Ausbildung

Anspruch auf Nachholen des Berufsabschlusses und höheres Aufstiegs-Bafög

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Berufsschüler bei der Arbeit am Tablet Bild: AFP

Der digitale Wandel zwingt zur Weiterbildung - Politik und Wirtschaft haben daher eine Nationale Weiterbildungsstrategie beschlossen, die Arbeitnehmer und Betriebe dabei unterstützen soll.

Der digitale Wandel zwingt zur Weiterbildung - Politik und Wirtschaft haben daher eine Nationale Weiterbildungsstrategie beschlossen, die Arbeitnehmer und Betriebe dabei unterstützen soll. Geplant sind etwa ein Anspruch auf Nachholen eines Berufsabschlusses und eine Erhöhung des Aufstiegs-Bafög, das während der Vorbereitung auf einen Fortbildungsabschluss gezahlt wird. "Wir wollen in Deutschland eine echte Weiterbildungskultur entwickeln", erklärte Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) in Berlin.

Die Ministerin betonte, Weiterbildung müsse so ausgestaltet sein, dass sie die Beschäftigten nicht überfordert, sondern sie motiviert, sich fortzubilden. Sie kündigte eine "substanzielle" Erhöhung des Aufstiegs-Bafög an. Damit fördert der Staat die Vorbereitung auf mehr als 700 Fortbildungsabschlüsse wie Meister, Fachwirt, Technikerin oder Betriebswirtin.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) erklärte, die Nationale Weiterbildungsstrategie erschöpfe sich nicht in "abstrakten Absichtserklärungen". Vereinbart wurden zehn Handlungsziele. Als "ganz konkrete Maßnahmen" nannte Heil "einen grundsätzlichen Anspruch auf Nachholen eines Berufsabschlusses" und die deutliche Stärkung der Weiterbildungsberatung der BA. "Außerdem werden wir Maßnahmen wie staatlich geförderte Bildungszeiten prüfen - für neue und gute Arbeit von morgen."

Fast 90 Prozent aller Betriebe nennen bei den Auswirkungen der Digitalisierung Weiterbildungsmaßnahmen auf Platz eins, wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) berichtete. Dieser Bedarf zeige sich über Branchen und Unternehmensgrößen hinweg. Der Verband lobte die Nationale Strategie, betonte aber: "Weiterbildung lebt weiterhin vor allem vom individuellen Engagement der Betriebe und Erwerbstätigen vor Ort." 

Die Betriebe seien mit Abstand die größten Weiterbildungsanbieter, erklärte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Sie investieren demnach jährlich über 33 Milliarden Euro in die Weiterbildung ihrer Beschäftigten. "Die Weiterbildung liegt im ureigenen Interesse der Arbeitgeber." 

Wichtig werde nun aber, nicht nur innerhalb eines Unternehmens aktiv zu bleiben. Auch durch dezentrale Weiterbildungsverbünde unterschiedlicher kleiner und mittlerer Unternehmen vor Ort müsse das Lernen vorangetrieben werden. Zudem wollten Betriebe sich anstrengen, "mit flexiblen, niederschwelligen und berufsanschlussfähigen Weiterbildungsangeboten auch An- und Ungelernte zu erreichen". Der Zentralverband des Deutschen Handwerks forderte, vor allem kleine und mittlere Unternehmen für die Veränderungen der Arbeitswelt zu stärken.

Die Nationale Weiterbildungsstrategie wurde von Bund, Ländern, Wirtschaft, Gewerkschaften und der Bundesagentur für Arbeit (BA) beschlossen. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt kritisierte, die Bundesregierung "dreht hier nur das kleine Rad". Die öffentlichen Ausgaben für Weiterbildung stagnierten seit 20 Jahren.

Sie forderte, dass Aufstiegsfortbildungen genauso wie das Studium kostenfrei werden sollen, damit der Meister nicht gegenüber dem Master benachteiligt werde. Zudem schlug sie den flächendeckenden Aufbau von Bildungsagenturen vor, in denen jeder Weiterbildungsinteressierte und jeder Betrieb "erstklassige Beratung und passgenaue Förderung unter einem Dach findet".

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