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Direktor des Jüdischen Museums Berlin tritt nach Kritik zurück

  • AFP
  • In POLITIK
  • 15. Juni 2019, 12:25 Uhr
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Peter Schäfer vor dem Jüdischen Museum Berlin Bild: AFP

Der Direktor des Jüdischen Museums Berlin (JMB), Peter Schäfer, ist zurückgetreten. Hintergrund sind Vorwürfe wegen eines Internet-Tweets des Museums. Der Zentralrat der Juden begrüßte die Entscheidung.

Der Direktor des Jüdischen Museums Berlin (JMB), Peter Schäfer, ist zurückgetreten. Schäfer habe Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) seinen Rücktritt angeboten, "um weiteren Schaden" von dem Museum abzuwenden, hieß es in einer Erklärung des Hauses vom Freitag. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, begrüßte am Samstag die Entscheidung Schäfers.

Der Direktor des Jüdischen Museums stand seit Wochen in der Kritik. Auslöser der jüngsten Kontroverse war ein vor gut einer Woche von der Pressesprecherin des JMB abgesetzter Beitrag auf dem offiziellen Twitterkanal des Museums, auf dem sie unter dem Hashtag "#mustread" auf einen Artikel in der Berliner "taz" verwies. In dem Bericht ging es um die Kritik von 240 jüdischen und israelischen Wissenschaftlern an dem Beschluss des Bundestags, die Israel-Boykott-Bewegung "Boycott, Divestment, Sanctions" (BDS) als antisemitisch zu verurteilen.  

In dem JMB-Tweet wurde ein Satz aus dem Artikel, der den Bundestagsbeschluss unmittelbar kritisierte, direkt zitiert - allerdings ohne diesen in Anführungszeichen zu setzen. Kritiker fassten den Tweet deshalb als Verstoß gegen das Neutralitätsgebot des von der öffentlichen Hand finanzierten Museums auf. 

Kulturstaatsministerin Grütters, die auch Vorsitzende des Stiftungsrats des Museums ist, nahm Schäfers Rücktrittsgesuch an. Konkret begründet wurde Schäfers Entscheidung in der Hausmitteilung nicht. 

Dem scheidenden Museumsdirektor, der auch Professor für Judaistik ist, schlug allerdings in den vergangenen Wochen wachsende öffentliche Kritik wegen der politischen Ausrichtung des Museums entgegen, auch seitens des Zentralrats der Juden.

"Wir begrüßen die Entscheidung von Professor Schäfer, sein Amt als Direktor des Jüdischen Museums Berlin niederzulegen", erklärte Schuster nun in Berlin. Dies sei "ein wichtiger Schritt, um weiteren Schaden von der Institution abzuwenden".

Schuster hatte wegen des umstrittenen Tweets zuvor den Kontakt zum Jüdischen Museum abgebrochen. "Das Vertrauen der jüdischen Gemeinde hat die Leitung des Hauses verspielt", hatte er diesen Schritt begründet.

Auch Schäfer selbst hatte allerdings am vergangenen Mittwoch in "Spiegel Online" sein "Befremden, ja Entsetzen" über den Tweet geäußert. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" wurde die für den Tweet verantwortliche Pressesprecherin freigestellt.

Schon früher war Schäfer wegen des Vorwurfs, anti-israelischen Positionen in die Hände zu spielen, in die Kritik geraten. Im März hatte er den iranischen Kulturattaché im Jüdischen Museum empfangen. Im Interview mit "Spiegel Online" bezeichnete Schäfer dieses Treffen später als "Dummheit". Er sei damals "ein wenig naiv" gewesen, sagte er mit Blick auf politische Äußerungen seines Gastes.

Mit der Sonderausstellung "Welcome to Jerusalem" hatte Schäfer im vergangenen Jahr gar den Ärger von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf sich gezogen, der die Ausstellung als anti-israelisch empfand. Laut "Süddeutscher Zeitung" reagierte die Bundesregierung damals nicht auf die Forderung Netanjahus, dem Museum die Förderung zu entziehen.

Mit dem sofortigen Rücktritt Schäfers übernimmt der bisherige Geschäftsführende Direktor des JMB, Martin Michaelis, die operative Leitung des Museums.

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