerfer in der Ausstattungsliste angekreuzt wurden. Die Frontkamera zeigt im Gelände, was sich direkt vor der dem Stern im Kühlergrill abspielt, selbst wenn Fahrzeugfront und der Blick des Fahrers in den Sternenhimmel gerichtet sind. Für sicheres Befahren von Steigungen und Gefällen ohne ungewollten Bodenkontakt bietet Mercedes zusätzlich das Offroad-Exterieur-Paket an, das größere Böschungswinkel zulässt. Wer den sportlichen Auftritt bevorzugt, liegt bei der AMG-Line mit dem neu gestalteten Frontstoßfänger und dem Diamantgrill richtig.

Auch dieser GLC ist also kein Angeber-Auto, denn das SUV kann vor allem im Gelände viel mehr als erwartet - und viel mehr als das, was die meisten Käufer ihm zumuten werden. Aber auch auf Asphalt macht das Aggregat eine richtig gute Figur. Die neu entwickelte Diesel-Motorengeneration OM 654 mit zweitem SCR-Katalysator und Neunstufen-Automatik punktet mit Laufruhe und mehr als überzeugendem Durchzug. Das Fahrwerk ist betont komfortabel, Ausstattung und Verarbeitung lassen in diesem Preissegment keine Wünsche offen und mit dem jetzt integrierten MBUX-Multimedia-System ist der GLC auch in Sachen Konnektivität auf dem allerneuesten Stand.

Viel Auto also, aber für wie viel Geld? Das Basismodell, das zum Marktstart des Facelifts allerdings noch nicht verfügbar sein wird, ist der Mercedes GLC 200 4Matic, der mindestens 46.237 Euro kosten wird. Für den 300d 4Matic werden mindestens 52.425 Euro fällig. Und das Top-Modell, die AMG-Varianten startet bei 86.370 Euro.

Mirko Stepan / mid

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